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Reparaturen, Service, Kundendienst, Außendienst, Radio- und Fernsehtechniker

 

 

 

Heutzutage ist die Ausfallquote von Haushaltselektronik (auch bei der "brauen Ware", also bei Radio, Fernseher, usw) deutlich geringer als zu Zeiten der Röhren-Elektronik. Das lag auch an den in den Geräten verwendeten Röhren und sonstiger Bauteile, wie z.B. Widerständen.


Ein Kondensator-Typ (Wima) der oft fehlerhaft wurde -->

 

Diese Bauteile konnten sehr heiß werden, alles was heiß wurde, hatte eine höhrere Ausfallquote. Röhren hatten ausserdem aufgrund der hohen Innentemperatur der Heizfäden per Prinzip einen Verschleiß. Weiter kamen Bei Röhren Vakuumverluste und Kathodenalterung und weitere Störquellen mit der Zeit hinzu. Schließlich konnten auch Kondensatoren "durchschlagen" und Elektrolytkondensatoren im Laufe der Zeit "müde" werden.

 


ECLL800Das alles führte dazu, dass Radios und Fernseher, usw. immer wieder mal ihren Dienst versagten. Deshalb hatte im Grunde genommen, jeder Radio/Fernseh-Laden auch eine Werkstatt und einen Aussendienst, um auf defekte Geräte reagieren zu können. In Deutschland gab es eine Garantie-Zeit von damals einem halben Jahr. In dieser Zeit wurden defekte Geräte kostenlos in Stand gesetzt.

 

<-- Eine Röhre (ECLL800) die relativ oft fehlerhaft wurde und in keinem Röhrenkoffer fehlen durfte.

 

Das Berufsbild -- als Handwerk -- des Radio- und Fernsehtechnikers mit 3 1/2 - jähriger Ausbildungszeit und Gesellenprüfung legte die Grundlage zu qualifizierter Reparaturarbeit. Vor Einführung der Heim-Computer (ab ca. 1980) war die schon erwähnte "braune Ware" neben den Fotoapparaten die kompliziertesten Geräte in einem Haushalt.

 

Werkstätten mussten als Meister-Betriebe einen Mindeststandard erfüllen, nicht selten bildeten diese Meisterbetriebe Lehrlinge aus. Es gab als Vorläufer zum Radio- und Fernsehtechniker den Rundfunkmechaniker (auch mit Lehrlingsausbildung) und den Rundfunkinstandsetzer als Anlernberuf, sowie den Rundfunkfachverkäufer - der auch eine Kurz-Schulung im Werkstattbereich erhielt.

 

Solche Messgeräte wurden auch im Aussendienst eingesetzt.

 

Wegen dieser Reparaturanfälligkeit waren Radio- und Fernsehtechniker gefragte Arbeitskräfte. Eine typische Werkstatt hatte einen Meister, ein bis drei Radio- und Fernsehtechniker, einen Lehrling, einen Ausliefer/Abholfahrer.  In dieser Bertriebsgröße gab es keinen speziellen Innendienst und Aussendienst, alle Arbeiten wurden gemischt erledigt.

 

RöhrenhandbuchGrößere Radio/Fernsehgeschäfte hatten dann aber doch einen Innendienst und einen Aussendienst. Als Beispiel sei ein Berliner Radio-Laden mit Hauptgeschäft und Filiale genannt. Das Hauptgeschäft hatte den Senior-Chef,  zwei  Verkäufer, in der Werkstatt gab es den Meister und zwei Gesellen, ein Lehrling. In der Filiale gab es  den Junior-Chef als Filialleiter, drei Verkäufer. Der Aussendienst hatte zwei Lieferfahren und einen Aussendienst-Radio- und Fernsehtechniker.

 

<-- Ein typisches Röhrenhandbuch

 

Noch größere Betriebe: Z.B. drei Filialen ( den Chef, sechs Verkäufer) und einer Zentralwerkstatt ( ein Meister, sechs Radio- und Fernsehtechniker, fünf Lehrlinge) und einer Ladenwerkstatt ( drei Radio-und Fernsehtechniker,  drei Lehrlinge, ein Instandsetzer), Aussendienst (vier Techniker, vier Lieferfahrer).

 

Der Aussendienst war wichtig, da Kunden nicht gern Geräte aus dem Haus geben wollten. Auch war das Abholen vieler Geräte zur Reparatur in die Werkstatt und Wiederanlieferung  teuer und erforderte Personal und Zeit und war ein Kostenfaktor.

 

Der Aussendienst-Techniker hatte je nach Versorgungsgebiet ca. 6 - 10 Kunden am Tag. Man erwartete von ihm eine durchschnittliche Erfolgsquote von 80-90 %. Er sollte soviel wie möglich am Ort erledigen. Wenn möglich sollte er bei Notwendigkeit einer Werkstattreparatur ein solches Gerät gleich mitnehmen, deshalb hatten die Firmen gern PKW-Kombis (wie den Renault R4) oder gar Kleintransporter (wie den VW-Bus) als Fahrzeug.

 

roehrenkoffer-3.jpgWichtig für den Aussendienst-Service-Mann war sein "Röhrenkoffer". Es gab hier flache leichte Koffer, sowie große  fast quadratische Koffer  mit viel Rauminhalt. Hauptsächlich waren hier Röhren gelagert, aber auch oft benötigte Bauteile (Widerstände, Kondensatoren, Transistoren), Werkzeuge, Messgerät, Lötkolben, Röhrendatenbuch.

 

<-- Ein typischer Röhren-Servicekoffer (mehr weiter unten) (1)

 

Der Techniker musste nicht nur reparieren sondern  auch (um ein gutes Trinkgeld zu bekommen) den Kunden gut behandeln (mit "reparieren") können, ihm den Eindruck vermitteln gut und qualitativ zu arbeiten. Kunden-Texte, wie "Kann nicht viel sein, gestern ging er noch" oder "Machen sie mal eine neue Lamelle rein" oder " Da wird nur der Kondensator  kaputt sein" oder "Der muss nur mal geölt werden", waren garnicht selten.

 

Wenn die Reparatur mal länger als 15 Minuten dauerte, kam auch schon mal die Frage " Haben sie den Beruf gelernt oder sind sie nur ein 'Hiwi' (Hilfs-Wilhelm)". Auf eine solche Frage hin wurde vom Techniker sicherheithalber noch eine weitere Röhre getauscht und berechnet... :-)

 

Konnte der Techniker einen guten Eindruck hinterlassen, gab es oft gutes Trinkgeld. Pfiffige Techniker (wie ich) hatten sich ein kleines Oktav-Heft zugelegt, wo sie sich bei Stammkunden ein paar Informationen zum Kunden / zur Kundin eintrugen. Es kam gut, wenn man bei einem wiederholten Besuch nach dem Enkel in den USA fragen konnte. Trinkgelder konnten durchaus ein paar Hundert DM im Monat erreichen bei über  150 Kunden im Monat kam schon was zusammen: 150 x 2 DM =  300 DM gar nicht selten.

 


 

 

Wie es einem Radio- und Fernsehtechniker Lehrling damals so ging kann hier nachgelesen werden.

 

Typische Röhren-Service-Koffer aus den schziger / siebziger Jahren:

 

 roehrenkoffer-1.jpg

(1)

 roehrenkoffer-2.jpg

(1)

 roehrenkoffer-4.jpg

(2)

 roehrenkoffer-5.jpg

(2)

(1) = Foto von "j.werner" aus dem Wumpus-Gollum-Forum

(2) = Foto von "user44" aus dem Wumpus-Gollum-Forum


 

vw-bus.jpg

So oder so ähnlich sahen Kundendiest-Service-Wagen der Radioläden aus.

 


06.05.2021

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