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Wumpus-Kompendium. --- Reparaturen 2 --- und allgemeine Hinweise

 


Das ist eine Unterseite des "Wumpus-Kompendiums"(WK).

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... zum Teil 1 von 2 des Kompendiums

Alle Angaben ohne Gewähr!

 
Copyright Rainer Steinführ, Berlin. Letzte Bearbeitung 29.04.2017


 Photos und Grafiken mit dicken schwarzen Rahmen sind anklickbar.



 

101) ECLL800. Ersatztypen und prüfen von Gebrauchtware.
ECLL800Die ECLL800 ist Mangelware und teuer. Deshalb wird versucht, Ersatzlösungen zu realisieren. Es hat sich die Kombination EC92, EL95, EL95 auf Adapter als HALBWEGS praktikabel herausgestellt. Allerdings werden die technischen Daten nicht voll getroffen. Diese Kombination wurde sogar schon gewerblich angeboten.

 

Leider passen solche Adapterlösungen nicht in jedes Gerät. Mir wurde auch von Kombinationen ELL80 und EC92 berichtet.

 

Wer sich auf Trödelmärkten oder Sammlertreffen mit Ersatz eindecken will, sollte über meinen Bauvorschlag für einen speziellen portablen ECL800-Röhrenprüfer nachdenken.

 

Besonders ist auch auf gewisses sogenanntes "Luftziehen" der ECLL800 zu achten. Die betroffenen Röhren neigen dabei zu einem bläulichen Leuchten und zeigen u.U. auch eine Verfärbung der Getterstellen.

 

Die ECLL800 ist eine Röhre, die sich recht schnell verbraucht und auch ansonsten störanfällig ist. Es ist davon auszugehen, daß der enge Aufbau mit 3 Systemen, zwei davon Leistungs-Stufen, thermisch innstabil ist.

 

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102) Warum gehen alte Radios so "schnell" kaputt?
heisser-widerstand.jpgAlte Röhrenradios werden warm bis heiss. Diese Wärme geht von vielen Bauteilen aus: Röhren, Widerstände (insbesondere Heizkreis-Vorwiderstände), Transformatoren, Skalenbirnen sind die Hauptverursacher. Je heisser ein Bauteil, desto grösser ist die Gefahr nach einiger Zeit Fehler hervorzurufen. Hinzu kommen Gehäuseformen und Gehäusegrössen die Stauwärme erzeugen, ebenfalls eine Keimzelle für kommende Fehler. Falsche Plazierungen des Gerätes können ebenfalls Überhitzungen hervorrufen.

 

Die Geräteentwickler haben sicher nicht für Jahrzehnte Lebendsdauer geplant. Ein Radio von damals wurde bestenfalls für ca. 10 Jahre geplant (vielleicht 20 Jahre), aber wir haben jetzt Radios, die durchaus 80 Jahre alt sein können. Die Bauteile trocknen aus, verspröden, verharzen, oxydieren, usw. Im Gerät liegen an Bauteilen bis zu 350 Volt Spannung an und belasten Isolierungen. Röhren und Skalenbirnen sind per Definition Verbrauchsartikel. Kontaktsätze "wollen" oxydieren und kracheln.

 

Bildmitte: Heizkreis-Vorwiderstand --->

 

Deshalb gehen alte Radios so "schnell" kaputt. Wenn wir ehrlich sind, müssen wir zugeben, dass kaum einer unserer Oldtimer wirklich fehlerfrei ist. Kontaktprobleme zumindest hat er immer oder nur kurzzeitig nach einer immer wieder notwendigen Kontaktpflege nicht.

In diesem Kompendium wird auf diese Dinge immer wieder hingewiesen. Der Rat, einen Oldtimer nicht ohne Überwachung laufen zu lassen, kommt nicht von Ungefähr.

 

Auch an dieser Stelle darf der Rat nicht fehlen: Betreiben Sie alte Radios NIEMALS ohne Aufsicht. Verlassen Sie das Zimmer, schalten Sie das Radio aus!

 

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103) Allstrom-, Gleichstrom-, Wechselstrom-Geräte für welche Stromnetze?
Radios wurden zuerst mit Batterien und Akkumulatoren, dann mit dem Stromnetz versorgt. Dabei gab es Gleichstromnetze und Wechselstromnetze.

 

ve301g.jpgGleichstrom: Es wurden Geräte gebaut die NUR an Gleichstromnetzen betrieben werden konnten. Das waren die Gleichströmer. An der Geräterückseite wird das oft mit dem Wort "Gleichstrom" oder "Nur für Gleichstrom" oder "Nur "Gleichspannung" oder auch nur einem Strich "-" (wie das Minuszeichen) deklariert. Diese Geräte dürfen NIEMALS am Wechselstromnetz angeschlossen werden. Oft hatten diese Netze nur 110 Volt.

 

Gleichstromradio: Volksempfänger VE301G -->

 

Wird ein Gleichstromgerät "falsch" herum in die Steckdose eines Gleichstromnetzes gesteckt, passiert nichts. Es gibt nur keinen Empfang. Es hat auch deshalb Netzstecker und Netzsteckdosen mit einer Markierung für den Plus-Pol (+ oder Rotpunt) gegeben. Es soll bis Ende der Sechziger Jahre noch vereinzelte Gleichstrom-110V-Netze in Deutschland gegeben haben. Heutzutage gibt es keine solchen Netze mehr. Im PKW gibt aber noch quasi ein kleines 12 Volt-Gleichstromnetz.

 

Wechselstrom: Modernere Netze wurden und werden mit Wechselspannung (in Deutschland mit 50 Hz) betrieben. Radios hierfür sind zumeist mit einem Transformator ausgerüstet. Auf der Rückwand steht z.B. "Wechselspannung" oder "Wechselstrom" oder "nur für Wechselstrom", usw. Eine liegende Schlange "~" (auch übereinander doppelt) kann ebenfalls ein Hinweis sein. Wechselstromgeräte dürfen NIEMALS an Gleichstromnetze angeschlossen werden. Bis 1987 war in Deutschland die mittlere Spannung 220 Volt, danach 230 Volt.

 

Allstrom: Diese Geräte können sowohl an Gleichstrom- wie auch an Wechselstromnetzen betrieben werden. Auf der Rückwand gibt es Hinweise wie: "Allstrom" oder "Für Gleich- und Wechselstrom", usw. Symbolisiert wird das durch ein horizontalen Strich "-" über der Schlangenlinie "~". Wird ein Allstromstromgerät "falsch" herum in die Steckdose eines Gleichstromnetzes gesteckt, passiert nichts. Es gibt nur keinen Empfang. Das wahrscheinlich letzte Allstromradio wurde mit der Philips Philitina I Box19U im Jahr 1963 in der Bundesrepublik angeboten.

 

Allströmer und Gleichströmer haben immer galvanischen Kontakt zum Stromnetz, dadurch gibt es Sicherheitsprobleme. Als Beispiel wird hier die sogenannte "Netzantenne" genannt. Dabei wird über einen Kondensator das Stromnetz als "Antenne" genutzt. Schlägt dieser Kondensator durch, kann es gefährlich werden.

 

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104) Allstromröhren, Serienheizung

ubl21.jpgAllstrom- und Gleichstrom-Radios nutzten im Allgemeinen die sogenannte Reihenheizung oder Serienheizung für die Röhren. Dabei waren die Heizkreise so aufgebaut, dass man bei Geräten mit wenigen Röhren möglichst ohne zusätzliche Heizvorwiderstände (zumindest bei 110V-Netzen) auskam. Für höhere Netzspannungen wurde die Überschuss-Spannung mit Widerständen "vernichtet". Röhren in diesen Heizkreisen hatten in der Regel alle die gleiche Stromstärke. So konnten sie gut in Reihe geschaltet werden. Die U-Röhren-Reihe hatte z. b. 100 mA Heizstrom. Die Heizspannung für jede Röhre war unterschiedlich. Eine weitere Serie: Die P-Röhren (zumeist für Fernsehgeräte, die fast alle Allströmer waren) mit 300 mA Heizstrom.

 

In diese Serienkreise wurden auch die Skalenbirnchen integriert. Für die U-Röhren zumeist die 18V / 0,1 A-Typen.

Einschaltstromstösse der im kalten Zustand sehr niederohmigen Heizfadenwiderstände wurden mit temperaturabhängigen Vorwiderständen (z.B. Urdoxwiderständen) kompensiert. Bei sehr preiswerten Geräten wurde allerdings auf Kosten der Lebensdauer der Röhren auf diese Heissleiter verzichtet. Man ging dabei davon aus, dass ein Heizvorwiderstand an sich den Einschaltstromstoss bremsen würde. Wenn sich eine günstige Kombination von einem relativ hochohmingen Vorwiderstand und wenigen Röhren ergibt, ist eine Stromstossbegrenzung weniger notwendig.

 

In der Praxis war der Heizkreis aber komplizierter aufgebaut. Ein typischer Heizkreis für die Philips Philetta BD273U bildete sich beispielsweise aus den Röhren UCC85 (26V), UCH81 (19V), UF89 (12,6V), UBC80 (19V), UL84 (45V), UY85 (38V), zwei Skalenbirnen in Reihe a 12 V / 0,1A. Daraus ergibt sich eine theoretische Gesamtspannung von 183,6 Volt. Das würde für eine der beiden Betriebsspannungen des Radios (220V) mit einem zusätzlichen Vorwiderstand ausreichen, nicht mehr für 110 Volt. Also wurde der Heizkreis in Abhängigkeit der gewählten Betriebsspannung geteilt. Es wurden weiter zwei temperaturabhängige Widerstände (R5 und R6) eingebaut und mit einem Widerstandsnetzwerk verknüpft. Mittels eines Schaltes und einer Umklemmung konnte also die Netzspannung geändert werden. Die Skalenbirnern waren Bestandteil des Heizkreises, fiel eine aus, änderte (veringerte) sich die Versorgungsspannung des Teilheizkreises.


Heizkreis Philips Philetta BD273U


Ein weiterer Allströmer. Hier ist der Urdox in Glasumhüllung gezeichnet. Es gab verschiedene Schaltzeichen-Symbole für diese Heissleiter (U920)..

 

Die alten Urdox-Heissleiter lassen sich nur schwer mit modernen Bauteilen im Reparaturfall ersetzen. Moderne gut erhältliche Heissleiter treffen selten die benötigte Kalt/Heiss-Widerstandskombination.

 

Darüberhinaus wurden auch Eisenwasserstoffwiderstände zur Kompensation von Netzspannungsschwankungen eingesetzt.

 

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105) Potentiometer: Anzapfungen / Gehörrichtige Anzapfung / Linear - Logarithmisch / Stereo / Trimmer

log-pot.jpgDreh-Widerstände mit veränderlichen Ohm-Werten werden in Radios als Potentiometer bezeichnet. Es gibt sie grundsätzlich in zwei Anwendungsformen:

  • Potentiometer: Nutzung durch den Besitzer des Gerätes von ausserhalb des Radios zum Einstellen und Verändern von Lautstärke, Klang, Stereo-Balance usw.
  • Trimmer: Justage von Betriebsparametern des Radios durch den Service-Techniker. Damit kann z.B. eine Gittervorspannung, eine Regelspannung, die Heizspannung, usw. justiert werden. Die Festeinstellpotis wurden auch Trimmer genannt. Bedient wurden sie vom Service-Personal zumeist mit einem kleinen Scharubenzieher.

Folgende Bautypen kamen zum Einsatz:

  • Linear-Poti.Hier ändert sich der Widerstandswert pro Zentimeter Widerstands-Strecke immer um den selben Betrag. Anwendung: Tonblende, Stereo-Balance, Rückkopplung, usw.
  • Logaritmisches Poti. Hier ändert sich der Widerstandwert pro Zentimeter Widerstands-Strecke logaritmisch. Anwendung: Lautstärkeregelung.

 

poti-typisch.jpg

Typischer Aufbau eines Standard-Potentiometers mit Anschlußfolge.

An Punkt 2 wird der veränderliche Wert abgegriffen.

 

trimmer-poti.jpg

Potentiometer und Trimmer. Beispiele.

 

 

Üblich waren 6 - oder 4 mm -Achsentypen. Auf diese Achsen wurden Bedienknöpfe montiert, zum Teil mit "Madenschrauben" fixiert. Für Stereogeräte gab es Doppelpotentiometer (Lautstärkeregelung). Dabei wurden mit einer gemeinsamen Achse beide Widerstandsstrecken synchron eingestellt. Bei anderen Doppelpoti-Typen war auf einer scheinbar gemeinsamen Achse über die vorn aufgeschraubten Bedienknöpfe zwei Widerstandsbahnen getrennt einstellbar. Anwendung: z.B. Höhen / Tiefenregeleung.

 

Das menschliche Ohr hört bei geringen Lautstärken tiefe Frequenzen im Vergleich zu hohen Frequenzen schlechter. Die frequenzabhängige Lautstärkeregelung oder gehörrichtige Lautstärkeregelung konnte das kompensieren. Wird ein Lautstärkeeinsteller (früher nannte man sie Lautstärkeregler, obwohl sie nichts regelten, sondern nur etwas stellen konnten) im unteren Viertel (von Masse aus gesehen) eingestellt und verfügt das Lautstärkepotentiometer über eine Anzapfung, kann hier eine Reihenschaltung eines Widerstandes und eines Kondensators nach Masse (Zeitkonstante) angeschlossen werden. Die Höhen werden in diesem Bereich bedämpft. Für das Ohr werden also die Tiefen scheinbar etwas angehoben.

 

Übrigens hatten die Lautstärkepotentiometer eine logarithmische Widerstandstrecke, der Widerstandswert änderte sich nicht linear. Solche logarithmischen Potentiometer mit Anzapfung sind heute neu kaum noch zu beschaffen. Wird ein lineares Poti ohne Anzapfung als Ersatz verwendet, ändert sich das Einstellverhalten und Klangbild deutlich. Es gibt auch keine wirklich funktionierende  Ersatzschaltung für alte log. Anzapf-Potis. 

 

Tonblendenpotentiometer waren linaer aufgebaut.


Logarithmisches Lautstärkepotentiometer L mit Anzapfung für gehörrichtige Lautstärkeregelung. R47, 0,5 + 1,5 MOhm.
Lineares Potentiometer K zur Klangregelung.

 

Bevor ein altes Potentiometer ersetzt werden muss, sollte deshalb geprüft werden, ob eine Reparatur möglich ist. Die alten Typen sind kaum noch zu bekommen. Mit etwas Geschick können die Potigehäuse geöffnet werden. Ein Ausbau ist aber dafür meist notwendig. So kommt man an die Achsen zum Ölen heran, kann Nietprobleme an den Übergangsstellen Kontakt - Schleifbahn beheben, Bahnunterbrechungen mit Leitlack umgehen, Wakos beseitigen, fehlende Schleifer-Kontaktgeber aus Restbeständen ersetzen, usw. Sinnvoll istdabei die genaue Aufzeichnung der Leitungsanschlüsse.

 

In einzelnen Fällen kann es auch helfen, mit Leitlack (stromleitend) schlechte Nietübergänge von den Potianschlüssen zur Schleifbahn die Unterbrechung aufzuheben. Es leichtes Nachschlagen der oft eingesetzen Nieten an den Kontaktübergabestellen kann helfen. Die kleinen Kontaktstellen-Einsätze, die den Kontakt von der Schleifbahn zur variablen Abnahmestelle sicherstellen, können verbraucht sein. Vielleicht kann man sie durch einen Ersatz aus einem anderem Poti reparieren.

 

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106) Warum gibt es im Netzteil manchmal Zweiwegleichrichter?

Einweggleichrichter lassen nur eine Halbwelle der Wechselstrom-Sinus-Vollschwingung durch. Dadurch fliesst während der Hälfte der Zeit kein Strom. Am Ausgang des Gleichrichters steht also nur zur Hälfte der Zeit eine Spannung an (pulsierende Gleichspannung). Der Ladeelko und die Siebdrossel oder der Siebwiderstand und der folgende Siebelko glätten zwar diese Ungleichmässigkeit, aber es bleibt ein geringes Restbrummen von 50 Hz übrig. Wird dagegen eine Doppelgleichrichtung verwendet, wird jede Halbwelle der Wechselstromschwingung genutzt, es liegen pro Vollschwingung von 50 Hz ZWEI Halbwellen gleicher Polarität am Ladeelko. Das ergibt quasi 100 Hz. Bei 100 Hz hat aber die Siebkette (Ladeelko, Siebdrossel oder Siebwiderstand, Siebelko) eine höhere Wirkung. Das Ergebnis ist ein wesentlich weniger pulsierender Gleichstrom (Gleichspannung) mit einem deutlich geringeren Restbrummanteil.

 

107) Austausch von seltenen Germaniumdioden und Germaniumtransistoren

Germaniumhalbleiter werden immer schwerer beschaffbar. Können nun beleibige Typen gegeneinander getauscht werden? Nein. Auch bei Germaniumhalbleitern gibt es unterschiedliche Typen. So gibt es nieder-, mittel- und hochohmige Varianten. Unterschiedliche Ströme und Grenzfrequenzen sind auch zu beachten. Diodenvergleichslisten aus der damaligen Zeit helfen weiter. Leider gibt es in diesen Listen immer wieder mal Fehler, also Vorsicht.

 

Germaniumdioden (z.B. OA9, OA95, AA122, usw) sind sehr wärmeempfindlich. Die Lötkoblentemperatur sollte so gering wie möglich sein (heute in Zeiten der neuen bleifreien Lote ein Problem). Es ist UNBEDINGT erforderlich, dass mit einer kleinen Zange oder Pinzette die Hitze des Lötkolbes über den Anschlussdraht kommend, von der Diode fern gehalten wird. Kurz und gezielt löten!

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108) Lötkolben, löten

loetkolben.jpgloetzinn.jpgIn Rundfunkgeräten werden elektrische Verbindungen entweder verschraubt, (selten) verschweisst / hartgelötet  oder  weich-verlötet. Es handelt sich in der Regel also nicht um Hartlötungen. Hartlötungen wurden nur bei der Produktion von Hochlast-Heizkreiswiderständen  genutzt. Verlötungen schaffen schnell elektrisch und mechanisch sicherere temperaturbelastbare und niederohmige Verbindungen. In Zeiten der Röhrenradios reichten durchaus wuchtige Lötkolben mit ca. 100 Watt. Allerdings mussten auch hier Lötverbesserer (Flußmittel) eingesetzt werden. Später, mit Einführung der Halbleiter, insbesondere der Germaniumhalbleiter und später der hochohmigen Schaltkreise und Feldeffekttransistoren, mußte der Lötkolben und der Umgang mit den Bauteilen beim Löten "besser" werden.

 

Ein guter Lötkolben in der Radiowelt hat eine geringe Leistung um ca 20-30 Watt, ist in der Hitze regelbar (einstellbar), ist elektrisch geerdet und hat eine kleine verzundergeminderte austauschbare Spitze. Gut sind elektronisch oder magnetisch geregelte Lötstationen. Schwere und stromstarke Lötkolben sollten nicht verwendet werden. Heute sollten stromlose Lötkolben (vielleicht unter Ausnahme der kompakten Gas-Brenner) nicht mehr verwendet werden.

 

Als Lot darf nur "Lötzinn" mit integriertem säurefreien Lötverbesserer zum Einsatz kommen. Heutiges Lötzinn hat eine deutlich  höhere Schmelztemperatur (weil der umweltgefährdende Legierungsbestandteil Blei substituiert wurde), alte Bauteile werden also temperaturmässig stärker belastet. Früher mußte man das Flußmittel zusätzlich zur Lötstelle bringen, bald gab es aber auch Lötzinn, bei dem innen im "Lötdraht" das Flußmittel als Pulver oder Paste eingebracht war.

 

loetstaender.jpgBeim eigentlichen Löten werden erst beide zu verbindende Metallteile vorverzinnt. Die eigentliche Lötung muss schnell und trotzdem ausreichend erhitzend vor sich gehen. Wenig, aber ausreichend, kurz und konsequent löten. Der Lötverbesserer in dem Lötzinn verdampft schnell und die Verlötung ist dann nicht mehr stabil und dauerhaft. Lötklumpen und Kleckse zeigen den Laien. Die Oberfläche der Lötstelle soll nach dem Löten glatt und "sauber" erscheinen. Löttropfen und Lötverbesserertropfen sind sofort aus dem Radio zu entfernen. Am Ende der Lötung dem Material verwacklungsfrei genügend Zeit zum Abkühlen geben.

 

Nach dem Löten ist die Lötspitze mittels Wasserschwämmchen sofort zu reinigen. Beginnt sich die Lötspitze aufzulösen (an einer unklaren Oberfläche zu erkennen) muss sie getauscht werden.

 

Lötzinn (altes Lötzinn: Legierung aus Zinn und Blei. Neues Lötzinn: Legierung z.B. aus Zinn und Silber, usw.) kann sich unter bestimmten Umständen (am ehesten bei niedrigen dauerhaften Temperaturen unter + 13 Grad) verspröden. Dabei beginnen sich Lötstellen aufzulösen oder werden porös und damit kann es Kontaktprobeme geben. Dieses Schadbild wird auch schon mal (etwas ungenau) als "Zinnpest" oder Zinnfraß bezeichnet. Ob es eine echte Zinnpest oder eher ein Zerbröseln der alten Lötstelle duch ungünstige Flußmittel ist oder schlechte Lot-Bestandteile, wird unterschiedlich beurteilt. Es gibt auch  Lötstellen, die oberflächlich blank sind, innen aber zerbröseln . Mir sind mehre Geräte - die Jahrzehnte in einer Scheune lagerten - bekannt, wo Lötstellen wie beschieben aussahen. Ob hier tatsächlich die "Zinnpest" Ursache war, kann nicht abschließend geklärt werden.

 

Betroffene Lötstellen kann man u.U. retten in dem das alte Lot gründlich entfernt (vielleicht abgesaugt) und ordentlich neu verlötet wird.

 

Zinnpest, Zinkpest, Zinnfraß, Zinkfraß: Zinn und Zink können, wie schon angedeutet, Materialzersetzungen erleben. Dabei kann man sich gern über die Begriffe streiten. Jedenfalls sind die Materialumwandlungen zerstörend und können eigentlich nicht gestoppt werden. Es gibt allerlei Rezepte zum Thema, wirksam sind sie aus meiner Sicht kaum. In vielen Radios waren Zink oder Zinklegierunen eingebaut. Vom Drehkondensator über Schiebestangen bis hin zu Vermittlungsrädern reicht die Anwendungspalette.

 

... mehr zu "Löten - aber bitte richtig"

 

 

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109) Volksempfänger VE301W brummt

ve301w.jpgDiese Aufstellung geht von einem Netzbrummen oder unbestimmbaren Brummen aus, während das Gerät aber ansonsten funktioniert. Beachten Sie auch bitte, dass der VE301W ein gewisses leises Restbrummen ( 2-5 % der Zimmerlautstärke) schon immer hatte. Die Kapazitäten der Siebkette im Netzteil ist eben etwas knapp bemessen.

 

Wenn Sie ein Voltmeter haben, sollten Sie folgende Spannungen messen, um eine Übersicht zu gewinnen. Fliesst aus irgendeinem Grund zu viel Strom über das Netzteil, wird das Brummen auch lauter. Kein Sender eingestellt, Rückkopplung pfeift nicht, keine Antenne, keine Erde. Die Spannungen werden bei einem modernen Digi-Meter ca 10-15 % höher sein. Die Spannungen werden gegen E (Erde) gemessen.

  • Anode RES164 ca 190 Volt gegen Erde. Zu gering? Gittervorspannung zu gering? RGN354 verbraucht?
  • Schirmgitter RES164 ca 75 Volt. Zu gering? Gittervorspannung zu gering? RGN354 verbraucht? Schirmgitterwiderstand 100 k Ohm hochohmig? Schirmgitterkondensator 0,1 uF Feinschluss?
  • REN904 Anode ca. 60 Volt. Zu gering? RGN354 verbraucht? 50 K Ohm hochohmig? 60 cm oder 1 uF Feinschluss.
  • Gittervorspannungserzeugung. Über den 700 Ohm-Gitterspannungserzeuger sollen ca. 11 Volt abfallen. Ist diese Spannung deutlich geringer, muss das Gerät brummen! RGN354 verbraucht?

Es könnte sein, dass das Brummen gar kein Netzbrummen, sondern eine HF- oder NF-Einstrahlung ist. Solche Einstrahlungen sind zumeist in ihrem Ton strukturierter (schnarrender) als ein reiner 50 Hz-Ton. In Frage kommen elektrische Geräte in der Nähe des Radios (Fernseher, Computer, WLAN, drahtloses Telefon, FAX-Gerät und und und.

 

Kümmern wir uns zuerst um reines Netzbrummen:

Erster Schritt: Entbrummer. Ist der Entbrummer (100 Ohm) richtig eingestellt? Man kann diesen Trimmer auf Brumm-Minimum einstellen. Das gelingt aber nicht immer. Ausserdem wurde der Trimmer später aus Kostengründen durch Festwiderstände mit Anzapfung ersetzt. Mit einem Trimmer lässt sich das Brummen besser kompensieren.

 

In den meisten Fällen wird bei starkem 50 Hz - Netzbrummen einer der beiden (oder beide) Kondensatoren im Netzteil (Ladekondensator 2 uF und Siebkondensator 4 uF) Kapazitätsverlust haben. Achtung: Die original eingebauten Kondensatoren sind KEINE Elektrolytkondensatoren! Wie prüfe ich den Kapazitätsverlust? Ein Elektrolykondensator mit ca. 4-10 uF und ausreichender Spannungsfestigkeit von ca. 350 Volt wird mit richtiger Polarität testweise zusätzlich angeschlossen. Dabei gilt: Beim Ladekondensator 2 uF: Prüf-Kondensator parallel zum 2 uF, Minus an die korrespondierende Seite des 700 Ohm-Widerstandes, die Plus-Seite an die richtige Seite des 3000-Ohm-Siebwiderstandes. Beim Sieb-Kondensator 4 uF: Prüf-Kondensator parallel zum 2 uF, Minus an die korrespondierende Seite des 700 Ohm-Widerstandes, die Plus-Seite an die richtige Seite des 3000-Ohm-Siebwiderstandes. Ist das Brummen weg, werden die Prüfkondensatoren fest eingebaut.

 

Die Originalkondensatoren 2 uF und 4 uF sind wie schon erwähnt von Hause aus sehr knapp in ihrer Kapazität bemessen. Es schadet also nicht, wenn als Ersatz etwas höhere (aber nicht zu hohe Werte) verwendet werden. 5-10 uF sind ein guter Ersatzwert. Es kommt immer wieder mal vor, dass sonst das Restbrummen nicht wegzubekommen ist.

 

Ist das Brummen immer noch da?

Jede der Röhren kann das Brummen ebenfalls verursachen: Deshalb wird jetzt die Audionröher REN904 gezogen und das Gerät in Betrieb genommen. Ist das Brummen jetzt weg? Dann dürfte diese Röhre einen Fehler haben. Es könnte aber auch ein Fehler an der Kombination 2 MOhm und 100 cm vorliegen (falscher früherer Austausch oder Feinschluss des 100 cm Kondensators. Das Rückkopplungspfeifen muss sich sicher wegdrehen lassen. Schwingt die Audionstufe und / oder die Lautsprecherverstärkerstufe, kann ebenfalls ein Brummen hörbar werden.

 

Ist das Brummen noch da? REN904 wieder reinstecken, dafür die RES164 raus. Brummen noch da? Dann könnte ein Fremdeingriff oder eine unqualifizierte Änderung vorliegen. Ist das Brummen weg? Dann ergeben sich mehrere Möglichkeiten:

  • Röhre fehlerhaft.
  • NF-Trafo 1:4 könnte primär oder sekundär Windungsschluss haben oder sekundär hochohmig (auch Unterbrechung) geworden sein. Dann müsste aber auch die Lautstärke des Empfanges recht gering sein. Einen Windungsschluss (damit ist kein Wicklungsschluss gemeint) kann man ohmisch nicht messen. Dieser Fehler ist aber recht selten bei diesem Trafo. Bei Hochohmigkeit der Sekundärwicklung koppelt die Vorstufe quasi kapazitiv auf die Folgestufe, die Impedanzen stimmen nicht mehr, brummen kann auftreten. Auch auf die richtige Phasenlage der beiden Wicklungen des Transformators achten, könnte bei früheren Reparaturversuchen verbastelt worden sein (Hinweis von "Röhrenfreak" und "JHG" aus den Wumpus-Gollum-Forum).
  • Ist der Kern dieses NF-Trafos mechanisch und elektrisch mit dem Chassis verbunden?
  • Hat der Siebwiderstand des Netzteiles 3000 Ohm?
  • Hat der Gittervorspannungserzeuger 700 Ohm?

Ist das Brummen immer noch da?

Die Gleichrichterröhre RGN354 könnte defekt sein. Kein Ersatz? Testweise reicht auch eine moderne SI-Diode mit der entsprechenden Spannungsfestigkeit. Bitte nur mit einem 3 Watt 10 Ohm-Widerstand in Reihe testen, auf richtige Polarität achten. Der Strich der Diode muss zum Ladekondensator uF zeigen.

 

Brummen immer noch da?

Der Netztrafo könnte einen Feinwindungsschluss haben (selten). Er würde sich alsbald erwärmen und dann erhitzen.

Kommt das Brummen garnicht aus dem Lautsprecher? Wenn der Lautsprecher abgelötet wird, brummt es immer noch? Mechanisches Brummen des Netztrafos (garnicht so selten).

Gibt es schmierige Reinigungs- oder Kontaktverbesserungs-Mitteln am Chassis und den Röhrensockeln und Fassungen? Alter fettiger Staub? Weg damit.

Kümmern wir uns nun um HF-NF-Einstrahlungen (strukturiertes, schnarrendes Brummen:

Das Gerät mal ohne Antenne und Erde, Rückkopplung voll weg in einem anderen Zimmer, in einer anderen Wohnung betreiben.

 

Brummen immer noch da?

Hilft das Umdrehen des Netzsteckers?

 

Gibt es schmierige Reinigungs- oder Kontaktverbesserungs-Mitteln am Chassis und den Röhrensockeln und Fassungen? Alter fettiger Staub? Weg damit.

 

Geht das Brummen ohne Antenne und / oder Erde weg, könnte u.U. eine Schaltungsergänzung helfen: Parallel zum Siebkondensator 4 uF einen 5 nF Kondensator und / oder parallel zur Diodenstrecke der RGN354 mit guter Spannungsfestigkeit (ca.400 Volt) legen.

 

Sonstige Fehlermöglichkeiten:

Jetzt wird es langsam schwierig. Ist wirklich kein Fremdeingriff oder eine sonstige Verschlimmbesserung vorgenommen worden (gar nicht selten)? Sie glauben es nicht, was so in 75 Jahren alles an einem VE301W so alles gemacht wurde. Auch die nachträgliche Installation eines Schukosteckers MIT angeschlossener Schukoleitung zum Chassis wäre eine solche Verschlimmbesserung. Genauso der nachträgliche Einbau einer Netzantenne. Auch der Einbau eines Tonabnehmeranschlusses kann Brummen erzeugen. Erdanschlüsse liefern gern Zusatzbrummen. Langdrahtantennen lieben Störfelder, die sie dann direkt zum Empfängereingang liefern.

 

Sind wirklich alle Bauteile noch vorhanden? Gern verschwindet mal der 60 cm Kondensator an der Anode der REN904 nach Erde. Weitere Abknippskandidaten sind der 150 cm Kondensator parallel zur Sekundärwicklung des NF-Trafos oder der dicht dabei liegende 0.1 uF an der "kalten Seite" dieses Trafos.

 

Brummen endlich weg? Fein. Wenn nicht: Es gibt auch noch andere "verrückte" Fehler, die man aber vernünftigerweise in einer Handlungsanleitung wie dieser hier nicht alle aufführen kann.

 


(Photo von Roehrenfreak, Jürgen aus dem WGF)

 

 

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110) Audion / Einkreiser / Mehrkreiser / Neutrodyne / Geradeausempfänger / Rückkopplung / Anodengleichrichtung


Geradeausempfänger, Einkreiser, Audion, 0-V-1

 

In der Frühzeit der Radiotechnik war der Audioneinkreiser das Mittel der Wahl um einen Empfänger zu realisieren. Im Gegensatz zum erst später verwendeten Super (Superhetempfänger) kam hier nur ein Schwingkreis zum Einsatz, der dem Empfänger auf die Senderfrequenz abstimmte. Die Selektion war dadurch begrenzt. Starke Nachbarkanal-Ortssender konnten "durchschlagen" Man versuchte das mit dem Einsatz von zusätzlichen Sperrkreisen zu begrenzen. Der Volksempfänger VE301W zum Beispiel hatte neben dem eigentlichen Schwingkreis noch eine (für jeden Wellenbereich eine Antennenkoppelspule und über den 200 pF kommende Rückkopplungsspule.

 

Die Audionschaltung (in unserem Beispiel bei der REN904) vereinigte mehrere Funktionen. Zum einen verstärkte sie das Hochfrequenzsignal bei gleichzeitiger Gleichrichtung (Demodulation) an der Gitter-Kathodenstrecke und ebenfalls gleichzeitiger Niederfrequenzverstärkung. Der Arbeitspunkt lag ohne HF-Signal bei C, also am oberen Sättigungspunkt der Röhrenkennlinie.Die Audiongleichrichtung erfolgte mit Hilfe des Koppelkondensators 100 pF und dem Gitterableitwiderstand 2 M Ohm und der Gitter-Kathodensztrecke der Röhre REN904. Bei Empfang eines Senders bildet sich zwar eine negative Vorspannung am Steuergitter aus, aber die Gleichrichterwirkung bleibt erhalten. Mit einer Röhre konnte ein kompletter Empfänger (Ohne Netzgleichrichterröhre betrachtet) aufgebaut werden. Im Falle des VE301W wurde das gleichgerichtete und verstärkte Niederfrequenzsignal (NF) noch einer Extra-Lautsprecherverstärkerstufe zugeführt. Dem Vorteil des Audions (hohe Empfangsempfindlichkeit gegenüber einer reinen Anodengleichrichtung, leichte Rückkopplungsrealisierung, gleichzeitige HF- und NF-Verstärkung) steht als Nachteil die leichte Übersteuerbarkeit der Röhrenkennlinie bei starken Signalen und die nicht einfach realisierbare Schwundregelungsmöglichkeit (siehe Körting Novum) gegenüber. Das veranlasste die Industrie um 1930 (siehe z.B. Mende 100W) umschaltbare Audion / Kraftaudion-Konstruktionen anzubieten.

 

An der Anode der Röhre entsteht eine verstärkte gleichgerichtete NF-Spannung und eine trotz Gleichrichtung verstärkte HF-Spannung aus. Die HF-Komponente kann bei Rückkopplungsempfängern in der richtigen Phasenlage in den Eingangskreis rückgekoppelt werden. Die Eingangsempfindlichkeit wird dadurch deutlich angehoben, der Empfänger kann nun auch weiter entfernte Sender empfangen. Wird die Rückkopplung zu stark gemacht, beginnt die Stufe zu "schwingen", sie wird zu einem Sender. Das zeigt sich durch ein starkes Pfeifen. Es wird auch in der Umgebung bei anderen Empfängern als Störung hörbar. Ein weiterer positiver Nebeneffekt bei Rückkopplungsempfängern ist die verbesserte Selektion, insbesondere bei Einstellung derselben kurz vor Schwingungseinsatz. Der Empfänger kann dann starke Nachbarstationen besser unterdrücken. Der kleine Kondensator 60 pF von den Anode nach Masse soll dem NF-Signalweg dem restliche HF-Anteil entziehen. Er könnte insbesondere bei weiteren NF-Stufen dort Störungen hervorrufen. Die Rückkopplungsfeineinstellung konnte über eine schwengbare Spule, einen Drehkondensator oder bei Schirmgittergeräten über die Änderung der Schirmgitterspannung vorgenommen werden.

 

Es gab auch Empfänger, die nur als Audion ohne Rückkopplung arbeiteten. Sogar, nach Einführung der Superhetempfänger, gab es noch für die Gleichrichtung der Zwischenfrequenz Audion-Stufen. Auch reine Anodengleichrichter kamen (im geringen Maße) zum Einsatz, dabei wurde die (vielleicht sogar verstärke) HF an einer Röhren- oder Kristalldiodenstrecke gleichgerichtet und einem NF-Verstärker zugeführt. Der Vorteil (aber auch der Nachteil) dieser Schaltung ist weiter oben des Themenpunktes 110 beschrieben.

Es hatte sich damals eine Bezeichungssystematik für diese Geradeausempfänger herausgebildet. Beispiele:

  • 0 - V - 1: Keine Vorstufe, Gleichricherstufe, eine NF-Stufe
  • 1 - V - 1: Eine HF-Vorstufe, Gleichrichterstufe, eine NF-Stufe
  • 2 - V - 2: Zwei HF-Vorstufen, Gleichrichterstufe, zwei NF-Stufen

 Alle Empfänger ohne Mischstufe wurden als Geradeausempfänger bezeichnet. Zur Steigerung der HF-Verstärkung und der Selektion wurden auch Geradeausempfänger mit mehr als einer HF-Stufe gebaut, die Mehrkreiser. Schwierig war hier die Erreichung des Gleichlaufes der abgestimmten Empfangskreise. Es gab Geräte, wo man jeden Kreis eigenständig (und für Laien kompliziert) abstimmen musste. Bessere Geräte koppelten die Schwingkreisdrehkondensatoren auf eine Abstimmachse, allerdings gab es dann oft Abgleicheinrichtungen , um diesesen Gleichlauf sicherzustellen. Als Beispiel sei der Mende 100W genannt (Bei diesem Zweikreiser diente der rechte Drehknopf an der Frontseite zur Abstimmung beider Kreise, der linke Drehknopf konnte zur Erzielung des Gleichlaufes verstellt werden. Diese Gleichlaufeinstellung war erforderlich, da die einzelnen Kreise durch unterschiedliche kapazitive Belastungen beim gemeinsamen Verstellen des Drehkondensators auf unterschiedlichen Frequenzen in Resonanz waren. Geradeausempfänger mit hoher Stufenverstärkung konnten bei vernünftigen Aufwand nur als Neutrodyne-Empfänger realisiert werden.

 

Typische Fehler in Audionstufen: Röhre, Koppelkondensator, Gitterableitwiderstand defekt

Typische Fehler in Rückkopplungseinkreisern: Röhre, Spulen, Schalter, Röhrenkontakte, falsche Betriebsspannungen.

 

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111) Drehkondensatoren. Reparaturen. Verbogene Platten, Kurzschlüsse

drehko1.jpgDrehkondensatoren dienen der Frequenzabstimmung oder der variablen Antennenankopplung oder der Rückkopplungsstärke-Einstellung oder sonstiger Frequenzeinstellungen (z.B. bei Sperrkreisen). Es gibt Ausführungsformen, wo die Isolierschicht zwischen den Stator- und Rotorplatten aus Luft besteht (Luftdrehkondensatoren) und Typen, wo diese Isolierung aus verschiedenem Vollmaterial besteht.

 

Rechts: Hochwertiger Quetscher-Drehko vo Hego, 500 pF -->

 

Diese zumeist kompakten Typen werden auch "Quetscher" genannt, wobei ursprünglich nur die Folientypen damit gemeint waren. Bei den Folientypen wurde die Kapazitätsänderung durch Eindrehen der Kondensatorfolien erreicht: Beispiel.

 

Die allgemeine Kurzbezeichnung für Drehkondensatoren ist Drehko. Drehkos werden oft zu Paketen (Mehrfachdrehkos) zusammengefasst.

 

Die Stator-Platten sind zumeist rechteckig. Dagegen können die (beweglichen) Rotorplatten unterschiedliche Geometrie-Profile aufweisen. Es gibt hier u.a. die Begriffe:

 

Kapazitäts-linear (kapazitäts-gerade, halbkreisförmig), frequenz-linear (frequenz-gerade), wellen-linear (wellen-gerade, wellen-linear, meter-linear, nierenförmig), logarithmisch (Mittellinien-Typ).

 

In Abhängigkeit dieser Geometrie ergeben sich verschiedene Frequenzänderungs-Wirkungen, wenn man die Strecke X am Drehknopf verstellt.

 

Bei Superhetempfängern (also Geräten mit zumindest zwei Drehkondensatoren auf einer Achse für leicht versetzte Frequenzbereiche des Vorkreises und des Oszillatorkreises, kam noch das Problem des Gleichlaufs des Vorkreises und des Oszillatorkreises hinzu. Um diesen Gleichlauf möglichst exakt hinzubekommen (2-Punkt / 3-Punkt - Abgleich) wurden die Rotor-Geometrien noch komplizierter. Es gab hier Doppeldrehkos mit unterschiedlicher Geometrie für Vorkreis und Oszillatorkreis! Man griff sogar  teilweise noch in die Stator-Geometrie ein.

 

So können die Skalenwege linearisiert werden, was zu einer besseren Lesbarkeit führt. Es gibt hier die  Drehkondensatoren mit symmetrischen Halbkreis-Rotorschnitten, wobei auch die Drehachse symmetrisch liegt. Diese Bauform führt zu einem nicht-linearen Skalenweg.

 

Will man Skalen frequenz-linear  oder Meter-Angaben-linear machen, muß man spezielle Rotor-Geometrien entsprechend wählen (siehe Skizze 111-1). Hier ist die Drehachse nicht symmetrisch positioniert (also nicht kapazitäts-linear), sondern mitten-versetzt. Weiter haben die Rotorplatten entweder eine reine Halbkreisform oder Fast-Halbkreisform oder leichter oder stärkerer Nierenform-Varianten).

 

plattenschnitte.jpg

Skizze 111-1


Für bestimmte Aufgaben werden auch "Schmetterlings-Drehkondensatoren" und "Differential-Drehkondensatoren" verwendet. Dabei kommen die Differenz-Drehkos z.b. für Antennenankopplungen oder Rückkopllungen in Betracht, diese Typen haben zwei Stator-Pakete.

 

Einige Luft-Drehkondensatoren haben an den äußeren Rotorplatten geschlitzte Bereiche. Hier konnten letzte Feinverbiegungen zum Gleichlauf erreicht werden.

 

Kapazitäts-linear

Kapazitätslinearer Drehkondensator

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Logarithmisch

Logarithmischer Mittellinien-Drehkondensator

Mittellinien-Drehkondensator.

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Frequenz-linear

Frequenzlinearer Drehkondensator

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Quetscher

Drehkondensator Quetscher

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Danke für Hinweise zu den Rotor-Geometrien an die Nutzer des  Wumpus-Gollum-Forum: "Wolle", WoHo"

 

In Superhet-Empfängern besteht ein typischer Drehkondensator aus zwei Einzeldrehkos, die über eine Achse fest verbunden sind. Davon wird ein Plattenpaket zur Abstimmung des Eingangkreises, das andere Paket zur Frequenzabstimmung des Superhets-Oszillators verwendet. Eine Variante für bessere Empfänger ist der Dreifachdreko. Hier übernimmt das weitere Paket die Abstimmung des Vorstufenkreises.

 

Man findet Mehrfach-Drehkondensatoren mit exakt gleichen Plattenpaketen, aber auch Modelle, wo sich die Pakete hinsichtlich der Plattenlamellenzahl und des Plattenabstands und der Kapazität unterscheiden. Damit konnten Gleichlauf- und Frequenzstabilitäts-Probleme besser kompensiert werden. Dabei kann es auch sein, dass das "kleinere" Paket die größere Kapazität hat.

 

c16.jpgBei den Drehkos ist die gute Kontaktgabe des drehbaren Teils (Rotor) besonders wichtig. Diese Kontaktweiterleitung kann über einen flexiblen kurzen Draht vom Rotor zum Chassis (Masse, Erde) des Drehkos sichergestellt werden oder über eine Kontaktschleifstrecke. Diese Kontakte können bei alten Drehkos viele Probleme machen. Beim Drehen werden starke Kratzgeräusche im Radio hörbar, der Empfang kann sogar aussetzen. Hier ist eine Reinigung mit z.B. Kontakt 60 notwendig. Notfalls muss sogar vorsichtig der mechanísche Federspannung der Kontaktzungen nachjustiert werden, was aber leider oft eine Demontage des Drehkos erfordert.

 

<-- links: Typischer AM/FM-Doppel-Dreho für Standard-Super-Empfänger, also mit vier Paketen: 2 x AM (LW,MW, KW), 2 x FM (UKW).

 

Leider können die Kratzgeräusche beim Drehen eines Quetscher auftreten. Eine Abhilfe ist hier kaum möglich. Die Drehlager können verharzen und der Drehko ist u.U. nicht mehr drehbar. In diesen Fällen muss das alte verharzte Fett oder Öl entfernt werden und vorsichtig neu geölt oder gefettet werden. Auch in diesem Fall ist gegebenenfalls eine Demontage nötig. Man kann natürlich ersteinmal versuchen mit einem Tropfen Öl die Verharzung aufzulösen. das dauert etwas. In vielen Fällen bleibt der Drehko dann auf Dauer beweglich. Das klappt aber nicht immer. Wie verbogene Drehkoplatten justiert werden können oder Plattenschlüsse beseitigt werden, können Sie hier und hier nachlesen.

 

Lagern Sie nicht eingebaute Drehkondensatoren immer so, dass der der Rotor eingedreht ist. So wird ein Verbiegen verhindert. Das sollten Sie auch bei Reparaturen machen, wenn Sie das Chassis eines Radios aus- und einbauen! (Vielen Dank für diesen Tipp an meinen alten Ausbildungsmeister, Herrn Lipowski. Ein wirklich "goldener" Tipp).

 

Muss ein Drehko demontiert werden oder muss das Skalenseilrad angenommen werden, notieren Sie sich die genaue Lage des Rades in Bezug zur Drehkoachse.

 

Bei Radioselbstbauten achten Sie darauf, dass der Rotor - wenn das schaltungsmässig möglich ist - immer an Masse liegt.

 

Auch können Drehkoachsen verharzen. Die Gleitöle oder Fette trocknen aus und so kann das Drehlager um die Drehknopfachse festgehen. Das kann vorsichtig mit einem Fettlöser oder auch mit Kriechöl in kleinen Dosen (auch wiederholt) wieder beweglich gemacht werden.

 

Fett / Öl / Verharzung / Festgehen

Man kann zuerst versuchen, das Festgehen ohne Demontage des Drehkos aufzuheben. Es sollte dann möglichst viel von dem alten Fett / Öl abgetragen werden und neu geölt / gefettet werden (vielleicht auch altes Fett oder Öl zuvor mit Waschbenzin oder Spiritus auf einem Q-Tipp abtragen. Vorsicht Entzündungsgefahr!). Ausserdem hilft oft auch ein Erwärmen (50-60 Grad) des Drehkos, z.B. mit einem stark gerichten Föhn. Beim Erwärmen und Nachfetten immer versuchen, leicht die Achse zum Drehen zu bringen. Es gibt leider auch den Fall, wo nach Abkühlung das (die) Lager wieder festgeht. Wirklich dauerhaft hilft hier nur: Komplettes Entfernen des alten Öls / Fetts.  Das ist oft aber fast nur nach Ausbau des Drehkos und dessen Demontage möglich. Es kann nach Erfolg auch sein, daß nach einigen Tagen oder Wochen nochmal nachgearbeitet werden muß.

 

Bei Luftdrehkos ist u.u. auch ein Reinigen des demontierten Kondensators im  Ultraschallbad möglich.

 

Bei Quetschern können die Metallpakete aufquellen (z.B. Rosteffekte) und die Platten zwischen den Isolierschichten verkeilen. In einigen Fällen hilft auch hier Kriechöl . Das ist aber mit gewissen Risiko verbunden, aber mehr als endgültiger Verlust droht nicht. 

 

Thema Drehkondensatoren Übersicht

 

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112) Wackelkontakte, Aussetzfehler.

Es gibt verschiede typische Kontaktprobleme in Radios. Aussetzfehler sind im Grunde auch Kontaktprobleme:

  • Umschaltkontakte: Kontaktdrehschalter, Schiebeschalter, Tastensätze neigen aufgrund von Oberflächenoxydationen und nachlassender Kontaktfederspannung zu Aussetzern. Kontakt-Spray kann, muss aber nicht helfen.
  • Steckkontakte. Antennen-, Erd-, Lautsprecher-, Plattenspieler-, Tonbandgerätebuchsen und Stecker können Oxydationsprobleme oder Kontaktfederprobleme oder Löt- oder Schraubverbindungsprobleme bekommen. Kontakt-Spray kann, muss aber nicht helfen.
  • Röhrenfassungen, Röhrensockel Kontakt-Spray kann, muss aber nicht helfen.
  • Transistorfassungen. Kontakt-Spray kann, muss aber nicht helfen.
  • Echte Aussetzfehler. Hier sind elektrische Unterbrechungen von Leitungen oder an Bauteilen oder in Bauteilen gemeint. Kontaktspray hilft nicht.

Aussetzer an regulären Kontaktstellen können durch reinigen, justieren und nachfolgender Konservierung behandelt werden.

Echte Aussetzter müssen durch einsetzen neuer Leitungen, nachlöten von Lötstellen oder der Reparatur oder Austausch von Bauteilen beseitigt werden.

 

Aussetzfehler sind u.U. schwer ermittelbar. In diesem Kompendium wird an mehreren Stellen darauf eingegangen werden.

Stichworte: Ausgetrocknete Lötstellen , Wo finde ich die Stelle des Aussetzfehlers , Wie sprühe ich Kontakt 60 oder andere Kontakt-Sprays? , Alte Sicherungen und Sicherungshalter

 

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113) Aussetzfehler bei Röhren.

Röhren können Aussetzfehler verursachen. Zum einen können die Kontakte der Röhre Probleme bereiten, auch Schraubanschlüsse. Bei einigen Röhren gibt es zusätzliche Schraub- und Steckanschlüsse, die auch Aussetzfehler verusachen. Auch Abschirmungen gehören zu diesem Thema.

 

Zum anderen gibt es interne Aussetzer oder Wackelkontakte. Hier ist in der Regel nichts zu reparieren.

 

Kann man einen vermuteten Aussetzfehler durch Klopfen hervorrufen? Ja, aber das muss ganz VORSICHTIG erfolgen. Dieses beklopfen sollte eigentlich eine Art streicheln sein. Ein kleiner Madenzieher kann schon zu brutal sein. Ein kleiner Bleistift zwischen Zeigefinger und Daumen, das ist schon die schärfste "Waffe". Zartes Beklopfen des Glaskolbens bringt bei erwärmten Röhren schnell Aussetzfehler oder Krachen oder Prassen oder Rauschen hervor.

 

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114) Was Sie auf keinen Fall machen sollten:

  • Als Nichtfachmann ein Radio öffnen und sogar unter Strom betreiben, ohne vorher diese Sicherheitsbestimmungen gelesen zu haben.

  • Ein Gerät, das Jahrzehnte nicht in Betrieb war, ungeprüft einzuschalten ! (Vorher unbedingt eine Sichtprüfung durchführen, ob alle Teile vorhanden und fehlerfrei sind, einschließlich der Netzkabel. Sind Bauteile offensichtlich überhitzt gewesen? Ist die richtige Betriebsspannung eingestellt? Ist das Gerät vielleicht ein Gleichstrom-Radio? Dann keinesfalls am heutigen Wechselstom-Netz betreiben ! Elektrolytkondensatoren auf Kapazität prüfen, am besten vorher formieren.)


  •  Gerät einschalten, ohne zuvor bei Röhrengeräten geprüft zu haben, ob alle Röhren eingesteckt sind und ob die RICHTIGEN Röhren stecken (Röhren können diverse Bezeichnungen haben, nur exakt selbe Bezeichnungen sind tauschbar. Eine ECC85 kann z.B. nicht gegen EL84 getauscht werden. Röhre ist NICHT gleich Röhre).


  • Ein innen ungereinigtes Gerät in Betrieb nehmen. Siehe Gerätereinigung.


  • Ein Gerät unbeobachtet laufen lassen, insbesondere, wenn es zuvor jahrelang nicht in Gebrauch war.

  • Abgerissene Drähte IRGENDWO festmachen oder anlöten.

  • Ein Radio mit Wasser und Reinigungsmitteln "reinigen". (Wasser in Mengen hat im Radio (auch aussen am Gehäuse) NICHTS zu suchen. Ein Radiochassis hat nichts in einer wassergefüllten Badewanne zu suchen. In Ausnahmefällen können feuchte Tücher genutzt werden, wenn die Restfeuchtigkeit sofort wieder entfernt wird.)


  • Skalenseile ölen oder fetten oder "schmieren".

  • Skalenscheiben auf der beschrifteten Seite mit irgendwelchen Flüssigkeiten oder Sprühreinigern behandeln.

  • Irgendwelche Metall- oder Plastikteile ölen oder fetten.

  • Das Chassis mit Sprühöl einspritzen.

  • Ein Radio während der Reparaur auf den Kopf drehen.

  • Kontakte mit Waffenöl zu "reinigen". (Obwohl das immer wieder empfohlen wird)

  • Einfach auf VERDACHT alle (oder viele) Bauteile oder Bauteilegruppen tauschen! Oftmals funktionieren dann die Geräte nicht mehr einwandfrei, weil: Der Ersatz nur nach Kapazitäts-, Widerstands- oder Induktivitäts-Werte reicht nicht aus. Bei Kapazitäten kommt es auf Spannungsfestigkeit und u.U. auf Temperatur-Wert und Restinduktivität an. Bei Widerständen auf Wattzahl und u.U. auf Bauform. Bei Induktivitäten (Spulen, Transformatoren, Drosseln) auf Bauform, Volldraht, Litze, Drahtdurchmesser usw. an

  • "Überflüssige" Bodenabdeckungen nach der Reparatur nicht mehr wieder montieren. (Viele dieser Abdeckungen haben die Aufgabe, Störstrahlung vom Gerät zu verringern und oder Brummeinstrahlungen in das Gerät zu reduzieren.)


  • Abschirmkappen von Röhren, ZF-Filtern, UKW-Teilen, usw. nach der Reparatur wegzulassen.

  • Ohne genaue Sachkenntnis die ZF-Filter-Kerne oder HF-Teilkerne verdrehen ("festziehen") . Details dazu.

  • Die Lautsprecherbespannung feucht reinigen. (Teppichreiniger nur im Ausnahmefall anwenden, wenn der Stoff noch in einem stabilen Zustand ist.)


  • Keine grösseren Mengen Waschbenzin, Spiritus, Feuerzeugbenzin usw. in geschlossenen Räumen verwenden.

  • Holzgehäuse mit Fenstersprühreinigern behandeln.

  • Abgeschirmte Leitungen bei einer Reparatur durch unabgeschirmte Leitungen ersetzen.

  • Schabende Haushaltsreinigungsschwämme am Gehäusen einsetzen.

  • Am Gerät ohne genaue Sachkenntnis herummessen. Details dazu.

  • Mit dem Schraubenzieher irgendwie im Gerät herumstochern.

  • Vermeintliche Schrauben im Radio fest anziehen.

  • In Verbindung mit einem Radio einen Hammer in die Hand nehmen.

  • Elektrische Kontakte mit irgendeinem Haushaltsreinigern "verbessern" oder mit Lebensmittelen fetten oder ölen.

  • Röhren die nicht vom Typ identisch sind, untereinander tauschen.

  • Sicherungen überbrücken oder mit höheren Werten ersetzen.

  • Mit Hartlötern und Hartlot und Lötern mit offener Flämme an Lötverbindungen arbeiten.

  • Ersatzheizwiderstände beim teilweisen Ersatz mit dem alten Widerstand verlöten. (Diese Widerstände können so heiss werden, dass sie sich selbst auslöten ! Nur schrauben, schweissen oder hartlöten.)


  • Hitzeableitbleche oder sonstiges Hitzeableitmaterial bei der Reparatur weglassen.

  • Madenschrauben an Knöpfen mit Gewalt festziehen oder lösen.

  • Zur Aufspürung von Termofehlern ein Gerät absichtlich abdecken, damit es "richtig warm" wird. (Ein ablenkendes Telefongespräch und schon ist der Wohnungsbrand da.)


  • Abgerissene Drähte mit Klebstoff ankleben.

  • Geräte mit zerbröselter Netzschnur ans Stromnetz anschliessen.

  • Geräte ohne Netzstecker nur mit dem Kabel irgendwie in die Steckdose fummeln oder mit Bananensteckern einen Steckerersatz herstellen.

  • Die fehlende Netzschnur mit Klingeldraht ersetzen.

  • Batteriefächer mit Resten von ausgelaufener Batterieflüssigkeit ungereinigt weiterverwenden.

  • Radios mit ausgeprägten Staubschichten oder Staubfettschichten im Gerät ungereinigt in Betrieb nehmen.

  • Holzgehäuse mit Autoreinigern und / oder Autopolitur (besser mit Möbelpolitur) behandeln. Allerdings wird das in Sammlerkreisen unterschiedlich gehandhabt.

  • Urdoxwiderstände mit gebrochenen Gläsern mit den Händen berühren. GEFAHR !

  • Naßreinigungen, bis zum zum Baden oder Duschen von Chassis und Bauteilen.


  • Reinigungsarbeiten mit Aceton durchführen.

  • Ausgebaute Schrauben und Kleinteile während der Reparatur IRGENDWO weglegen. (Im Zweifel gehen sie verloren.)


  • Demontage von Baugruppen die mit verschiedenen Leitungen zu Chassis verbunden sind, ohne Leitungsskizze. (Später weiss man nicht mehr, was wo hin gehört.)


  • Heisse Röhren mit Wasser oder Reinigungssray anspritzen.

 

 

Sowas macht doch Keiner? DOCH, SOWAS KOMMT IMMER WIEDER VOR !


Der Katalog ist nicht abschliessend und wird von Fall zu Fall ergänzt. Er kann Sie aber schon jetzt vor dem schlimmsten Fehlern bewahren.

 

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115) Drehbare Teile sitzen fest (Potis, Drehkos, Drehschalter, Sender-Abstimmungen, Tastensätze, usw)

Neben den schon an anderen Stellen des WK angesprochenen Punkten hier eine Zusammenfassung:

Potentiometer (Lautstärke, Klang, usw), Drehkondensatoren (Luftdrehkos, Quetscher), Drehschalter (Klangblenden, Wellenschalter), Tastensätze (Bandumschaltungen, Klangregister, usw) können "festgehen". Das heisst, man kann die beweglichen Teile nicht mehr bedienen.

 

Ursachen:
Hauptsächlich ist das Festgehen auf Verharzung und Austrocknung der damals verwendeten Fette und Öle zurückzuführen. Aber auch unsachgemässe Reparaturen können zur Austrocknung beigetragen haben (Reinigungen mit Fettlösern ohne Nachölung oder Nachfettung, Nutzung von Kontaktspays an falscher Stelle).

Weitere Ursache kann eingedrungene ehemalige Feuchtigkeit sein. Das kann zu Rost oder anderen Oxydationen auf der Oberfläche der Lagerteile führen. Rost deht sich aus und verkeilt Lagergänge.

Es sind auch "richtige" mechanische Fehler möglich, wie z.B. Bruch oder Verbiegung von steuernden mechanischen Teilen des Bauteils, Federn können gebrochen sein.

Abhilfe:

  • Verharzungen: Keine Gewalt anwenden. Kann ein Bauteil ohne grosse Probleme ausgebaut werden, ist das zu empfehlen.

    Ausbau, Erhitzung: Das Bauteil (Luft-Drehkos, Potis, Drehschalter) kann dann zum Beispiel unter strenger Temperturkontrolle im Backofen 30 Minuten auf 50-70 Grad erhitzt werden. Verharzungen lösen sich so fast immer. * Es muss nun sofort mit einem Kriechöl an die jetzt zugänglichen Lager gegangen werden. Drehen und sprühen. Können die Lagerteile separiert werden mit Fettlösern arbeiten, dann sofort ölen oder fetten. Nicht immer kann man erkennen, ob der Hersteller gefettet oder geölt hat, deshalb ein generalisierender Hinweis: Drehachsen wurden zumeist geölt, Schiebeteile zumeist gefettet.

    Ohne Ausbau, ohne Erhitzung: Ist ein Ausbau und / oder einer Erhitzung nicht möglich, ist bei * zu beginnen. In diesem Fall ist das Kriechöl verwenden. Eine stattdessen Behandlung mit Fettlöser wird nicht empfohlen, Fettlöser kann erst nach der erneuten Beweglichkeit angewendet werden. es besteht aber die Gefahr, dass mit beginnender Entfettung das Lager wieder festgeht.

    Bei Vorhandensein eines Ultraschall-Bad-Reinigers kann ein ausgebauter Luftdrehkondensator auch in diesem Bad gut von Fett und Öl befreit werden. Auch hier ist eine nachträgliche Neu-Fettung/ölung notwendig. Reinigungsflüssigkeiten sollten das Material nicht angreifen können.
    Drehko vor Ultraschall-Reinigung
    Drehkondensator vor der Ultraschall-Reinigung.
    (Photo von Bernhard, DL77RR , Wumpus-Gollum-Forum)
    Drehko nach Ultraschall-Reinigung
    Drehkondesator nach der Ultraschall-Reinigung.
    (Photo von Bernhard, DL77RR , Wumpus-Gollum-Forum)
  • Rost: In Grenzen kann Rost auch mit Kriechöl gelöst und rausgeschwemmt werden, wenn sorgfältig gearbeitet wird. Das Kriechöl und die Rostrückstände dürfen nicht an flasche Stellen gelangen. Besser ist auch hier ein Ausbau des Bauteiles, wie bei Verharzungen beschrieben. Der Rost muss komplett weg. Das Problem ist, dass die Glattheit der Oberflächen dauerhaft geschädigt ist. In sehr engen Grenzen kann man versuchen eine Oberflächenbehandlung mit Feinstschleifpapier und / oder Schleif-Poliermittel vorzunehmen.

    Sonderfall Quetscher: Neben dem Verharzen der Achsenlager ist eine weitere Störmöglichkeit zu beachten. Zwischen den Isolierfolien und den Stator / Rotor - Metallplatten kann sich Oxydation, Staub, Schmiere (bei voriger Fehlbehandlung), usw. festsetzen. Hier keinesfalls mit Gewalt rangehen. Ein Versuch mit Druckluft zwischen die Platten kann nicht schaden. Eine zerstörungsfreie Demontage ist fast nie möglich. Ich habe mehrfach erfolgreich Kriechöl eingesprüht, mehr als eine endgültige Zerstörung des Quetschers kann ja nicht passieren - anschliessend wurde mit Kontakt WL entfettet.

  • Gebrochene Teile, Federn: Kann ein Problem werden. Federn sind aber eigentlich immer ersetzbar. Gebrochene Teile reparieren oder zu ersetzen ist schon schwieriger. Es gibt hier diverse Möglichkeiten und Handlungsmöglichkeit. eine Beschreibung würde hier den Rahmen sprengen.

 

116) Tonabnehmer für Plattenspieler
Die Plattenspieler (im Gegensatz zu Grammophonen, die den Schall rein akkustisch von der Platte über die Nadel und die Resonanzdose abnahmen und dann mechanisch über ein Trichter "verstärkten") wandelten im Tonabnehmer das mechanische Signal im Tonabnehmer in ein elektrisches Signal um, dass dann dem NF-Verstärker eines Radios in Stellung TA (Tonabnehmer) zugeführt wurde.

 

Als Tonabnehmer kamen eletromechanische Abnehmer und Kristallabnehmer in Frage. Letztere waren preiswerter, hatten aber klangliche Nachteile. Die Nadeln wurden durch Saphire und (teuere, aber länger haltene) Diamant - Spitzen ersetzt. Hierbei wurde unterschieden zwischen N (Normal) - Nadeln die für die alten 78 Schellackplatten und deren Rillenprofil optimiert waren und M ( Mikro) für die neueren Vinyl-Platten (33, 45, 16 Umdrehungen pro Minute). Wurde eine Vinylplatte mit N abgespielt, sprang die "Nadel" aus der Rille - weil das Profil des Schliffes nicht passte. Umgekehrt waren die M - "Nadeln" nicht für 78 er Platten gut geeignet.

 

Es haben sich in den Fünfziger Jahren umschaltbare Tonabnehmer mit N und M Saphir oder Diamant durchgesetzt. Gegen Ende der Fünfziger Jahre wurden die M-Nadeln für Stereotonabnehmer Standard. Der Tonabnehmer hatte dabei zwei Erregersysteme, die die beiden Toninformationen der Rille (an den Seiten der Rille im gegenseitigen 45 Grad-Winkel geschrieben) vom gemeinsamen Saphir erhielten.

 

Neben den preiswerten Kristalltonabnehmern kamen die klanglich besseren elektromagnetischen Abtaster (MM *) zum Einsatz. Dabei bewegte sich ein kleiner Magnet im Takt der NF an den Aufnehmerspulen vorbei. Die gelieferte Energie war deutlich kleiner als bei Kristallsystem.  Ein wurden deshalb dafür Vorverstärker nötig, die bei vielen HiFi-Anlagen direkt eingebaut waren oder extern als Zusatzkomponente betrieben wurden. Die Vorverstärker mussten auch den Frequenzgang anpassen, da sich dieser deutlich von dem des Kristallabnehmers unterschied und wurden deshalb auch Entzerrer-Verstärker (zur Deemphasis) genannt.

 

Erst mit Einführung der noch klanglich besseren MC-Abnehmer * (eine kleine und sehr leichte Spule bewegte sich in einem Permanent-Magnetfeld. Verzerrungen waren noch geringer, aber die Generatorspannung erforderte nochmals höherer Vorverstärkungen. Die MC-Systeme waren ein Nischen-Produkt für spezielle HiFi-Freaks. Nachteilig war die zum Teil fehlende Möglichkeit, die "Nadel" (Saphir oder Diamant) allein austauschen zu können.

 

* = MM: Moving Magnet. MC: Moving Coil.

 

Weitere Informationen zum Thema Plattenspieler hier.


Philips Kristalltonabnehmersytem (Stereo)


Philips Kristalltonabnehmersytem (Stereo), ohne Saphir.


Philips Kristalltonabnehmersytem (Stereo), mit Mono-Steckadapter


Telefunken Kristalltonabnehmer mit eingesetztem Sahpir (N und M)

 

Vielen Dank für die Photos an Klaus aus dem Wumpus-Gollum-Forum


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117) Urdox-Widerstände (Urdoxwiderstand) (Heissleiter, Heißleiter) (NTC),

Eisenwasserstoffwiderstand zur Stromregelung.
Urdox-Widerstände.

Uran-Röhren.

 

In Glasrohre gebettet - ähnlich wie Radioröhren wurden Urdox-Widerstände in Allstrom- und Gleichstromgeräten mit Serienheizkreisen zur Kompensation des Einschaltstromstosses der ebenfalls in Reihe liegenden Skalenbirnen  eingesetzt ( die Skalenlampen - aber auch einige Radioröhren - haben eine andere Erhitzungskurve als die meisten Heizfäden der Röhren). Die Heizfäden  in Radioröhren und die Glühfäden der Skalenlampen haben im kalten Zustand einen geringeren Widerstand (Ohmwert) als im glühenden Zustand. Das konnte Auf die Dauer zu einer Überlastung  beim Einschalten führen.  Der Urdox-Widerstand hatte im kalten Zustand einen hohen Ohmwert, der sich bei Erwärmung deutlich reduzierte. Radioröhren waren teuer. Es kam den damaligen Geräte-Entwicklern darauf an mit den Urdox-Heissleitern die Röhren vor vorzeitigem Heizfadenbruch zu schützen.

 

Eingesetzt wurden diese Bauteile hauptsächlich in den Jahren 1935-1945. Nach dem 2. Weltkrieg endete weitgehend der Einsatz der echten Urdox-Widerstände und man ging zu Typen über, die nicht mehr im Glaskolben gelagert waren. Bei einfachen (preiswerten) Radios mit Allstromversorgung wurden diese Schutzbauteile auch gern weggelassen, was durchaus zu einem erhöhten Verbrauch von Skalenlampen führte. Nicht immer ist ein eingebauter Netztransformator und damit Einsatz als Wechselstromgerät ein sicher Hinweis auf NICHT verbaute URDOX-Widerstände: Es gab Wechselstromgeräte mit Spartrafos, usw, die trotzdem Röhren direkt über Vorwiderstände aus dem Ortsnetz heizten und Urdox-Widerstände hatten.

 

Urdox und Eisenwasserstoffwiderstand

 

 

 

Einige Urdox-Typen, Eisenwasserstoff-Typen, Kombi-Typen:


Modell Hersteller Urdox Eisenwasserstoff Sockel Bemerkung
B 128 Osram   ja S8 für Batterieempfänger. 0,5 - 1,5 V, 0,28A
B 150 Osram   ja S8 für Batterieempfnger. 0,5 - 1,5V, 0,47A
C1 / 1P20 Valvo   ja    
EW 1 Osram   ja Topfsockel max 240V, 80-240V
EW 2 Osram   ja Topfsockel max 125V, 35-105V
EW 12 Osram   ja Topfsockel 125 /240V, 35-105V / 80-240V
EU I Osram ja ja Stiftesockel  
EU II Osram ja ja Stiftesockel max 150V, 0,18A
EU III Osram ja ja Stiftesockel max 110V, 0,18A
EU IV Osram ja ja Stiftesockel max 180V, 0,18A
EU V Osram ja ja Stiftesockel max 125V, 0,18A
EU VI Osram ja ja Topfsockel  
EU VII Osram ja ja Topfsockel Max 150V, 0,2A
EU VIII Osram ja ja Topfsockel max 180V, 0,2A
EU IX Osram ja ja    
EU XII Osram ja ja    
EU X Osram ja ja Topfsockel max  125V, 0,2A
EU XIII Osram ja ja Topfsockel max 130V, 0,2A
EU XV Osram ja ja    
EU XX Osram ja ja Topfsockel? bis 160V, 35-70V, 0,2A
No 1011 Philips   ja Stiftesockel  
SuH W4
Osram ja    Topfsockel

Der Typ SuH W4 hat im Urdoxkörper eine Heizwicklung:

 

suh-2.jpgsuh-1.jpg

 (Soll so das Aufzeizen schneller gehen?)

U 820-6
Osram ja   Topfsockel 8V, 0,2A
U 918 Osram ja   Schraubgewinde  max 110V, 9V, 0,18A
U 920 Osram ja   8-pol. Profil max 220 Volt, 9V, 0,2 A
U 920-6 Osram ja   Topfsockel  max ?, 9V, 0,2A
U 1010/P Osram ja    Topfsockel  Zwei Urdox in Reihe?
U 1218 Osram ja   Schraubgewinde 110-200V, 12V, 0,18A

U 1220-5

U 1220-6

Osram ja   Topfsockel 110-220v, 12 V, 0,2A
U 1230 Osram ja      max. 220V, 0,2-0,3A
U 1518 Osram ja   Schraubgewinde max 110-220, 15V, 0,18A
U 2020 Osram ja   8-pol. Profil max 220 V,  0,2A
U 2410/P Osram ja      Zwei Urdox in Reihe?
U 3505-VE
Osram ja     für Volksempfänger VE301 Dyn GW. Zwei Urdox in Reihe?
U 3620 Osram ja   Topfsockel 110-220V, 36V, 0,2A
U 3007 Osram ja   Hexodenkappen
für Wechselstromgeräte, zum besseren Schutz der Netz-Elkos. 30V, 0,07A
U 4520 Osram ja   Topfsockel 125-220V, 45V, 0,2A
W 1218  Osram  ja    Schraubgewinde

Ein mir bekanntes Exemplar strahlt wahrscheinlich radioaktiv !

... mehr

WE44 Rectron   ja    
0,008 0-60V ???
Osram   ja    
? (0,5 A15-45V c35 ???) Osram   ja   Der Modellname könnte anders sein! Glaskörperschrift nicht lesbar.
? (3-9V2,6A a22 ???)
    ja   Der Modellname könnte anders sein! Glaskörperschrift nicht lesbar.

- Alle Angaben ohne Gewähr -

 

 

 

 


Warnhinweis:

radioaktivitaetswarnung.pngÄltere URDOX *** (Urandioxyd / Urandioxid) können  radioaktiv sein.

 

Aber schon um 1934 wurde das Uran gegen nicht strahlende Stoffe wie  Magnesium, Titan, Spinell (MgAl2O4) substituiert.  Im Limann "Funktechnik ohne Ballast" 7. Auflage steht auf Seite 44: (Zitat) "Die gleichzeitig übliche Warenbezeichnung Urdox (Osram) bezieht sich nicht auf Eigenschaft, sondern auf den URSPRÜNGLICH verwendeten Werkstoff, nämlich Urandioxyd".

 

Nachfolgend wird von den stahlenden Urdoxwiderständen vor 1934/35 gesprochen. Diese strahlten hauptsächlich im Alpha-Bereich.  Deshalb sollte der direkte Umgang mit Vorsicht geschehen. Vor direktem Alpha- und (bedingt) Betastrahlungskontakt schützt allerdings im Normalfall  der umhüllende Glaskolben. Brennstäbe aus Urandioxid werden in Kernkraftwerken verwendet, allerdings im angereicherten Zustand!

!!! Ist der Glaskolben allerdings beschädigt, ist bei den radioaktiven Bau-Varianten höchste Vorsicht geboten: !!!

  • gift.pngNunmehr kann durch Handkontakt oder Einatmen von  Ausgasung oder durch Berührungen radioaktives GIFTIGES Material in den Körper gelangen.
  • Uran ist auch chemisch giftig!

  • Die  "strahlenden"  Varianten  mit defekten Glaskolben sind gefährlicher Sondermüll ! Nicht mit den bloßen Händen anfassen, Atemschutz tragen. Raus aus der Wohnung und an entsprechender Stelle ordnungsgemäss unter grossem Eigenschutz entsorgen. Hierbei sind unbedingt die gesetzlichen Vorgaben zu beachten.


  • In verschiedenen Quellen wird auch auf die Selbstentzündungsgefahr bei Kontakt mit Sauerstoff hingewiesen.

Der Sammler alter Radios muss für sich selbst entscheiden, wie er mit Radios mit echten intakten glasumhüllten Urdoxwiderständen (die zu den radioaktiven Varianten gehören) umgeht. Jedes technische Bauteil kann defekt gehen. Es kann also auch nach über 50 Jahren Betrieb oder Lagerung auch von sich aus das Glas kaputt gehen (Das ist allerdings sehr sehr selten). Es kann im Betriebszustand oder während einer Reparatur ein Schluss (der zu einem Überstrom durch den Urdox führt) im Heizkreis auftreten, der u.u. zum Platzen des Glases führt (auch sehr sehr selten). Es reicht bei einer Reparatur auch ein versehentlicher Schlag mit dem Schraubendreher. Runterfallen des Gerätes odes des Urdox, alles ist möglich. Abenteuerlustige Kinder im Haushalt sind gut, aber hier vielleicht eine zusätzliche Gefahr.


Aus heutiger Sicht sollte zumindest überlegt werden, ob man die echten strahlenden Urdoxe nicht generell durch Ersatzwiderstände ersetzt, soweit das möglich ist. Das alles müssen Sie selbst entscheiden und entsprechend handeln oder aber eben auch nicht.

 

Zum Trost sei erwähnt, dass die alten frühen strahlenden Urdoxe heute eindeutig selten geworden sind, trotzdem: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser!

 

Solange man das radioaktive Strahlen am unbeschädigten Urdox nicht erkennen kann, sollte man sicherheitshalber von der strahlenden Variante ausgehen.

 

Denken Sie daran, auch in Geräten, die nach 1934 gebaut wurden, kann jemand einen alten, frühen und strahlenden Urdox als Ersatzteil eingebaut haben!


Ich werde immer wieder gefragt: Uran ist doch nur ein Alpha-Strahler, die Strahlung kommt doch nicht durch Glas durch. Stimmt, aber beim Uran sind auch immer Anteile von Gamma-Strahlung dabei. Außerdem wird ein Alpha- oder Beta-Strahler in dem Augenblick gefährlich, wenn man ihn mit den Händen berühren kann oder kleinste Teil in den Körper bekommt. Die Hand-Mund-Kette schaft das schnell. Geht das Glas defekt, hat man ein ernstes Problem.

 

Urdox-Widerstand (radioaktiv)Nachtrag 08:02.2013 und 08.04.2013. Ich konnte heute mit qualifizierten Strahlungsmessgeräten, die Beta - und Gamma-Strahlen detektieren konnten und darüber hinaus auch Angaben über die strahlenden Stoffe (Amplitude und Isotopen-Art) machen konnten, Messungen durchführen.

 

Es wurden von mir insgesamt 38 (und später weitere 6) Urdoxwiderstände in Glaskolben geprüft.  


Die gute Nachricht: Nur ein Urdox machte seinen Namen "Ehre" und gab eine signifikannte Strahlung ab. Die 37 (und 6) anderen Urdoxe strahlten NICHT. Der radioaktive URDOX trug auf der Verpackung die Bezeichnung "Ausgleichwiderstand W1218".  Ob JEDER W1218 radioaktiv ist oder ob es auch nicht-strahlende Varianten gibt, ist derzeit noch ungeklärt. Er sieht exakt genauso aus, wie einige nicht-strahlende Typen.


Nun zweite gute Nachricht (Stand 08.04.2013): Auch mit  einem eher durchschnittlichen Geigerzähler ist die Radioaktivität EINDEUTIG erkennbar. Ich verwendete bei der Referenzmessung neben einem guten empfindlichen (und teueren) Ereigniszähler mit großer Zählfläche) auch ein Durchschnittsgerät mit einem Zählrohr ähnlich dem ZP1320 und diesen Kenndaten: Gammastrahlung 10 hoch -3 bis 10 hoch 1 /R/h. Betastrahlung größer 0,3 MeV. Weiter kam das Gerät FH40T zum Einsatz. Und schließlich ein Smart Phone HTC EVO 3D (mit einer speziellen APP, die mit Hilfe eines der Camera-Bildsensoren Radioaktivität nachweisen kann). Alle vier Geräte erkannten den Unterschied zwischen normaler Null-Strahlung und der Strahlung des radioaktiven Urdox!

 

Zählergebnisse beim radioaktiven Urdox:

  • Geigerzähler mit großer Zählfläche: ca. 380 Ereignisse / Min. Null-Strahlung 120 Ereignisse
  • Geigerzähler mit kleinem Zählrohr: 25 Ereignisse / Min. Null-Strahlung 10-12 Ereignisse.
  • Geigerzähler FH40T: ca. 100 Ereignisse /Min. Null-Strahlung ca. 25-30 Ereignisse.
  • HTC EVO 3D Smartphone mit App: 72 uGy (ein viel zu hoher Wert). Nullstrahlung 0,07 uGy.
  • 2014: Labormessung: FH40GL mit NBR-Sonde: 30 nSV/h netto
    Anmerkung zu dieser Messung: Es wurde U-235, U-234 und U-238 detektiert. Ein Wert, der knapp unter der Freigrenze der Uran-Isotope von 1E4 Bq. liegt, also nicht als harmlos einzustufen ist.



preview_fht-111e-01.jpgWer also alte Urdox-Widerstände im Glaskolben hat und hinsichtlich der Strahlung sicher gehen will, kann  eigentlich mit jedem Geigerzähler (oder sonstigem echten Strahlen-Detektor) eine Prüfung vornehmen. Es kommt dabei nicht so sehr auf absolute Ergebnisse an (wie Messung der Dosis), reine Ereignis-Zählung reicht VÖLLIG. Zuerst "misst" man die Normalstrahlung im Raum.

 

Dazu wird bei einfachen (und damit unempfindlichen) Geräten  10 x eine Minute gestoppt und die Knackgeräuschen gezählt. Nehmen wir an, wir haben in den 10 Minuten einen Durchschnittwert von 10 Ereignissen / Min ermittelt. Nun legen wir den Urdox-Widerstand dicht an die Zähleinheit des Strahlungsdetektors.

 

Wieder werden 10 Minuten die Ereignisse  pro Minute ermittelt und der Durchnittswert bestimmt. Beispiel 30 Ereignisse. Das ist grob der dreifache Wert, ergo haben wir einen strahlenden Urdox erwischt. Steigt der Wert aber nicht an, ist der Urdox harmlos.

 


--> (Rechts) Geigerzähler FHT 111E (das Gerät könnte auch Beta-Strahlung anzeigen, allerdings ist hier derzeit ein Sensor eingesetzt, der nicht "gespült" werden muß und keine Beta-Strahlungs-Empfindlichkeit hat)

 

 

 

 

 

 


urdox-defekt.jpg

So könnte ein defekter echter Urdox-Widerstand mit beschädigtem Glas aussehen.
Es wäre jetzt ein Luft-Kontakt zum Uran möglich.
Siehe weiter oben die Warnmeldung

Achtung: Es gibt aber Urdox-Widerstände, wo der gesamte Glaskörper gleichmäßig "milchig" ist,

das ist dann kein Fehlerhinweis.


 

Es ist schon bemerkenswert, dass wohl die damaligen Hersteller "klammheimlich" das Uran gegen nicht strahlende Stoffe tauschten, aber die Bezeichnung "URDOX" beibehielten. Jedenfalls stand bei vielen der Nichtstrahler URDOX drauf.

 

Überlegen Sie sich, ob Sie überhaupt Radios mit strahlnden Urdox-Widerstand-Varianten oder Urdox-im-Glas in Größenordnungen in Wohnräumen lagern wollen. Jedenfalls sollten strahlende Urdoxe-im-Glas - Varianten nochmals gesondert gegen mechanische Beschädigungen geschützt gelagert werden und ausserdem Luftdicht in Folie gebracht werden. Das gilt übrigens sinngemäß auch für Asbest im Radio.

 

Es kommt auch vor, dass Glashüllen defekt sind und das Innere "Luft gezogen" hat (siehe Photo weiter unten). So käme u.U. Urandioxid bei strahlenden Varianten mit Luft in Verbindung.

 

Neben den "echten" Urdoxwiderständen (immer durch Glaskolben geschützt) gibt es noch Heissleiter, die auf Nicht-Uran-Basis beruhen. Die sind ohne Glaskolben angeboten worden und aus Sicht der folgenden Warnungen harmlos. Das ist aber nur eine Einschätzung von mir, da mir derzeit die genaue Zusammensetzung der unechten Urdoxwiderstände nicht bekannt ist (2.12.2008). Diese Substitute wurden einfach (zumeist) am Heizvorwiderstand angschraubt oder angehartlötet oder angeschweisst. Optisch haben sie in etwa das gleiche Aussehen wie echte Urdoxe , aber ohne Glas.

Ab ca. 1945 kamen nicht-radioaktive Heissleiter auf den Markt, die nicht in einem Glaskolben gelagert waren.

Heissleiter auf Nicht-Uran-Basis.
Nicht im Glaskolben.
Aus Schaub Libelle 54. Wird dort (wie die Skalenlampe) als 18 Volt / 0,1 A bezeichnet.



Eisenwasserstoffwiderstände: Einige Geräte nutzten bei Serienheizkreisen zusätzlich Eisenwasserstoffwiderstände (auch als Bauteilekombination Urdox und EW in einer Glasumwandung), mit denen z.B. Änderungen der Netzspannung (und damit verbunden, ein möglicher Anstieg des Heizstromes) in gewissen Grenzen ausgeglichen werden konnte. Im leicht glimmenden Zustand wirkten sie stromregelnd. Oft wurden diese EW-Widerstände auch mit Urdoxwiderständen und / oder mit Vorwiderständen kombiniert. Der Aufbau war glühbirnenähnlich, in einem wasserstoffgefüllten Glaszylinder war der Eisendraht aufgespannt. Im Betriebszustand glimmte der Eisenfaden leicht im stark erwärmten Zustand vor sich hin.

 

Ersatz der Eisenwasserstoffwiderstände: Heute werden diese Urdoxe und / oder EW-Widerstände immer schwerer beschaffbar. Als KOMPROMISS können sie deshalb auch durch einen [b]ausreichend belastbaren[/b] Widerstand ersetzt werden. Hierbei müsste in Anlehnung an einen Kompromiss ein Widerstandwert gewählt werden, der im erhitzten Zustand des Heizkreises den Röhrenstrom auf den Sollwert begrenzt. Also bei einem U-Röhrenkreis nicht mehr als 100 mA. Das Problem ist jetzt auch nicht mehr so gross, da die Ortsspannungen in der Regel ganz gut eingehalten werden. Die Belastbarkeit kann man GROB so rechnen: Abfallende Spannung über den Widerstand im Betriebszustand (heissen Röhren) x Strom durch den Kreis. Grob gerechnetes Beispiel: es fallen 30 Volt ab in einem U-Röhrenheizkreis , also 30 Volt x 0,1 Ampere = 3 Watt. Mit Reserve würde ich einen 6 Watt Widerstand nehmen, am besten einen Drahtwiderstand.

 

Ersatz der Urdoxe: Sinngemäß gilt hier das selbe, wie im Vorabsatz dargestellt wird. Es ist nur so, wenn man einen Urdox durch einen Normal-Widerstand ersetzen will, muß der benötigte Ersatzwiderstandswert und dessen Belastbarkeit im schon erwärmten Heizkreis ermittelt werden. Fangen Sie mit einem 100 Ohm an und prüfen Sie im heißen Zustand der Röhren, fließt der richtige Strom (z.B. bei U-Röhren 100 mA). Zu wenig Strom, Widerstand verkleinern, zu viel Strom, Widerstand erhöhen. In diesem Beispiel bei U-Röhren Wattzahl des Widerstand ermitteln: Welche Spannung fällt bei 100 mA über den Widerstand ab? Sagen wir 10 Volt. Formel U (Volt) x I (Ampere): 10 x 0,1 = 1 Watt.

 

Das geht sehr wohl, aber man muss wissen, für die Röhren ist das nicht gut, sie werden beim Einschalten stark überlastet. Deshalb rate ich trotz Ersatzwiderstand zu folgender Strategie: Sie bauen sich einen Netz-Zwischen-Adapter mit einem 3-Stufen-Schalter, der zwei Widerstände (oder Widerstandskombinationen) in Reihe mit der Netzspannung legt. Wird das alte Gerät mit Urdox-Ersatz in Betrieb genommen, wird bei ca. 40 Watt-Geräten der 3-Stufen-Schalter auf "a" gesetzt,  dann nach einer Minute wird auf "c" geschaltet. Bei ca. 80 Watt-Geräten zuerst auf "b", dann auf "c". So werden die alten Röhren gut geschützt.  Beispiel für ein solches Kurzzeit-Vorschaltgerät für ein 40 Watt-Radio und ein 80 Watt-Radio:

 

Für 40 Watt-Radio: Vorschaltwiderstand soll 575 Ohm haben und kurzzeitig (1 Minute) 23 Watt aushalten können. Können also nur 5 Watt Widerstände beschaft werden, nimmt man vier mal 2,2 KOhm mit 5 Watt und nutzt diese parallel als Vorschaltwiderstand für eine Minute ünd überbrückt sie dann.

Für 80 Watt-Radio: Vorschaltwiderstand soll 287 Ohm haben und kurzzeitig (1 Minute) 46 Watt aushalten können. Können also nur 5 Watt Widerstände beschaft werden, nimmt man acht  mal 2,2 KOhm mit 5 Watt und nutzt diese parallel als Vorschaltwiderstand für eine Minute ünd überbrückt sie dann.

 

Die Bauart der Widerstandände ist nicht so wichtig. Wichtig: Das Vorschaltgerät ersetzt NICHT den Urdox-Ersatzwiderstand IM Gerät, siehe weiter oben.

 

 

urdox-ersatz.jpg
R1 für 40 Watt-Gerät: 575 Ohm 23 Watt oder vier mal 2,2 kOhm bei 5 Watt parallel.

R2 für 80 Watt-Gerät: 287 Ohm 46 Watt oder acht mal 2,2 kOhm bei 5 Watt parallel.
Achten Sie auf Schutz gegen Stromschlag. Auf der Schukoseite ist  das Gehäuse mit Schuko zu verbinden.
Luftlöcher zur Kühlung der Widerstände anbringen.
Aufbau auf eigene Gefahr.

 

 

 

Ergänzung vom Nutzer  Wolle aus dem WGF:

Der Eisenwasserstoffwiderstand stellt zunächst einen Kaltleiter dar, verhält sich im Einschaltmoment also äquivalent einer ungeheizten Röhre. Erst nach dem Erreichen einer entsprechenden Temperatur des Eisenfadens in einer Wasserstoffatmosphäre steigt der Widerstand an. Dieses Verhalten ist aber eine zusätzliche Belastung der Heizfäden in einem Serienheizkreis. Insbesondere die Lämpchen der Skalenbeleuchtung nehmen dieses Verhalten übel. Aus diesem Grund wurde das Kombinationsbauelement EW/ Urdox entwickelt.

 

Der Urdox- Widerstand bewirkt einen sanften Anlauf der Heizung und trägt damit zur Schonung der Fäden im Serienkreis bei. Ansonsten wäre nur der rein ohmsche Widerstand in der Heizschaltung begrenzend wirksam. Eisen- Wasserstoff- Widerstände verändern bei Einwirkung magnetischer Felder ihre Eigenschaften. Aus diesem Grund werden sie oft mit einer innen gerippten magnetischen Abschirmung versehen. Die Rippen sorgen dabei für eine gute Wärmeabfuhr. Leider hat bei vielen Geräten im Lauf ihres Lebens irgendwer diese Abschirmung "eingespart".

 

Mit der Entwicklung neuer NTC- Widerstände hat man nach 1945 auf dieses Bauelement verzichtet und nur eine Begrenzung des Einschaltstromes der Heizfäden eingebaut. Eine zusätzliche Überbrückung der Skalenlampen mit einem NTK- Widerstand sicherte die Gerätefunktion auch nach dem Ausfall einer Skalenlampe. Durch die Einstellung der Fertigung von EW- Widerständen war man zum Ersatz durch einen entsprechend belastbaren ohmschen Widerstand gezwungen


Photo von Wolle aus dem WGF


Photo von Wolle aus dem WGF


 

 

 

Insgesamt geht ein Dank für Informationen und Diskussionen im WGF an:
kroepel, MB-Radio, roehrenfreak, Wolle und andere.

 

Uran-Röhren

Im Buch "Handbuch der Funk-Technik und ihrer Grenzgebiete", zweiter Band, von 1935, Franckh'sche Verlagshandlung wir auf Seite 22 die Uran-Röhre angesprochen. Diese Röhre vonGanz & Co, Wien sollte in Lage sein Ohne Trafo die Netzspannung gleichzurichten und dabei auch die Spannung zu verdoppeln.Auch Telefunken, Valvo, Loewe und Tungsram sollen diesen Röhrentyp hersgestellt. URAN ist radioaktiv. Also sollte man hinsichtlich der Strahlung auch die "Uran-Rohren" im Auge behalten.

 

Mir steht derzeit keine dieser Röhren zur Verfügung, deshalb kann ich nichts über Strahlung im Beta- und Gamma-Bereich sagen. Wichtig: Uran ist radioaktiv uund giftig.


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118) Röhren-Sytematik (In Bearbeitung)
Es gibt eine riesige Menge von Röhrentypen. Die Röhren wurden jeweils speziell für einen Anwendungsfall entwickelt. Per Fakt haben sich aber auch einige Röhren zur universellen Anwendung geeignet, die unfreiwillig dazu geworden als Beispiel die RV12P2000. Grob gesagt unterscheiden sich Röhren durch ihren Anwendungsfall. Im Radio sind das die direkt geheizten und indirekt geheizten Röhren. Es gibt spezielle Röhren für HF-Verstärker, Mischstufen, HF-Gleichrichtung, NF-Verstärker, NF-Leistungsverstärker, Netzgleichrichter, Abstimmanzeigen. Auch Kombinationen (z.B. EABC80) sind im grossen Masse eingesetzt worden.

 

Im Laufe der Jahre haben sich diverse System-Reihen herausgebildet. Im Grunde wurden die Röhrenserien aufgrund ihrer Heizspannung oder ihres Heizstromes zusammengefasst. In den meisten Fällen kann die Funktion einer Röhre recht genau an Hand ihrer Typenbezeichnung zugeordnet werden. Schwerer ist das schon bei den amerikanischen Serien.

 

Beispiele:
Vorsicht! Es gibt Abweichungen von den in den Tabellen gezeigten Unterscheidungen!
Am besten, immer noch mal sicherheitshalber in einem Röhrendatenbuch nachsehen!

Unterscheidung nach Heizspannung:
1. Buchstabe
Bedeutung
A
4 Volt
D
1,4 Volt
E
6,3 Volt
F
13 Volt
K
2 Volt
Ergänzt durch Wolle aus dem WGF

 

Unterscheidung nach Heizstrom:
1. Buchstabe
Bedeutung
B
0,18 Ampere
C
0,2 Ampere
P
0,3 Ampere
U
0,1 Ampere
V
0,05 Ampere
Ergänzt durch Wolle aus dem WGF

 

Anwendungsfall:
2. Buchstabe
Bedeutung / Typ / System
A
HF-Einweggleichrichter
B
HF-Doppelgleichrichter
C
Triode
D
Leistungstriode
E
Tetrode
F
Pentode (HF oder NF)
H
Heptode und Hexode (4 Gitter, 5 Gitter)
K
Heptode und Hexode (5 Gitter, 6 Gitter)
L
Leistungspentode
M
Abstimmanzeige
Q
Nonode, Enneode
Y
Einweg-Leistungsgleichrichter
Z
Zweiweg-Leistungsgleichrichter
Ergänzt durch Wolle aus dem WGF

 

Konkrete Röhren (kleine Auswahl):
Röhre
Aufgabe
EF11
E = 6,3 Volt / F = Pentode / 11 = konkreter Typ, hier Stahlröhre Kleinsignalverstärker
AL4
A = 4 Volt / L = Leistungspentode / 4 Konkreter Typ, hier NF-8 Wattverstärker
EZ80
E = 6,3 Volt / Z = Zweiweg-Leistungsgleichrichter / 80 = Konkreter Typ 2 * 90 mA
DC11
D = 1,4 Volt / Triode Kleinsignal / 11 = Konkreter Typ, hier Serie für Portablebetrieb
UM11
U = 0,1 Amp / M = Abstimmanzeige / 11 = Konkreter Typ
EABC80
E = 6,3 Volt / A = ein Einweg-HF-Gleichrichter / B = ein HF-Doppelgleichrichter / C = Triode NF Kleinsignal / 80 = Konkreter Typ Kombiröhre für AM-FM-Gleichrichtung und NF-Vorverstärker

 

> 1...9 = Quetschfußaufbau, Stift-, Außenkontakt- oder Oktalsockel

> 11...19 = Quetschfuß- oder Pressglasaufbau, Stahlröhre oder Röhre mit Stahlröhrensockel

> 20...29 = Pressglasaufbau, Loktal/Oktal, 8-stiftig

> 30...39 = Quetschfuß- oder Pressglasaufbau mit Oktalsockel

> 40...49 = Pressglastelleraufbau mit Rimlocksockel, 8-stiftig

> 50...60 = Spezial- und 9-stiftiger Loktalsockel

> 61...69 = Subminiatursockel, 5-drähtig

> 70...79 = Subminiatursockel, 8-drähtig, Loktalsockel

> 80...89 und 180...189 = Pressglastelleraufbau, Novalsockel, 9-stiftig

> 90...99 und 190...199 = Pressglastelleraufbau, Miniatursockel, 7-stiftig

> 500...599 = Pressglastelleraufbau, Magnovalsockel, 9-stiftig Bei HF-Penthoden kann die ungerade Endziffer auf eine Regelcharakteristik weisen! Beispiele:

> EF80 = HF/ZF-Penthode nicht regelbar

> EF85 = HF/ZF-Penthode, regelbar Röhrentypen, welche die Zifferngruppe zwischen dem ersten und den weiteren Buchstaben tragen sind in der Regel Röhren hoher Lebensdauer und Zuverlässigkeit, meist in kommerziellem Einsatz. Beispiel: > E88CC = Doppeltriode mit 6,3Volt Heizspannung, langlebig, entspricht in den elektrischen Daten der ECC88

(Beitrag von roehrenfreak aus dem WGF)

 


Vor der Einführung dieses Röhrenschlüssels wurden Röhren u.a. mit dem Buchstaben R, gefolgt von einem E bezeichnet. Unter dieser Bezeichnung finden wir Kurzfadenröhren, Röhren mit direkter und Röhren mit indirekter Heizung. Der dritte Buchstabe N verrät uns, daß diese Röhre für Netzbetrieb (Wechselstromheizung) gebaut wurde. Ein vierter Buchstabe S beschrieb Schirmgitterröhren. Beispiele: Röhre RENS1284, eine Röhre mit Wechselspannungsheizung 4 Volt und einem Schirmgitter. Röhre REN904, eine Triode für Netzbetrieb, 4 Volt Heizung. Röhre RES164, eine Schirmgitterröhre, direkt geheizt und für Wechselspannung gebaut. Röhren für Gleichstrom- Serienheizung bilden die Reihe RENS18xx. Die Ziffernfolge 18 beschreibt die Art der Heizung bei diesen Röhren. Sie sind mit 180 mA Heizstrom stromgeeicht, die Höhe der Heizspannung ist abhängig vom Röhrentyp. Bei Röhren, die von der Firma Tungsram hergestellt wurden, findet man zwei Bezeichnungssysteme. Einmal wird die Bezeichnung PP, gefolgt von einer Ziffernfolge, verwendet. Zur Identifizierung dieser Typen kommt man ohne Vergleichslisten nicht weiter. Die zweite Bezeichnungsweise verwendet den europäischen Röhrenschlüssel, wobei der Buchstabe "T" vorangestellt wird. Zum Beispiel ist der Typ TKC1 von Tungsram identisch mit der Röhre KC1. Eine weitere Sonderstellung nehmen die Röhren der Firma Loewe ein. Diese Röhren wurden für die eigene Gerätefertigung hergestellt, sind meist Verbundröhren (Mehrfachröhren) und haben einen speziellen Sockel. Einige Typen wären die WG34, WG35 und WG36, die in Radios der Firma Loewe zu finden sind. Bei fehlendem Originalersatz sind hier nur Lösungen mit Standardröhren und einem Zwischensockel machbar.

(Beitrag von Wolle aus dem WGF)

 

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119) Volksempfänger VE301W. Spannungsangaben im Schaltbild und Chassis-Unteransicht


Spannungen:
REN904: Anode 60 Volt, -2 bis -6 Volt *
RES164: Anode 190 Volt, Schirmgitter 75 Volt, Steuergitter -11 Volt.
Ladeelko 260 Volt, Siebelko 210 Volt.
Über 700 Ohm 11 Volt.
* = Je nach Innenwiderstand des Meßinstrumentes


Zur Arbeitserleichterung hier ein Photo von Roehrenfreak aus dem WGF von der Unterseite des VE301W:
(Spannungsangaben differieren immer ein wenig.)


(Photo von Roehrenfreak, Jürgen aus dem WGF)

Reparaturtipps zum Volksempfänger VE301GW
Reparaturtipps zum Volksempfänger DKE 38

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120) Leichte Netzspannungsreduzierung für alte Radios
Wir haben in Deutschland seit einiger Zeit die Umstellung des alten 220 Volt Wechselstromnetzes auf 230 Volt. Nun sind die Radio-Oldtimer ursprünglich für Spannungen von 220 Volt oder noch geringeren Spannungen gebaut worden. Oftmals konnten die Geräte mittels Umschalter oder Umstecker auf Spannungen unter 230 Volt angepasst werden. Es gab auch Geräte, die 240 Volt als Option hatten. Die jetztigen 230 Volt, also nur 10 Volt "Überspannung aus Sicht des alten Radios". scheinen wenig zu sein. Man darf aber nicht vergessen, dass viele Bauteile in den Radios über Jahrzehnte gealtert sind und damit empfindlicher gegen erhöhte Spannungen geworden sind.

 

Es empfiehlt sich deshalb (insbesondere auch Allströmer) am besten über einen Regeltrafo oder Reduziertrafo (noch besser einem Regeltrenntrafo) zu betreiben. Allerdings hat nicht jeder diese Möglichkeit.

 

Hier deshalb ein kleiner Bauvorschlag für eine "kleine" Lösung. Damit können durchschnittlich 35 Watt verbrauchende Geräte und durchschnittlich 60 Watt verbrauchende Geräte mit der durchnittlich resultierenden verringerten Betriebsspannung von 220 statt 230 Volt betrieben werden. Es werden also durchschnittlich (in Abhängigkeit vom tatsächlichen Verbrauch des Radios) ca. 10 Volt vernichtet (in Wärme umgesetzt).

 

Bauen Sie bitte nur nach, wenn Ihnen der Umgang mit gefährlichen Spannungen vertraut ist, lesen Sie auch vorher die Sicherheitshinweise dieses Kompendiums. Der Vorschlag zeigt auch nur den prinzipiellen Aufbau. Es kann natürlich auf eigene Bedürfnisse angepasst werden. Aus Sicherheitsgründen habe ich den Vorschlag nur für ein Schukonetz gemacht. Das Gehäuse soll aus Metall sein und in das Schutzkontaktsystem (einschliesslich Stecker und Kupplung) eingebunden sein. Die im Gehäuse platzierten Bauteile (Sicherung Si, Schalter S (a, b), das Wechselspannungsvoltmeter V für 230 Volt , die Widerstände R1 und R2 dürfen keinesfalls elektrischen Kontakt zum Gehäuse haben. Das gilt auch für die Leitungen, unter Ausnahme des Schutzkontaktes. Die Widerstände werden deutlich hinsichtlich ihrer Wattzahl überdimensinoniert. Wenn Sie können löten Sie die Widerstände nicht ein, sondern verschweissen oder verschrauben Sie sie besser. Das Gehäuse sollte engmaschige Luftlöcher zur Wärmeabfuhr haben. Achten Sie darauf, dass KEIN spanungsführendes Bauteil (ausser der Schuko-Leitung) mit dem Gehäuse in Kontakt kommt. Mit dem eingebauten Voltmeter kann man sofort die Spannungsreduzierung erkennen.

 

Die Sicherung des Vorschaltgerätes sollte ca. 80 Watt akzeptieren, also grob gesagt eine 300 - 400 mA mittelträge Sicherung wäre angebracht. R1 (für ca. 35 Watt-Geräte) sollte den Wert von 60-70 Ohm bei 6-8 Watt haben. R2 (für ca. 60 Watt-Geräte) 30-40 Ohm bei 6 bis 8 Watt haben.

 

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121) Volksempfänger VE301GW Reparatur-Tipps.
Da es sich um einen Allstromgerät handelt vorab der dringende Hinweis auf die Sicherheitsregeln. Arbeiten am im Betrieb befindlichen Gerät nur über einen geeigneten Trenntransformator vornehmen!

 

Bevor das Gerät überhaupt das erste Mal "angesaftet" wird ist der 100%ig einwandfreie Zustand der beiden besonders mit "!!!unbedingt prüfen!!!" gekennzeichneten Kondensatoren festzustellen. Im Zweifelsfall lieber gleich austauschen. So ist man vor unliebsamen Überraschungen sicher.

 

Ein besonderes Augenmerk ist dem URDOX-Widerstand zu widmen. Zu diesem Thema bitte auch im Kompendium die wichtigen Hinweise verinnerlichen. Der Glaskolben darf nicht die geringste Spur einer Beschädigung aufweisen!


Auf den ersten Blick ist die Verdrahtung stellenweise etwas verwirrend, da einige Lötfahnen der Röhrenfassungen als Stützpunkte verwendet werden jedoch mit der Röhre keine innere Verbindung haben.

 

Die Widerstand/Kondensator-Kombination von 2MegOhm/100pF am Steuergitter der VF7 ist als ein Teil in der Kappe an jener Röhre untergebracht und kann bei Bedarf gegen einzelne Teile ersetzt werden.

 

Die beiden 4µF-Elektrolyten wurden fachgerecht restauriert, ebenso der 15µF und der Kombi-C 0,5µF+0,2µF. Sie alle waren vollkommen unbrauchbar, was nach über 70Jahren jedoch nicht weiter überrascht.

 

Noch ein Hinweis: Nach dem Ausschalten mindestens fünf Minuten Wartezeit einhalten bevor das Gerät erneut eingeschaltet wird sonst droht Gefahr für die Heizfäden und die innere Verbindung der Kathode der VY1.

 

Alle Spannungsangaben beziehen sich auf 220Volt~ Netzspannung, gemessen mit Digital-Multimeter Ri=10MegOhm.

Dieser Beitrag ist von "Roehrenfreak", Jürgen aus dem WGF. Vielen Dank.

 

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Netzkabel, Netzstecker: Volksempfänger / "Deutsche Kleinempfänger" DKE wurden von mehren Herstellern in den Jahren 1933 bis Ende der vierziger Jahre gebaut. Man verwendete damals verschiedene Stromanschlusskabel. Es wurden zumeist Gummi-isolierte Kabel verwendet, es soll aber auch stoffummantelte Kabel gegeben haben. Mir sind bisher nur schwarze Originalkabel bekannt geworden.

 

Bei den Netzempfängern kamen als Netzstecker ebenfalls unterschiedliche Modelle zum Einsatz. Es waren fast immer  Bakelit-Stecker mit nur 2 Kontakten, es wurde also KEINE Schuko-Stecker verwendet.

 

Wer heute Stecker oder Kabel ersetzt, muss bedenken, dass die Anbringung eines Schukosteckers an eine Zweidrahtleitung nicht zulässig ist, praktikabel aber eben nicht zulässig.

 

Bei den Gleichstrom- und Allstrom-Modellen des Volksempfängers ist auf die Gefahr des Stromschlags bei Nutzung einer Antennen-Erde und defekten Trennkondensator hinzuweisen.


Reparaturtipps zum Volksempfänger VE301W
Reparaturtipps zum Volksempfänger DKE 38


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122) Die Röhre VCL11 im DKE (Deutscher Kleinempfänger).
vcl11.jpgDie Röhre VCL11 ist leider eine sehr störanfällige Konstruktion im DKE. Sie neigt zum Aussetzen des Heizfadens. Das kann sich durch langsamens Weggehen des Empfanges und späterem Wiederauftauchen des Empfanges äußern.

 

Bei der Fehlersuche im DKE ist die VCL11 ein Spitzenkandidat.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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123)Deutscher Kleinempfänger (DKE 38). Reparaturtipps.
dke.jpg

 

Tipp-Gruppe 1:

 

Da auch dieses Radiochen ein Allstrom-Gerät ist zuerst der Hinweis auf die Sicherheitsregeln. Arbeiten am offenen, unter Spannung stehenden Gerät nur über einen geeigneten Trenntransformator durchführen. Erfahrung im Umgang mit hohen Spannungen ist als obligatorisch anzusehen.

 

Das Gerät wurde gerade frisch z.B. auf einem Flohmarkt, einer Sammlerbörse oder aus einer Internet-Auktion erworben? Man widerstehe dem Drang, es sogleich in Betrieb zu nehmen. Es lauern böse Überraschungen wenn folgende Massnahmen ignoriert werden.

 

Die zwei mit !!!unbedingt prüfen!!! gekennzeichneten Kondensatoren auf einwandfreien Zustand prüfen oder im Zweifelsfall gegen Exemplare mindestens gleicher Spannungsfestigkeit ersetzen.

 

Die Netzzuleitung muss einwandfrei und ohne Brüche sein!

Die beiden Netzelkos von 4 µF sind mit hundertprozentiger Sicherheit defekt, falls sie nicht bereits vor nicht all zu langer Zeit ersetzt wurden. Auch im hier dargestellten Gerät wurden sie restauriert, d.h. die Hüllen mit Neuteilen bestückt. 

 

Der Netzschalter ist meist defekt (zerbrochene Teile) und wurde oft einfach überbrückt. Im hier gezeigten Gerät wurde er - nicht ganz original, aber sicher - instand gesetzt. Manchmal wurde auch einfach ein Kippschalter in die Rückwand eingebaut, nicht schön aber wenn ordentlich gemacht wenigstens sicher.

 

Die Drehkondensatoren (wegen ihres Aufbaus auch "Quetscher" genannt) müssen sich leicht drehen lassen. Sitzen sie fest steht weiteres Ungemach ins Haus. Beim hier gezeigten Gerät musste der Abstimm-Drehko komplett restauriert werden, da alle Aluminium-Platten zu Pulver zersetzt waren. In zeitraubender Kleinarbeit wurden sie neu angefertigt und ersetzt.

 

Der Umschaltkontakt am Abstimm-Drehko ist ein Dauerproblem. Wegen immer wieder kehrender Oxidation krachelt es beim Abstimmen im Mittelwellenbereich (weisse Zahlenteilung am Abstimmrad). Zeitlich begrenzt Abhilfe schafft leichtes Schleifen mit feiner Stahlwolle.

Sehr empfindlich sind die 50mA-Heizer in den Röhren, welche oft zum periodischen Aussetzen neigen. Man vermeide stärkere Erschütterungen, besonders wenn das Gerät in Betrieb ist. Ganz wichtig: Nach dem Ausschalten eine Wartezeit von mindestens 5 Minuten einhalten bevor wieder eingeschaltet wird. Grund: Wegen der damaligen Materialknappheit ist das Metallbändchen von der Kathode zum Fuß der Gleichrichterröhre VY2 zu schwach dimensioniert und überlebt nicht den Einschalt-Stromstoß bei noch heisser, emissionfähiger Kathode. Leider ist diese Röhre mittlerweile extrem teuer. Eine Ersatzlösung aus einer modernen Silizium-Diode plus Vorwiderstand und dem Ersatzwiderstand für die Heizung kann jedoch problemlos verwendet werden.

Dieser Beitrag ist von "Roehrenfreak", Jürgen aus dem WGF. Vielen Dank.

Ende des Beitrags.

 

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Tipp 2:

 

Bekanntlich ist die Netzgleichrichterröhre VY2 heute eine schon teure Rarität. Wer in seinem DKE noch eine funktionstüchtige Röhre VY2 nutzt, sollte diese Röhre gegen den sattsam bekannten Einschaltstrom-Verschleiß schützen (Nicht alle VY2 sind schon gegen heutige Silizium-Dioden getauscht worden).

 

Das geht mit einem nur leichten Eingriff in das Gerät: In die Anoderleitung der VY2 einen Schutzwiderstand von ca. 300 - 500 Ohm mit ca. 2 - 3 Watt einfügen. So wird die Röhre merkbar geschützt, der Spannungsverlust bei dann durcherhitzter Kathode hält sich in akzeptablen Grenzen.

 

Leider neigt die VY2 auch zum Durchschmelzen eines internern Flachleiter-Stücks.

 

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Tipp 3:

 

Frühe DKEs hatten Elkos in Pappummantelung . Diese Bautypen neigten relativ schnell zum Kapazitätsverlust und sogar zum Kurzschluß. Sollte man solche Typen vorfinden, unbedingt tauschen. Dabei aber sinngemäß das Gesagte bei Tipp 2  bezüglich des Schutzwiderstands beachten.

 

 

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Tipp 3:

 

Die rare VY2 wurde schon im Tipp 2 angesprochen. Eine teildefekte VY2 (bei der der Heizfaden noch in Ordnung ist), kann als Attrappe in der Fassung verbleiben, wenn unter dem Papp-Chassis an der Fassung eine Ersatz-Silizium-Diode mit Stromstoß-Widerstand angelötet wird. So kann man bei einem Blick ins Gerät sogar das Glimmen der (nicht mehr aktiven VY2) sehen.

 

 

Reparaturtipps zum Volksempfänger VE301W
Reparaturtipps zum Volksempfänger VE301GW


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124) Warum haben Drehkondensatoren oft so einen merkwürdigen Plattenschnitt?
Drehkonkensatoren wurden in Radios oft zur Schwingkreisabstimmung verwendet. Nun ist es so, dass wenn der Plattenschnitt "linear" ist (also wenn sich die Kapazität pro Drehstreckeneinheit gleich ändert), muss die Radioskala unlinear skaliert sein. Es würde eine andere Wegstrecke des Zeigers von 500 zu 700 KHz und 1400 zu 1600 KHz entstehen. Wenn aber der Plattenschnitt darauf abgestimmt unlinear erfolgt, wird die Wegstrecke über den Abstimmbereich linear.

 

Dagegen können unlineare Drehkondensatoren eingesetzt werden, wenn es auf eine lineare Wegstrecke nicht ankommt: Rückkopplungseinsteller bei Geradeausempfängern, Antennenanpasskondensatoren, usw. Es gibt auch Trimmer-Kondensatoren, die also nur zur Justierung dienen. Diese können auch Lineardrehkos sein.


Beide Drehkos in Stellung "kleinste Kapazität".

 

Thema Drehkondensatoren Übersicht

 

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125) Stroboskopscheibe zur Geschwindigkeitskontrolle bei Plattenspielern.
Bei Plattenspielern sollte die Umdrehungsgeschwindigkeit des Plattentellers möglichst genau der Geschwindigkeit entsprechen, wie sie bei der Aufzeichnung der Platte vorlag. Läuft die Platte zu schnell wird das gesamte Audiosignal in Richtung höherer Frequenz verschoben, läuft die Platte zu langsam, ergibt sich eine Verschiebung in Richtung niedrige Frequenz.

 

Um die Genauigkeit der Einhaltung der Geschwindigkeit prüfen zu können, kann eine Stroboskopscheibe auf den Plattenteller gelegt werden. Wird der drehende Plattenteller dann mit einer Glühbirne am 50 Hz-Wechselstromnetz bestrahlt, ergibt sich Stroboskop-Effekt. Tageslicht (Sonnenleicht) abhalten. Bei richtiger Geschwindigkeit scheint das Hell-Dunkelmuster der Scheibe stillzustehen, stimmt die Geschwindigkeit nicht, läuft das Muster durch, es bewegt sich.

 

Die folgende Grafik zeigt eine Scheibe für 33 Umdrehungen pro Minute bei 50 Hz. Sie kann ausgedruckt werden und auf den Plattenteller gelegt werden.

 

 

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126) Einige Abkürzungen, Fachbegriffe, Branchenbezeichnungen. Erstes gewerblich gefertigtes Radio der Welt
Innerhalb der Radiotechnik / Fernsehtechnik-Branche haben sich im Laufe der Jahre bestimmte Abkürzungen und Begriffe herausgebildet, die dem Einsteiger noch nicht bekannt sein könnten. Deshalb hier eine kleine Auflistung der wichtigsten Abkürzungen und Begriffe. Wenn Ihnen weitere Begriffe einfallen oder Unklarheiten, bitte im WGF als Antwort zu diesem dortigen Beitrag ansprechen.

Die Auflistung will aber kein Fachwörterbuch sein, nur die wichtigsten Begriffe können hier gezeigt werden.

 

 

Begriff
Bedeutung
Abklatscher,
Abblocker
NF- oder HF- Ableitkondensator
3D,
3-D
Raumklang ohne Stereo
absaufen, säuft ab schlechter werdendes Signal
AFC Automatic Frequency Control. Automatische Scharfabstimmung.
Viele Benutzer von Radios mit UKW-Teil waren von der exakten Einstellung eines Senders (trotz Abstimmungsanzeige-Röhren) überfordert. Ausserdem wanderte bei vielen Geräten über Erwärmung die UKW-Frequenz leicht weg. Um das zu kompensieren, erhielten viele Radios im UKW-Teil parallel zum Oszillator-Drehko eine Kapazitätsdiode, die von der Regelspannung des FM-Demodulators gesteuert wurde. In Abhängigkeit von der Regelspannung ändert die Diode ihre Kapazität und kann so den Oszillator nachstimmen.
AM Amplitudenmodulation
ARI Verkehrsfunk-Informationen
Audion Einfaches Empfängerprinzip, zumeist gebildet aus Einkreiser mit Audiongleichrichtung und gleichzeitiger NF-Verstärkung, auch mit Rückkopplung
Birne Radioröhre
CW Continues Wave (Unmodulierte Morsezeichen)
Drehko Abkürzung für Drehkondensator
Einkreiser Einfacher Empfänger mit nur einem Empfangskreis
Elko Elektrolytkondensator
Entbrummer Bauteil (Festwiderstand oder Einstellwiderstand) zum Reduzieren vom Netzbrummen über den Heizkreis bei Röhrengeräten.
EW Eisenwasserstoffwiderstand
Flankengleichrichter Einfaches Gleichrichterprinzip für FM mit geringer Klangqualität
Flasche Radioröhre
Gebiss, Klavier Tastensatz bei Radios
FM Frequenzmodulation
Geradeausempfänger Empfangsprinzip ohne Mischung (Super) des Signals. Siehe auch Audion
HF Hochfrequenz
Ko Kondensator
KW Kurzwelle
Koppel-Ko,
Koppel-C
Koppelkondensator
Korona-Entladung Leichte sprühende Hochspannungsüberschläge im Fernseher.
kramolieren Kontakte reinigen (Kramolin war und ist (Cramolin) ein Kontaktreinigungsmittel
Kunstkopf räumliches NF-Übertragungsverfahren, wo eine über normales Stereo hinausgehende räumliche Zuordnung der Schallquellen möglich wurde. Allerdings können die meisten Menschen die Quellen nur hinter sich im Raum zuordnen. In einem Kunstkopf sind zwei Mikrophone eingebaut, gehört wird mit Kopfhörern. Es gab spezielle Schallplatten und FM-Radiosendungen.
liegt daneben Ein Messwert oder eine Stufe liegt ausserhalb des Normbereiches
Lutsche Lötzinnabsauger
LW Langwelle
MA Magisches Auge
Malzbonbon Alter Wima-Kondensator (wegen der optischen Ähnlichkeit)
Matsche
Matschige (verbrauchte) Bildröhre
Messe, Messeisen Allgemeiner Begriff für Messinstrument
MVC, MGC Manuelle Verstärkungsregelung
MW Mittelwelle
NF Niederfrequenz, Audiofrequenz
NTC Widerstand mit negativen Temperaturquoifizent, Heissleiter, Urdox
Oszi Oszilloskop, früher als Oszillograph bezeichnet.
Oszillator Erzeuger des Referenzsignals bei einem Superhetempfänger
PAL Gegenüber NTSC verbessertes Übertragungsverfahren für Farbfernseher, entwickelt von Walter Bruch
Pal-Schleuder Bildmustergenerator für das Farbfernsehen
Pendler Einfaches Empfängerprinzip bei dem das Gerät mit hoher Frequenz zwischen Empfang und stärkster Rückkopplung pendelt
Poti Potentiometer (Einstellwiderstand)
Pulle Radioröhre
Quetscher
Drehkondensator in kompakter Form mit einem Fest-Dielektrikum
Radio

Gerät zum Empfang von Rundfunk-Hörfunksendungen. Stammt von radius (lateinisch = Strahl) ab, Funkstrahl. So ist z.B. ein Morsezeichen-Seefunkempfänger kein Radio.

Erstes gewerblich hergestelltes Radio der Welt: "Catch In" (Detektorempfänger für Rundfunk)aus 1919, angeboten in Pittsburgh, PA, USA? (Quelle: Erb, "Radios von gestern")

Ratio,
Ratiodetektor
Gleichrichter für FM
RDS Radio Data System (Über UKW-Sender mitabgestrahlte Daten (Texte)). So werden zB. Stationsnamen in Klartext dargestellt.
Regler

Handeinsteller (Bedienelement). Lautstärkeregler, Klangregler, Rückkopplungsregler. Eigentlich sind das keine Regler, weil [i]regeln[/i] heute als automatischer Vorgang verstanden wird. So ist eine automatische Einstellung der HF-Verstärkung eine echte Regelung. Dreht der Benutzer aber an dem Lautstärke-Knopf, regelt er nicht, er stellt.

Rotbäckchen, rote Backen machen Radioröhre, deren Anodenblech aufglüht wegen Überlastung
Rundfunk
Aussendung mit für an die Allgemeinheit gerichteten Nachrichten, Informationen, Unterhaltungen, Musik. Rundfunk wird von Rundfunksendern oder auch von drahtgebundenen Medien ausgestrahlt. Von z.B. Zeitzeichen-Sendern ausgestrahlte Informationen sind kein Rundfunk. Internet-Radio mit in den aktuellen Daten-Stream einkoppelbarer Empfangsmöglichkeit kann durchaus als Rundfunk bezeichnet werden. Heutige Pod-Cast Streams sind kein Rundfunk. Das sind eher Informationen auf Datenträger, die zu jeder Zeit mit Abspielgeräten wiederholtwiedergegeben werden können.
Rückkopplung Erhöhung der Empfängerempfindlichkeit durch Entdämpfung des Schwingkreises
Schwundregelung Automatische Verstärkungsreglung des HF-Bereiches. Fadingausgleich, AGC (Automatic Gain Control), AVR (Automatische Verstärkungsregelung)
SSB Single Side Band (Einseitenband-Modulation)
Stereo Zweikanal-Signalübertragung zur echten räumlichen Zuordnung von Schallquellen im Aufnahmeraum
Super,
Superhet

Empfängerprinzip mit Mischer, Oszillator, Zwischenfrequenz
Trafo Transformator
UKW Ultrakurzwelle
Zappel, Zappelphilipp Messinstrument
ZF Zwischenfrequenz
ZF-Filter Zwischenfrequenzfilter im ZF-Verstärker
zugestopft übersteuerter Empfang, auch mit versagender AGC (AVR) oder falscher Röhrenkennlinien-Lage


Vielen Dank an "lasse.ljungadal", "Roehrenfreak", "Wolle" aus dem WGF für weitere Begriffe.

 

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127) Löten - aber bitte richtig
Beginnen wir bei der Wahl der Ausrüstung. Gut geeignet sind schlanke, leichte Lötkolben mit schmaler, gerader zunderfester "Spatenspitze" von etwa 20-30Watt für kleine und mittlere Lötstellen, für grössere Lötarbeiten wie z.B. am Chassis (Masse-Verbindungen) sollte er mindestens 80Watt und eine entsprechend breitere Lötspitze mit höherer Wärmekapazität aufweisen.

 

Für gelegentliches Arbeiten reicht eine ungeregelte Type, wer jedoch ambitionierter heran gehen und längere Zeit an einem Stück zu Werk gehen möchte, dem sei eine elektronisch temperaturgeregelte Lötstation von etwa 60Watt mit Wechsel-Lötspitzen empfohlen. Als Lötmittel kommt ausschliesslich "Elektroniklot" mit integriertem Flussmittel (z.B. Kolophonium) in Frage. Keinesfalls Lötwasser, Salmiakstein, Lötfett oder andere aggressive Chemikalien benutzen. Sie verursachen schwere Schäden in elektronischen Schaltungen!

Bitte beachten, daß das heutzutage bleifreie Lot eine deutlich höhere Löttemperatur verlangt. Der Lötdraht sollte einen Durchmesser von etwa 1mm haben. Dickeres oder gar Stangenlot gehört in die Klemptnerei! Achten Sie auf eine sichere Ablage des Lötkolbens auf einer geeigneten, hitzefesten Ablage und lassen Sie den heissen Lötkolben niemals unbeaufsichtigt! Vorbereitung zum Löten: Alle miteinander zu verlötenden Teile müssen sauber und frei von Oxyden sein, ggf vorher mit geeigneten Mitteln (Scheifpapier, Schleiffleece, Feile o.ä.) reinigen.

 

Der Lötvorgang soll schnell, mit gut dosiertem Wärmeeintrag erfolgen. Für normale Lötstellen ist eine Temperatur von etwa 350-370Grad bei herkömmlichem Pb/Sn 40/60-Lot und 400-430Grad für bleifreies Lot geeignet. Lötkolben und Lot werden gleichzeitig an der Lötstelle angesetzt, wobei sofort etwas Lot an der Lötspitze in direktem Kontakt zum Lötpartner abgeschmolzen wird. Auf sofortiges, gleichmässiges "Annehmen" des Lotes achten, weiter löten bis das Lot gleichmässig verlaufen ist, ggf dabei noch geringe Mengen Lot zuführen bis eine allseitig, sauber umflossene Lötstelle entstanden ist, Lötkolben wegnehmen und das Lot erschütterungsfrei erstarren lassen. Im Bildanhang einige Beispiele wie es aussehen könnte.


Dieser Beitrag ist von "Roehrenfreak", Jürgen aus dem WGF. Vielen Dank.

 

... mehr zu Löten, Lötkolben und Lötzinn

 

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128) Lautsprecherreparaturen (am Beispiel des VE301Dyn und des VE301W)


Bild 1: das "Opfer" Nummer 1. Ein Lautsprecher aus einem VE301dyn GW. Der gesamte Membranrand hat sich vom Korb gelöst,
die Schwingspule schabt im Magnetspalt weil nicht mehr zentriert.
Glückes Geschick: Die Zentrierspinne ist bei diesem LS-Typ nicht verklebt, sondern verschraubt. Das erleichtert die Reparatur ungemein.

 

Lautsprecher-Reparatur VE301dyn Volksempfänger

 


Bild 2: Der LS ist komplett zerlegt. Vorsicht walten lassen mit der losen Membran und den Anschlussdrähten.
Den Magneten zum Schutz vor Verunreinigung mit magnetischen Partikeln (Rost!) weit weg und gut verpackt aufbewahren!
Nun den Korbrand von allem losen Rost und Schmutz befreien.

Lautsprecher-Reparatur VE301dyn Volksempfänger

 

 

 

Bild 3: Mit Schreibpapier eine Zentrierhülse rollen, welche exakt über den Kern des Magneten und in die Innenwandung der Tauchspule passt.
Hier ist Fingerspitzengefühl gefragt. Beim späteren Zusammenschieben darf sich die Hilfskonstruktion unter keinen Umständen verkeilen.
Die Hülse muss sich noch bewegen lassen!

Lautsprecher-Reparatur VE301dyn Volksempfänger

 


Bild 4: Membran und Korb sind "verheiratet", der Korbrand wurde vorher mit einer dünnen, gleichmässigen Raupe essigfreiem
Silikonkleber versehen. Nun wird der LS auf einer ebenen, stabilen Unterlage ringsum gleichmässig fixiert bis der Kleber abgebunden hat.

Lautsprecher-Reparatur VE301dyn Volksempfänger

 


Bild 5: Die Zentrierspinne ist wieder fest mit dem Korb verschraubt und die Zentrier-(Hilfs-)Hülse aus dem Spalt heraus gezogen worden.
Mit einem leichten, gleichmässigen Fingerdruck in der Mitte das Ergebnis kontrollieren.
Wenn nichts mehr schabt und kratzt war die Reparatur erfolgreich.

Lautsprecher-Reparatur VE301dyn Volksempfänger

 


Bild 6: Ein Freischwinger-Lautsprecher aus einem VE301W mit beschädigter Membrane. Die "Rissohren" sind weich und knitterig.
Erste Massnahme: Die Rissohren vorsichtig so in Form bringen, daß die Ränder Stoß-an-Stoß sauber und möglichst glatt zusammen gefügt sind.

Lautsprecher-Reparatur VE301W Volksempfänger

 


Bild 7: Mit verdünntem Holzleim (20% Wasser) und einem feinen Pinsel die Rissränder leicht tränken und nun mit den Fingern
gleichmässig unter ganz leichtem Druck einmassieren. Vorsicht: Die Rissränder dürfen sich dabei jetzt bloss nicht verschieben.
Die Fingerwärme soll das Lösemittel verdunsten lassen und damit eine Anfangsklebekraft erzeugt werden.

Lautsprecher-Reparatur VE301W Volksempfänger

 


Bild 8: Auch bei diesem LS war der gesamte Membranrand vom Korb abgelöst. Hier bindet gerade der Silikonkleber.
Gut zu sehen: die Reparaturstelle in der Membrane, welche wieder "verheilt" ist und ihre ursprüngliche Festigkeit erlangt hat.

Lautsprecher-Reparatur VE301W Volksempfänger

Dieser Beitrag ist von "Roehrenfreak", Jürgen aus dem WGF. Vielen Dank.

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129) Ist eine Röhre defekt, wenn sie innen teilweise schwarz oder silbern geworden ist? Getterung, gettern bei Röhren.

 

Sind Röhren mit einer teilweise silbrig-schwarzen Innenschicht defekt oder ausgebrannt? Nein, das ist normal, denn viele Röhren erhielten während der Produktion, wenn schon ein Vakuum aufgebaut wurde, eine sogenannte Getterung.

 

Dabei wird zumeist durch Hochfrequenzerhitzung in der Röhre etwas Metall (z.B. Barium) in der sogenennten Getterpille verglüht. Dabei wird Restsauerstoff gebunden.

 

Die aufgeglühte Getter-Pille schlägt sich als Metalldampf an der Innenseite des Röhrenglases nieder. Die Getterung verbessert das Vakuum in der Röhre, die Röhren halten so länger.

 

Je nach Gettermaterial gab es auch bei sehr frühen Röhren farbige Glasniederschläge, die heute für Spezialsammler besonders interessant sind.

 

Die Getterung-Dampfniederschläge am inneren Glaskolben sind fast immer unregelmäßig und an der Seite der Getterpille konzentriert. Es gibt auch total-innenverspiegelte Röhren, hier liegt fast nie eine Getterung zugrunde.

 

 

 

 

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130) Vorverstärker für Plattenspieler.
Plattenspieler wurden mit Kristalltonabnehmern oder Magnettonabnehmern betrieben.

Die Kristallsysteme waren in der Regel preiswerter und somit viel mehr in Gebrauch. Die Kristallsysteme lieferten eine genügend hohe Signalspannung und konnten somit einfach direkt in den normalen NF-Vorverstärker eingspeist werden. Kristallsysteme lieferten Spannungen um 100 - 300 mV.

 

Eine bessere Klangqualität und ein geringeres Auflagegewicht konnte dagegen mit magnetischen Systemen erreicht werden. Diese Systeme waren allerdings teuerer und lieferten eine im Vergleich zum Kristallsystem wesentlich geringere Signalspannung. Deshalb musste zusätzlich ein Vorverstärker genutzt werden. Dieser Vorverstärker musste gleichzeitig die nichtlineare Kennline des Gesamt-Systems kompensieren (Tiefe Frequenzen würden sonst weniger als die hohen Frequenzen verstärkt werden. Zumeist wurde die RIAA-Kennlinie angestrebt). Realisiert wurden die Vorverstärker als im Plattenspieler oder im Radio oder in der HiFi-Anlage eingebaute Module oder aber als externes Zubehör. Magnetsysteme lieferten ohne Entzerrerverstärker 2 - 5 mV.

 

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131) Regelspannung
Radios empfangen Sender mit unterschiedlichen Feldstärken. Das kann im Lautsprecher zu einem starken Schwanken der Lautstärke führen. Ausserdem fallen die Sender bedingt durch die Funkwellenausbreitungsbedingungen u.U. zeitlich betrachtet mit stark wechselnden Feldstärken (Fading, Schwund) am Empfangsort ein. Besonders starke Ortssender können sogar den Empfänger übersteuern und zu Verzerrungen führen.

 

Deshalb wurden bei hochverstärkenden Empfängern nach dem Superhet-Prinzip , aber auch in einzelnen Geradeausempfängern (z.B. Koerting Novum oder Graetz 47GW) Regelschaltungen eingebaut, die die Feldstärke- (Lautstärke-) Schwankungen versuchten auszugleichen. Durchschnitts-Super erhielten eine Regelung, die auf die Mischstufe des Gerätes einwirkten. Bessere Geräte wurden auch am Steuergitter der Mischröhre und der ZF-Stufe (und wenn vorhanden an der HF-Vorstufe) geregelt. Diese Regelung wurdegarnicht so selten mit "verzögerter" Regelung beeinflusst. Verzögert deshalb, weil die HF-Vorstufe oder aber der gesamte Regelzweig erst bei stärkeren Sendern einsetzte. Verzögert bedeutet also nicht "zeitlich verzögert", ein besserer Begriff wäre Schwellwertregelung. Dadurch behielt der Empfänger bei Normalfeldstärken und Schwund seine volle Empfangsempfindlichkeit. Normale Regelungen erzeugen schon bei kleinsten Signalspannungen und bremsen zu früh die Empfangsleistung. Die Regelspannung wird mittels Zeitkonstante (R-C-Glied) gesiebt, sodass sie nicht im Takt der Modulation hin- und herschwankt. In Spezialempfängern konnte man sogar diese Zeitkonstante ändern: Empfänger, die auch für CW-Empfang (Morsezeichen) gedacht waren.

 

Besonders gut gelang die Regelung, wenn sogenannte Regelröhren eingesetzt wurden. Deren Kenlinie konnte durch Ändern der Gittervorspannung weniger steil gemacht werden. Der Regelfaktor wurde besonders gross. Beispiel für eine Regelröhre: EF11 im Gegensatz zur EF12, die keine speziellen Regelfähigkeiten hatte.

 

Die Regelspannung wurde entweder direkt an der AM-Gleichrichterdiode abgenommen und nach NF-Siebung der ZF und /oder der Mischröhre und der eventuell vorhanden Vorstufe zugeführt. Es gab aber auch Geräte, wo die Regelspannung an einer eigenen Diode gebildet wurde. Trickschaltungen, wie auch beim Telefunken D770WKK verstärkten die Regelwirkung durch gemeinsame Versorgung des Steuer- und Fanggitters der Vorstufenröhre mit der Regelspannung. Es gab auch Schaltungen, wo die Regelspannung zusätzlich auf eine schon vorhandene negative Grundspannung "aufgesattelt" wurde (z.B. Koerting 10/SE 735W).

 

Die Verzögerung der Regelspannung wurde erreicht, indem der negativ gerichteten Regelspannung eine gewisse positive Spannung entgegengesetzt wurde. So konnte sich erst ab bestimmten Pegelwerten eine Zuregelung bilden. Diese "positive Vorspannung" konnte durch Spannungsteiler erreicht werden. Diese Spannungsteiler konnten z.B. von der Kathodenspannung der NF-Endstufenröhre abgeleitet werden (z.B. beim AEG 108WK oder Telefunken 8001WK) oder von der Gesamtanodenspannung abgeleitet werden. Es gab hier diverse Varianten, die u.a. auch versuchten die Regelverzerrungen möglichst klein zu halten. . Eine einfache Variante einer Schwundregelverzögerung kann schon durch die Einfügung eines Kathodenwiderstandes bei der zu regelnden Röhre erreicht. werden. Verzögerte Regelungen sind oft in komplizierten Schaltungen garnicht so einfach zu erkennen. Das liegt daran, dass Spannungsteiler und Siebungen an Kathode, aber an Anode der Gleichrichterröhren liegen und teilweise auch getrennte NF-Gleichrichter und Regelspannungsgleichrichter verwendet werden und Spannungen aus dem Netzteil zugefügt werden und noch der NF-Zweig abgeht. Auch ich habe mich schon bei der Einschätzung "Verzögerte Regelung oder nicht" getäuscht. Als generalisisierenden Aussage zur Bestimmung unbekannter Regelschaltungen kann gesagt werden: Ist die Kathode einer Regelspannungserzeugungsdiode gegenüber ihrer Anode positiv vorgespannt, liegt eine Schwellwert-Regelung vor oder aber es wird der negativen Regelspannung in der Regelleitung eine geringe positive Spannung zugefügt (entgegengesetzt).


Es wurden auch Geräte mit Regelspannungsverstärkung angeboten, eine einfache Variante ist weiter oben in diesem Beitrag (Telefunken D770WKK) erwähnt.

 

Bei frühen Transistorschaltungen im HF - oder ZF-Teil war das Regeln schwieriger. Die frühen Transistoren liessen sich schlecht regeln. Deshalb wurde mit einer Belastungsdiode in Abhängigkeit von der Feldstärke ein ZF-Schwingkreis mehr oder weniger belastet. Dabei wurde bei Bandbreite auch mitverändert.

 

Es gab auch NF-seitige Regelungen, wobei in Abhängigkeit von der NF-Signalstärke eine (regelbare) NF-Röhre "aufwärts" geregelt wurde.


Eine typische Regelspannungserzeugung ohne "Verzögerung":
Die Regelspannung wird am R25 der AM-Gleichrichterstrecke EABC80gesiebt entnommen und dem Steuergitter der ZF-Röhre EF41
und dem Mischgitter der ECH81 zugeleitet. Das geschieht über die Widerstände R 21, R29, R27, R28.


Zur vergrösserten Darstellung auf das Schaltbild klicken.
Eine typische Schaltung mit Schwellwertregelung. In der gemeinsamen Kathodenleitung der ABC1 liegt ein Widerstand (als Spannungsteiler mit 625 und 5000 Ohm), der die beiden Gleichrichterdioden-Anoden und die Trioden-Anode um einige Volt positiv vorspannt. Für die NF-Vorstufentriode ist das somit gleichzeitig die notwendige negative Steuergittervorspannung. Die rechte Diode wird nicht benötigt und ist deshalb kurzgeschlossen. Die so verzögerte Regelspannung von der Anode der linken Gleichterstrecke wird noch mit dem Kathodenspannungsteiler über einen 0,3 MOhm-Widerstand verkoppelt und dem Steuergitter der ZF-Röhre AF3 und dem Steuergitter der HF-Vorstufe AF3 über weitere Siebung und Widerstandanppassung zugeleitet. Die Mischstufe AK2 wird bei diesem Gerät nicht geregelt.

 

 

Bei frühen Transistorschaltungen im HF - oder ZF-Teil war das Regeln schwieriger. Die frühen Transistoren liessen sich schlecht regeln. Deshalb wurde mit einer Belastungsdiode in Abhängigkeit von der Feldstärke ein ZF-Schwingkreis mehr oder weniger belastet. Dabei wurde bei Bandbreite auch mitverändert.

 

 

132) Misch- und Oszillatorschaltungen
Die meisten Radios wurden im Gegensatz zu den Geradeausempfängern als Superheterodyne (Super) - Geräte angeboten. Dabei wird das empfangene Hochfrequenzsignal in einer Mischstufe mit einem Oszillator so gemischt, dass eine konstante Zwischenfrequenz entsteht, die dann besonders selektiv hochverstärkt werden konnte.

 

Es wurde hierbei zwischen der additiven Mischung und der multiplikativen Mischung unterschieden.

 

Additive Mischung: Es wurde die Steuerelektrode einer Röhre oder eines Transistors mit einem Oszillatorsignal und dem Empfangsignal beaufschlagt. Dabei war das Oszillatorsignal deutlich stärker. Die Kennlinie des Verstärkerelements (Röhre oder Transistor) musste stark gekrümmt sein oder der Arbeitspunkt musste so auf einem Knick liegen, dass eine Audionwirkung zustande kam. Solche Stufen konnten nicht oder nur schlecht schwundgeregelt werden. Das notwendige Oszillatorsignal konnte in einer besonderen Röhre oder einem besonderen Transistor erzeugt werden. Es gab aber auch selbstschwingende additive Mischstufen. Additive Mischstufen wurden immer weniger verwendet, allerdinges noch lange in UKW-Empfangsteilen und Transistorradios.

 

Multiplikative Mischung: Die Zusammenführung des HF- und das Oszillatorsignals erfolgte an getrennten Elektroden des Verstärkerelements. Dafür wurden spezielle Mehrgitterröhren oder auch Transistoren (z.B. Dual Gates) angeboten. Eine typische Mischstufenröhre war die ECH81 (mit getrenntem Oszillator-Triodenteil) oder der DK92 (Mischtufe und Oszillator in einem gemeinsamen System). Ein Vorteil der multiplikativen Mischung war die Möglichkeit, die Regelspannung des Gerätes gut direkt der Mischtufe zuführen zu können.

 

Oszillatoren: Um aus dem Empfangssignal eine Zwischenfrequenz erzeugen zu können, musste ein im Gerät eingebauter Oszillator eine veränderbare Zusatzfrequenz erzeugen. Beispiel: Steht der Empfangskreis des Radios auf 1000 KHz und soll eine Zwischenfrequenz von 468 KHz erzeugt werden, muss der Oszillator auf 1468 KHz (1000 + 468 Khz) schwingen, bei einer Empfangsfrequenz von 520 KHz beträgt die Oszillatorfrequenz 988 KHz (520 + 468 KHz) und bei der Empfangsfrequenz von 1600 KHz sind es 2068 KHz (1600 + 468 KHz). Die Oszillatorfrequenz lag also üblicherweise über der Empfangsfrequenz.

 

Da die Superhetempfänger üblicherweise eine sogenannte Einknopfabstimmung hatten, musste der (die) Empfangskreis(e) und der Oszillatorkreis gemeinsam abgestimmt werden. Das wurde normalerweise mit einem Mehrfachdrehkondensator oder einer mechanisch verkoppelten Mehrfachspule realisiert. Durch Abgleichmassnahmen musste ein ungefährer Gleichlauf zwischen diesen Kreisen erreicht werden.

 

Es gab diverse Varianten zur Oszillatorfrequenzerzeugung. Hier sind als Beispiele nur erwähnt die Rückkopplung durch Strom innerhalb des Verstärkerelements, kapazitive oder induktive Rückkopplung.

 

Schaltungsbeispiele:


Multiplikative Mischung in den AM-Bereichen und selbstschwingende additive Mischung im UKW-Bereich.
Die LW-MW-Mischstufe wird durch die ECH81 gebildet. Der Oszillator des Triodenteils C wirkt über verbundene Steuergittter dieser Triode auf das Zusatz-Mischgitter des Mischröhrenteils H.  Im UKW-Teil wird das vorverstärkte HF-Signal aus den linken Triodensystem der ECC81 der selbstschwingenden additiven Mischstufe zugeführt.  Die Mischung des HF-Signals und des Oszillators erfolgt hauptsächlich am Steuergitter des rechten Triodenteils der ECC81.

 


Ein weiteres Beispiel für eine multiplikative Mischung mit einer ECH81


Ein weiteres Beispiel: Multiplikative Mischung mit ECH11.


Beispiel einer additiven Mischung im UKW-Teil (EC92) mit selbstschwingender Stufe ohne Vorverstärker UND auch für LW / MW ! mit EF89.

 

Beispiele für weitere Geräte mit den selteneren additiver Mischungen in den AM-Bereichen: Grundig 4035W/3D, Körting, Modell Royal-Syntektor 55 W, Stern-Rochlitz Modell Mittelsuper "Türkis". (Vielen Dank für Gerätenennungen an "Wolle" und "lasse.ljungadal" aus dem WGF)

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133) Autoradios. Zerhacker, Gleichspannungswandler, Umformer, Niedervolt-Röhren
autoradio12.jpgAutoradios die mit Röhren bestückt waren, benötigten für die Anodenspannungsversorgung eine Gleichspannung von ca. 200-250 Volt. Im Auto standen aber nur üblicherweise Spannungen von 6 oder 12 Volt zur Verfügung. Diese Spannungen konnten direkt nur zur Heizung der Röhren herangezogen werden (Ausnahmen waren die sogenannten Niedervoltröhren, siehe weiter unten). Die notwendige hohe Anodenspannung wurde deshalb mit sogenannten Gleichspannungswandlern (auch als Umformer oder Wechselrichter bezeichnet) von 6 oder 12 Volt auf ca 200-250 Volt gebracht.

 

Dabei bildete sich dieses Schaltungskonzept heraus und wurde fast ausschliesslich angewendet: Ein Gegentaktzerhacker wurde primärseitig so mit einer mittelangezapften Wicklung eines Transformators verbunden, dass er für einen bestimmten Zeitaugenblick Gleichstrom durch eine der beiden Teilwicklungen fliessen lässt. Im nächsten Augenblick wechselt der Zerhacker die Speise-Teilwicklung. So entstand in der Sekundärhochvolt-Primärwicklung des Transformators eine stark pulsierende Gleichspannung (Rechteck- oder Trapez-Form), die noch gesiebt werden musste. Der Zerhacker war als eine Art Relais ausgebildet, das sich selbst im ständigem Hin-und Her - Betrieb hielt (ähnlich wie der sogenannte Wagnersche Hammer bei der guten alten elektrischen Türklingel).

 

zerhacker.jpgEs wurde eine Pulsfrequenz um 50 Hz angestrebt. Bedingt durch die Selbstinduktion bei den Schaltvorgängen entstanden an den Umschaltkontakten des Zerhackers starke Funken. Diese mussten mit Kondensatoren über die Kontakte unterdrückt werden. Durch weitere Massnahmen versuchte man, die Funkenstörungen zu reduzieren. Zerhacker waren auch in den meisten Autos rein mechanisch zu hören, insbesondere wenn der Motor nicht lief und das Radio leise gedreht war. Zerhackerwandler hatten einen Wirkungsgrad von 60 bis 80 Prozent. Oft "lutschten" sie im Betrieb mit nichtlaufendem Motor die KFZ-Batterie (eigentlich ein Akku) völlig leer und der Motor sprang nicht mehr an.

 

Zerhacker waren Verschleissmaterial. Obwohl die Kontakte aus speziellem Material aufgebaut waren, ergab sich nur eine begrenzte Lebensdauer dieser Kontakte. Die Zerhacker konnten deshalb auch ähnlich wie Röhren über Steckkontakte ausgewechselt werden.

Mit Aufkommen der Transistortechnik wurden Hybridgeräte angeboten, die einen Transistor-Eintakt - oder Gegentaktspannungswandler nutzen. Hier musste nicht mehr hin und wieder der Zerhacker getauscht werden.

 

Motorumformer wurden in der PKW-Autoradiorechnik kaum eingesetzt.

 

Niedervoltröhren, die mit Anodenspannungen von 6 oder 12 Volt auskamen (1957): Solche Geräte sollten sozusagen der aufkommenden Transistortechnik noch entgegengesetzt werden. Bei diesen Geräten wurden auch teilweise sogenannte Hybridschaltungen verwendet: Das HF-Teil arbeitete mit den Niedervoltröhren, das NF-Teil schon mit Transistoren, man ersparte sich den Zerhacker. Typische Niedervoltröhren waren die EBF83, ECH83, EF97 und EF98 . Damit konnten HF-, ZF-, Gleichrichterstufen und NF-Vorverstärker realisiert werden. Lediglich die NF-Endstufe brauchte Transistoren oder einen Transistorwandler für die Endröhre.

 

 

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134) HF-Stereophonie.
stereo-decoder.jpgSchon Mitte der Fünfziger Jahre tauchten die ersten Stereo-Radios auf. Allerdings waren das reine NF-Stereogeräte. Um 1958 gab es dann Versuche mit HF-Stereophonie, zuerst benötigte man zwei UKW-Radios (der linke und rechte Kanal wurde auf zwei vershiedenen Sendern übertragen), die mit gewissen räumlichen Abstand nebeneinander auf zwei verschiedenen Frequenzen eingestellt waren.

Grundig Stereo-Decoder VI -->

 

Um 1962/63 wurde die UKW-Stereophonie in Deutschland (BRD) eingeführt. Details zu den Zeitabfolgen dieses Punktes 134 können hier nachgelesen werden. Dieses Verfahren war kompatibel zu den bisherigen UKW-Monogeräten, der Monoempfänger hörte beide Seiten-Informationen zusammen in einem Kanal (ohne Stereowirkung). Um das zu erreichen, musste der Sender zum einen das linke und das rechte Signal als Summe übertragen. Zusätzlich wurden zwei Seitenbänder als Differenzsignal und mittels Hilfsträger abgestrahlt. Dadurch wurde eine deutlich breitere FM-Kanalbreite (240-300 KHz) für Stereoempfänger notwendig. Der eigentliche Hilfsträger lag 38 Khz neben der Kanalmittenfrequenz. Die erzeugten Differenzseitenbänder lagen bei 23 - 37,984 Khz und 38,016 - 53 kHz. Der Hilfsträger wurde unterdrückt, stattdessen wurde ein Pilotton von 19 Khz zwischen dem Summensignal und den beiden Differenzseitenbändern ausgestrahlt. Damit konnte im Empfänger der Hilfsträger phasensynchron wieder hergestellt werden. Der Pilotton diente gleichzeitig als Stereo-Statussignal.

 

Im Stereo-UKW-Empfänger musste entweder mit einem steckbaren, einlötbaren oder festintegrierten Stereo-Dekoder das Stereosignal gebildet werden. Im Dekoder wurde zuerst der Pilotton genutzt, um daraus den phasenrichtigen 38-KHz Hilfsträger zu erzeugen, der dann wiederum zur Demodulation des aus dem Ratiodetektor zugeführten Bereiches (Differenzsignale) 23-37,984 und 38,06-53 KHz herangezogen wurde. Es gab verschiedene Varianten, diese Demodulation zu realisieren. Lag ein Stereosignal an (Pilotton von 19 Khz), wurde daraus ein optisches Signal (Status) gebildet.

 

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135) ARI (Verkehrsfunk) und RDS
ARI:
Mit den in den Siebziger Jahren immer stärker werdenden Strassenverkehr und den damit verbundenen Verkehrstauungen wurden schnelle und direkte Informationen über die Verkehrslage an die Kraftfahrer immer wichtiger. Es gab zwar zur Einführung des ARI auf UKW um 1974 schon einfache Verkehrsmeldungen, aber diese Informationen wurden recht unstrukturiert ins Programm gestreut. Das ARI-System brachte über technische Zusatzmassnahmen im Autoradio deutliche Komfortsteigerungen:

 

ARI (A utofahrer R undunk I nformation). Auf einem Unterträger von 57kHz wurden bei UKW-Sendern

  • die Senderkennung (SK, der Sender strahlt Verkehrsinfo´s aus)
  • die Bereichskennung (BK)
  • und die Durchsagekennung (DK) übermittelt.

ARI-fähige Autoradios oder Zusatzgeräte zur Decodierung der ARI-Signale verfügten über einen Kennungs-Wahlschalter (A....F) zur Aufschaltung des zuständigen Bereiches, will sagen, daß nur Stationen, welche für den befahrenen Bereich "zuständig" sind auch durchgeschaltet wurden. Autoradios der gehobenen Klasse steuerten damit ihren Sendersuchlauf. (Der kursive Text stammt von "roehrenfreak" aus dem Wumpus-Gollum-Forum (WGF).)


Dabei konnten die Autoradios teilweise auch so eingestellt werden, dass die Verkehrs-Durchsage unabhängig von der gerade eingstellten Normallautstärke, auf einen vorher fest eingestellten Lautstärkewert anstiegen. Man konnte also das Radio leise drehen, die Meldungen wurden trotzdem laut und klar wiedergegeben. Einige Autoradios mit TB-Cassette schalteten bei TB-Wiedergabe und ankommenden Verkehrsmeldungen (die allerdings einen eingestellten ARI-Sender im UKW-Bereich voraussetzten) auf diese Meldung um.

 

Für den reisenden Autofahrer war es bei den Geräten mit Bereichskennungauswertung besonders komfortabel, wenn er sich "seinen" aktuellen regionalen Durchsagebereich wählen konnte. Auf Autobahnen wurden diese Bereiche und auch die aktuellen Rundfunksender mit Verkehrsfunkmitteilungen auf Schildern genannt.

 

Man konnte bei einigen Radios auch festlegen, dass nur Verkehrsfunksender einstellbar waren. Radios mit Suchlauf zeigten dann nur Verkehrsfunksender an.

 

Heute nehmen auf etwas andere Art moderne KFZ-Navi-Systeme (GPS) dieses Durchsageprinzip wieder auf und modifizieren auf Grund von aktuellen Daten-Verkehrsmeldungen im unmittelbaren Fahrbereich die vorgeschlagene Fahrt-Route.

 

ARI ist eingestellt worden.

 

RDS: Radio Data System. Mit RDS kann das Radiogerät eigenständig nach einem Alternativsender mit besserem Signalpegel einer Sendeanstalt suchen lassen. Es werden auf einem geeignetem  Display auch kurze Textmeldungen, wie z.B. Sendernamen und Programmtyp dargestellt. Zusätzlich könne, Zusatzinformationen, wie Programm, Wetter, Nachrichten, Musiktitel, usw dargestellt werden. Wobei die Zusatzinformationen nicht alle RDS-Radios zeigen können. Längere Texte wegen auf den zumeist kleinen Displays oft in Laufschrift gezeigt. Auch die Steuerung von Verkehrsdurchsagen ist möglich (Ersatz von ARI). Insbesondere die Nennung des Sendernamens eines soeben eingestellten Senders ist für viele Hörer ein unbedingter Vorteil, dam man sich nicht mehr Sendefrequenzen merken muss. RDS sendet uach eine Uhrzeit-Information aus, die auch automatisch eine Geräte-Uhr synchronisieren können. RDS arbeitet nur auf UKW.

 

Geräte-Beispiele:

Taschenradio mit DAB+ und UKW-FM-RDS (mit Zusatzinformationen): Philips DA9011/02

Taschenradio mit UKW-RDS (ohne Zusatzinformationen: Sony SRF M48RDS

 

... mehr RDS-Geräte im Online-Museum

 

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136) UKW-Teil. Bauteiletausch
Das UKW-Teil hat Bauteile, insbesondere Kondensatoren, die einen speziellen Temperaturkoeffizient haben. Mit diesem Temperaturdrift-Verhalten soll eine Frequenzstabilität bei kaltem und erhitzem UKW-Teil (UKW-TUNER) sicherstellt werden. Bei vielen dieser Bauteile kann man diesen u.U stark unterschiedlichen Beiwert nicht erkennen. Deshalb sollten Kondensatoren NUR dann getauscht werden, wenn deren Fehler einwandfrei ermittelt wurden. Ein Tausch auf Verdacht sollte auch aus anderen Gründen ein Tabu bleiben.

 

Wenn Bauteil getauscht werden müssen, darf z.B. ein kerammischer Kondensator nicht gegen einen Folienkondensator gewechselt werden und umgekehrt. Die Anschlussdrähte müssen so kurz wie möglich sein. Ist ein 1/4 Watt Widerstand zu tauschen, soll er nicht durch einen 1/2 oder mehr Watt-Typ ersetzt werden. Bauteile sollen auch nicht probeweise verbogen werden.

 

 

 

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137) Sperrkreise und Saugkreise für Radios, starke Ortssender, Abschirmungen, Verdrosselungen
siemens-sperrkreis.jpgGrundsätzliches zu Sperrkreisen in und für Detektorempfänger ist hier (Stichwort "Sperrkreise") gesagt worden. Diese Hinweise gelten aber auch sinngemäß für Sperrkreise in Radios. An dieser Stelle hier noch einige Ergänzungen zu Sperrkreisen in Radios:

 

Bei zum Teil hochverstärkenden Radios (Geradeaus-Einkreiser oder Mehrkreiser, aber auf in einigen Fällen bei einfachen Superhet-Empfängern) konnte der Einsatz von Sperrkreisen sinnvoll sein. Zumeist strahlten sehr starke Ortsender im Empfangsband auf andere neben dieser Frequenz liegende Sender ein. Dieses Einstrahlen konnte gerade bei Einkreisern recht breit sein.

 

Sperrkreise können als Parallelkreise, aber auch in einigen Fällen als Serienkreise ausgebildet sein.

Als Pararallelkreise liegen sie in der Regel in der Antennenzuleitung im oder ausserhalb des Gerätes. Der Sperrkreis hat für die Einstellfrequenz einen recht hohen Resonanzwiderstand und dämpft deshalb genau diese Frequenz stark ab. Diese Parallelkreise können aber nur wirken, wenn der Empfänger ohne angeschlossene Antenne und Erde den "Störsender" nicht empfängt. Ist ohne diese Anschlüsse der starke Ortssender immer noch zu hören, muss durch weitere Maßnahmen (Seriensperrkreis an den Steuergittern, Abschirmungen einer oder mehrerer Stufen oder der Schwingkreisspulen oder der Röhren oder des gesamten Gerätes, Verdrosselungen * der Stromversorgungsleitungen.) versucht werden, dieses zu verhindern. Bei einigen Radios waren die Sperrkreise fest eingebaut und konnten nachgestellt werden, andere wurden einmal fest eingestellt.

 

Serienkreise (Saugkreise) kommen nicht in die Antennenleitung, sondern werden im Gerät selbst parallel zum Signalweg vor die erste Verstärkerstufe (aber auch zusätzlich noch in folgenden Stufen) eingefügt. Sie leiten (saugen) ihre Resonanzfrequenz sehr effektiv gegen Masse ab, lassen aber alle anderen Frequenzen fast ungedämpft durch. Die Serienkreise können hilfreich sein, wenn das Radio schon ohne Antenne und Erde den starken Ortssender hören kann. Diese Kreise sollten so dicht wie möglich an den Steuergittern der HF-Verstärker- oder Audionröhren - elektrisch gesehen - plaziert werden. Wenn das nicht ausreicht, bitte unter "weitere Maßnahmen" im vorigen Absatz nachlesen.

In vielen Radios sind diese Serienresonanz-Sperrkreise für die Zwischenfrequenz in Superhet-Empfängern eingebaut. Hinweis für Sammler. Ergänzende Maßnahmen kommen in Frage bei erheblichen Feldstärken und Eintrahlungen auch ohne Antenne und Erde, wenn trotz der Serienkreise der Ortssender immer noch so stark zu hören ist, dass er mehr als 10 % des Skalenweges überstreicht. Oft nimmt die Schwingkreisspule induktiv aber auch u.U. kapazitiv die Senderenergie auf. Es kann also sinnvoll sein, diese Spule abzuschirmen ( Hinweis für Sammler).

 

Auch Ausserbandeinstrahlungen, z.B. von starken Kurzwellensendern in den MW- oder (weniger) in den LW-Bereich können auftreten. Hier muss der Sperrkreis auf das Ausserbandsignal abgestimmt werden. Parallelsperrkreise können auch für verschiedene Frequenzen hintereinandergeschaltet werden.

 

Für erste Versuche kann ein alter Detektorempänger (an dessen Antenne und Erde) als Parallel-Sperrkreis genutzt werden, wenn es sich um einen Parallelschwingkreis-Detektor handelt. In diesem Fall, wenn es geht, den Detektorkristall herausziehen, keinen Kopfhörer anschliessen.

 

* = Verdrosselungen: HF-Einstrahlungen können über die Stromversorgungsleitungen zwischen Ortsnetz oder zwischen Netzteil und dem eigentlichen Radio, aber auch über Lautsprecherleitungen oder Leitungen von Plattenspieler oder Tonbandgerät einsgeschleppt werden. Man kann das mit Kondensator-Abblockungen nach Masse und oder mit eingeschleiften HF-Drosseln (Breitbanddrosseln) reduzieren. Hierbei haben sich Kombinationen aus Kondensator nach Masse mit einer Drossel in die Versorgungsleitung bewährt. Aus Sicht des Radios kommt erst der Parallelkondensator, dann die Drossel in Serie mit der Einschleppleitung.

 

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Werden Radio-Oldtimer (insbesondere Geradeausempfänger) heute in Betrieb genommen, können stark einfallende Innerband-Sender, aber auch Ausserband-Sender starke Beeinträchtigungen hervorrufen. Anders als damals gibt es heute z.B. viele starke Kurzwellensender. Die strahlen gerade (anders als damals) in dem jeweils hochfrequenten Bandteil des Geradeausempfängers ein, da hier Kurzwellen-Resonanzstellen auftreten können. Will man damalige Geräte heute betreiben und keine Eingriffe in das Gerät vornehmen, kann man die oben erwähnten Serienkreise (Saugkreise) in sehr kompakter Bauweise mit Festkondensator und Ferrit-Minitopfkreis und Mikro-Krokoklemmen reversibel in die Schaltung klemmen, der Sammlerwert sinkt dadurch nicht.

 

Das gilt auch für provisorische Abschirmungen der Schwingkreisspule mit z.B. Haushalts-Alu-Folie. Diese Folie wird dicht schliessend um die Spule gewickelt und mit einem kleinen Draht mit zwei Mini-Krokoklemmen an Masse gelegt. Die Spulendrähte sind in der Regel isoliert, sodaß es zu keinem Schluss kommen kann. Natürlich wird die Spule ein wenig durch die Schirmung gedämpft, es ist also ein Kompromiß hinsichtlich der Empfangsleistung zu schliessen. Aber doch immer noch besser, als der nervige "Störsender". Das gerade beschriebene Abschirmen kann auch testweise für die Verstärkerröhre angewandt werden, weil auch diese Röhren direkt Einstrahlungen aufnehmen können. Nicht alle Röhren waren von Hause aus geschirmt. Bei einigen Röhren kann die Abschirmung abgeblättert und sonstwie schadhaft geworden sein.


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138) Fernbedienungen
Mit Fernbedienungen sollte der Bedienungskomfort im Umgang mit Unterhaltungselektronik deutlich gesteigert werden. Es haben sich im Laufe der Jahrzehnte folgende Konstruktionen durchgesetzt:

  • Kabel-Fernbedienungen (drahtgebundene Fernbedienungen)
  • Drahtlose Ultraschall-Fernbedienungen
  • Drahtlose Infrarot-Fernbedienungen

Kabelbedienungen reichten von einfachen Ein-Auschaltern bis zu komplexen Bedienungen für Motorsuchlaufgeräte wie Saba Freiburg. Typische Kabellängen lagen um 5 - 7 Meter. Die Regeltechnik war rein analog über Potentiometer für Lautstärke, Klang, usw. Aber auch das Umschalten von UKW auf AM konnte zumeist über Relaistechnik realisiert werden. Typische Fehler: Kontaktprobleme, Kabelbrüche an den Übergängen Fernbedienung-Kabel. Potentiometer-Kracheln.

 

Drahtlose Ultraschallbedienungen (beispielsweise eingesetzt im Tonfunk Zauberperle aus dem Jahr 1956 als 9 Khz-Fernschalter) kamen über einfache Steuervorgänge nicht hinaus. Ganz zum Anfang wurden sogar Metallstäbe rein mechanisch in Ultraschallschwingungen versetzt oder mit Blasebalg betriebene Pfeifen verwendet, wobei die Steuertonanteile im Schallbereich hörbar waren. Später wurden auch Steuertöne mit Tongeneratoren erzeugt. Ein-Aus, Lauter - Leiser. Das waren typische Funktionen. Typische Fehler: Bei mechanischen Generatoren kein sauberes Anstossen des Schwingmetalls, Ultraschallempfangsteil im Gerät fehlerhaft. Bei elektrischen Generatoren: Fernbedienungs-Batterie.

 

Drahtlose Infrarotbedienungen eröffneten erst wirklich komfortable Bedienungen. Den Möglichkeiten sind kaum Grenzen gesetzt. In den ersten Jahren gab es bei Nutzung mehrerer Fernbedienungen von verschiedenen Herstellern Doppelaktionen: Man wollte das Radio lauter stellen, der Fernseher wechselte aber gleichzeitig auch von VHF auf UHF, usw. Zwischenzeitlich hat sich eine Art Firmen-Norm durchgesetzt, sodass Dopplungen deutlich nachgelassen haben. Moderne Fernbedienungen sind teilweise auch programmierbar. Universalbedienungen können tausende Geräte ansprechen, lernende Fernbedienungen können von Originalbedienungen lernen und deren Steuersignal kopieren. Universalbedienungen können gleichzeitig für (jetztiger Stand) bis zu 9 Geräte genutzt werden. Typische Fehler: Batterien! Kontakte der zumeist Folientastaturen, Feuchtigkeit (Kaffe, Tee, usw) im Tastaturbereich, verschmierter LED-Geberbereich. Verstellter oder verklebter und verschmierter Aufnehmerbereich am zu steuernden Gerät, zu helles Tageslicht fällt auch den Aufnehmer.

 

Mehr Informationen zur Geschichte der Fernbedienungen hier ...

 

Beispiele moderner Universal-Fernbedienungen zur Steuerung mehrer Geräte: Philips Prestigo SRU8015  und One for all URC 11-7940 R00

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139) Der Netztransformator des Volksempängers VE301W und VE301dyn. Ohmwerte und Spannungen und Ströme
Hier wird der Netztransformator des VE301W im Detail gezeigt. Die Ohm-Messwerte wurden mit einer Wheatstone-Messbrücke "Pontavi Wh2" von Hartmann und Braun bei einer Raumtemperatur von 20°C gemessen. Es sind Abweichungen von ein paar Prozent bei anderen Temperaturen möglich und unbedenklich. Im unbelasteten Zustand darf sich der Trafo bei 220V~ Eingangsspannung nicht merklich erwärmen und soll folgende Ausgangsspannungen liefern:

  • Anodenspannungswicklung: 375Volt~
  • Heizwicklung Gleichrichter: 4,30Volt~
  • Heizwicklung Audion / NF: 4,30Volt~

Die Leerlaufstromaufnahme beträgt bei

  • 220Volt~ 52mA
  • 225Volt~ 57mA
  • 230Volt~ 61mA
  • 235Volt~ 64mA
  • 240Volt~ 68mA

Noch etwas: Bei 240Volt~ Eingangsspannung steigt die Spannung der Anodenwicklung auf 410Volt~ an, liegt also 35Volt über dem Normalwert. Vorsicht ist also geboten! Besonders beim Ersatz von (Elektrolyt-)kondensatoren ist auf ausreichende Spannungsfestigkeit zu achten. Wenn möglich sollte das Gerät mit reduzierter Netzspannung betrieben werden. Das schont den Trafo, die Gleichrichterröhre und nicht zuletzt die Nerven.

 

Spannungsmesswerte mit Digitalmultimeter GTM2030 (BBC GOERZ METRAWATT) gemessen, Ri=10Meg Ohm. Der gleiche Transformator wurde offensichtlich auch im VE301dyn verwendet.

 

 

 

Nachtrag (Angaben ohne Gewähr):
Primäer (Wicklung 1)

1 nach 2 =600 Wdg (220V) ,
2 nach 3 = 115 Wdg (125V) ,
3 nach 4 = 500 Wdg (110V).
0.32 CUL
Leerlaufstrom bei 220V max 80 mA.

Sekundär (Wicklung 2)
5 nach 6 = 2100 Wdg (0,1 CUL) 1*350V 24 mA
6 nach 7 = 24 Wdg (0,6 CUL) 1*4V. 1,4 A (Heizung für RGN1064)

Sekundär (Wicklung 3)
8 nach 9 = 24 Wdg (0,7 CUL) 4 V. 1,4 A

Dieser Beitrag ist von "Urs" aus dem Wumpus-Gollum-Forum. Vielen Dank.

 

140) Leistungsabfall bei Umschaltung auf niedrige Ortsnetzspannung bei Allstrom und Gleichstromgeräten.
Viele Radiogeräte haben eine Betriebsspannungsumschaltung , um an verschiedenen Ortsnetzen betrieben werden zu können. Bei Allstrom- und Gleichstromgeräten tritt dabei besonders dieser Effekt auf: Es wird lediglich die Heizspannung der Röhren über Widerstandskombinationen geändert, die Anodenspannungserzeugung hängt dagegen direkt am Ortsnetz. Das bedeutet, dass diese Ortsnetzspannung an der Anodenspannungsgleichrichtung mit eben dieser Ortsnetzspannung sinken kann. Ein Radio hat also bei 110 Volt Ortsnetz eine geringere Anodenspannung zur Verfügung, als bei 220 Volt. Geringere Anodenspannung für die NF-Endstufe bedeutet geringere Ausgangsleistung.


Eine typische Allströmer-Schaltung (Beispiel des VE301GW).
Lediglich die die beiden Heizspannungskreise werden beim Wechsel der Ortsnetzspannung umgeschaltet.
Achtung ! Auf dem Schaltbild ist ein Fehler:
Die Heizleitung von der VL1 über die VC1 muss nach Geräte-Masse gehen und nicht an die Anodenspannung!

 


Ein Allstrom-Empfänger, der allerdings versucht, nicht nur die Heizspannung an die eingestellte Ortsnetzspannung anzupassen. Allerdings wird auch hier die Andoenspannung der NF-Endstufe nicht mit geändert. Bestimmte Spannungen der HF-Vorstufe und der Audionstufe werden mit umgeschaltet. Diese Schaltung ist eine Ausnahmeschaltung.

 

 

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141) Netztransformatoren, Netzteile, Ladeteile, Netzanoden, Netzdrosseln
Alte Radios, die vom örtlichen Stromnetz versorgt wurden, benötigten angepasste Spannungen. Hatte das Ortsnetz beispielsweise 110 Volt Wechselstrom, musste ebenfalls beispielsweise diese Spannung einmal auf ca. 250 Volt Anodenspannung und  auf 4 Volt Heizspannung gebracht werden, war dafür ein Transformator notwendig. Dieser Transformator änderte die Primär-Wechselspannung von 110 Volt auf sekundär 250 Volt und sekundär 4 Volt. Das konnte mit einem Spartransformator oder einem Mehrwicklungstransformator erreicht werden. Bei getrennten Wicklungen trat ein Sicherheitseffekt auf: Die Netzspannung wurde galvanisch (elektrisch) von den im Gerät benötigten Spannungen getrennt. Dadurch veringerte sich für Benutzer des Gerätes die Stromschlag-Gefahr erheblich. Berühte Jemand bei einer Reparatur mit der Hand den Anodenspannungs-Elko an der Plusseite und hatte die andere Hand an der Wasserleitung, bekam er keinen erheblichen Stromschlag. Spartransformatoren konnten diese Sicherheit nicht bieten.

 

Netztransformatoren können nur an Wechselstromnetzen betrieben werden. An Gleichstromnetzen würden sie auf der Primärseite einen Kurzschluss hervorrufen. Transformatoren haben einen recht hohen Wirkungsgrad. Im Gegensatz zu Gleichstromnetzen, wo die Spannungsanpassungen in der Regel über Vorschaltwiderstände vorgenommen werden müssen. Hierbei wird viel Stromleistung "verbraten". Ein weiterer Vorteil bei Wechselstromnetzen mit unterschiedlichen Ortsnetzspannungen ist: Der Transformator kann bei primär 110 Volt sekundär 250 Anodenspannung lieferen. Im Gleichstromnetz geht das so nicht, hier würde ein Leistungsabfall eintreten.

 

Die Heizwicklung ist an ihren deutlich dickeren Drähten zu erkennen. Im Betrieb können Trafos warm bis mäßig heiß werden. Betriebstemperaturen bis ca. 60 Grad Celsius können auftreten. Temperaturen darüber weisen im Allgemeinen auf einen Fehler im Gerät oder im Trafo selbst hin. Insbesondere, wenn Trafos längere Zeit durch einen zu hohen Stromfluß belastet wurden oder wenn Trafos schon sehr alt sind, können Windungsschlüße (also Isolationsfehler innerhalb einer Wicklung von Windung zu Windung) zum erheblichen Heißwerden führen. Ein Trafo, der nur am Ortsnetz angeschlossen ist und alle Sekundärwicklungen abgetrennt sind, der dabei heiß wird, hat einen Windungsschluß und darf nicht mehr verwendet werden.

 

Kann man bei einen unbekannten Ersatztrafo die Windungen bestimmen? Ja und nein. Ein einfacher Standard-Trafo (siehe Skizze 1) kann man u.U. hinsichtlich seiner Windungen mit einem Ohm-Meter erkennen. (Merke: Das ist nur ein Notbehelf! Und Messungen erfolgen am Trafo, der sonst nirgendwo angeschlossen ist):

 

  • Die beiden Anschlüße mit den dickeren Drähten ist die Heizwicklung. Mit dem Ohmmeter muss der geringste Wert der drei Wicklungen gemessen werden.
  • Jetzt müssen die beiden Primär- und Sekundärwicklungen erkannt werden. Drei Wicklungen müssen mit dem Ohmmeter als  hat Verbindung erkannt werden. Die anderen beiden Anschlüsse mit elektrischer Verbindung stellen die Sekundär-Anodenwicklung dar.
  • Bei Trafos mit nur zwei Anschlüssen auf der Primärseite ist die Erkennung schwieriger, aber im Allgemeinen ist die Primärseite leicht niederohmiger als die Sekundärseite. Mit dem Ohmmeter kann man das zumeist erkennen.
  • Man kann nun versuchen, den Trafo mit den vermuteten Primäranschlüssen (mit den hochohmigsten Primärwicklungsanschlüssen) ans Ortsnetz zu bringen (am besten über eine Feinsicherung mit 0,8 mA mittelträge). Bleibt die Sicherung ok, kann man nun mit einem Vielfachinstrument die beiden Sekundärspannungen messen. Liegt beispielsweise an der hochohmigen Sekundärwicklung 250-280 Volt an und an der Heizwicklung 6,3 Volt und wird der Trafo auch nach 30 Minuten kaum handwarm, hat man die richtigen Anschlüsse gefunden.
  • Wird der so erkannte Trafo aber im Gerät eingebaut und wird sehr heiss, ist er entweder unterdimensioniert oder aber die Primärwicklung ist mit der Sekundärwicklung vertauscht.

 

(1) Standard-Netztransformator mit 3 Wicklungen.
Links die Primärseite mit einer zusätzlichen Anzapfung für eine geringere Netzspannung.
Rechts zwei getrennte Sekundär-Wicklungen.

 

Vergleich Spartrafo zum galvanisch getrennten Trafo

 

Weitere Trafo-Varianten.

trafos.jpg

 

Netztransformatoren wurden in der Frühzeit des Rundfunks auch als externe Geräte genutzt (also mit Netzanschluß und Schutzgehäuse und Verbindungsleitungen zum Radiogerät (welches eigentlich für Anodenbatterien und Heizbatterien oder Heizakkus vorgesehen war.

 

Weiter gab es Netztransformatoren in Ladegeräten, mit denen man die Heizakkus der frühen Radios (ohne eingebaute Netzteile) nachladen konnte. Dabei mußte der Wechselstrom intern gleichgerichtet werden, nur so konnten Akkus geladen werden und es mußte auch eine Überladung verhindert werden.

 

Reine Transformatoren (extern, mit und ohne Gehäuse und Anschlüssen) und / oder Netzteile wurden unter verschiedenen Begriffen angeboten: Netzteil, Netzanode, Ultraformer (Ultra-Former) sind solche Begriffe. So scheint der Begriff Ultraformer nur von der Firma RLR für Netztrafos / Netzteile verwendet worden sein, also eher ein Markenname. Diese Bauteile / Baugruppen gab es in diversen Varianten und Kombinationen. Auch waren bei den Netzanoden unterschiedlich Gleichrichter-Typen im Einsatz. Auch stabilisierte Spannungen waren teilweise vorhanden.

 

Eine Sonderform eines "Transformators" war die Netzdrossel. Eigentlich kein Transformator, stellte sie für Wechselstrom, aber auch gleichgerichtetem pulsierenden Gleichstrom einen Widerstand dar und konnte so Wechselstromanteile reduzieren. Netzdrosseln kamen in Radios vor, dort nach der Anodenspannungsgleichrichtung zwischen Lade- und Siebelko, um die restlichen "Wechselstrom"-Anteile zu blockieren. Weiter konnte eine Netzdrossel sogar in Gleichstromnetzen verwendet werden, um dort vor dem Radio Störfrequenzen die auf der Gleichspannung aufgelagert waren ebenfalls zu blockieren.

 

 

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142) Lautsprecher. Impedanz und Ohmwert. Kann ich die Impedanz mit dem Ohmmeter messen?
Lautsprecher werden neben ihrer Leistungsabgabefähigkeit (in Watt) hauptsächlich über ihre Impedanz (der resultierende Ohmwert (Scheinwiderstand), wenn der Lautsprecher mit 800 bzw. 1000 Hz betrieben wird) definiert.

 

Insbesondere wenn Lautsprecher als Fehlerquelle vermutet werden, wird der Reparateur vielleicht versucht sein, mit dem Ohm-Meter (z.B. eines Vielfachinstrumentes) den Lautsprecher zu prüfen. Das geht aber nur bedingt. Man kann mit dem Ohmmeter nur generelle Aussagen treffen, wie z.B.: "Null Ohm" (sehr selten) oder aber "kein Durchgang - unterbrochen". Was aber NICHT geht, ist den Impedanzwert des Lautsprechers zu messen, so nach dem Motto: Ein 5 Ohm-Lautsprecher muss mit dem Ohm-Meter 5 Ohm haben. Das ist keinesfalls so. Mit dem Ohmmeter wird man in der Regel immer einen KLEINEREN Wert messen. Hat ein 5-Ohm-Lautsprecher z.B. nur 2,1 Ohm, ist das KEIN Hinweis auf einen Fehler. Leistungsstarke 5-Ohm-Lautsprecher können auch 1 Ohm haben!

 

Sinngemäß gilt das auch für hochohmige Lautsprecher (Freischwinger, Lautsprecher für eisenlose Röhrenendstufen, usw.) Hat einer solcher Lautsprecher eine Impedanz von 800 Ohm, wird der reine Ohmwert vielleicht nur 500 Ohm betragen, hat ein Freischwinger eine Impedanz von 2000 Ohm (war üblich), beträgt der reine Ohmwert vielleicht nur 1200 Ohm.

 

Keinesfalls darf man einen 2000- oder 800- oder 400-Ohm-Lautsprecher durch einen 5- oder 4-Ohm-Lautsprecher ersetzen.

 

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143) Röhrenenstufe. Ausgangstransformator, Lautsprechertransformator, Luftspalt
Röhrenendstufen benötigten zumeist einen Lautsprechertransformator, um ihre hochohmige Impedanz (ca. 1200-8000 Ohm) an die des Lautsprechers (ca. 4-5 Ohm, selten 400 oder 800 Ohm) anpassen zu können. Dabei sollte der Lausprechertrafo in Röhren-Eintakt-Endstufen einen Luftspalt haben, um die Vormagnetisierung durch den Anodengleichstrom zu vermeiden. Diese Vormagnetisierung würde bei höheren Lautstärken die Halbwellen des NF-Signals unterschiedlich stark übertragen (verzerren). Deshalb sind moderne Ersatztrafos uas dem 100-Volt-Audiobereich nur bedingt geeignet, dad sie diesen Luftspalt nicht haben. Jedenfalls könnten bei hohen Lautstärken mit Röhren, wie EL84, usw Verzerrungen hörbar werden. Diese echten Ausgangstrafos können für Eintakt- oder Gegentakt-Betrieb ausgelegt sein, sie können Zusatzwicklungen für die Gegenkopplung haben und Anzapfungen auf der Primärseite um in Verbindung mit dem Schirmgitter der Endröhre die Brummkompensation zu verstärken. Bei Gegentaktendstufen waren auch Ultralinearschaltungen möglich.

 

Alte Radioschaltungen kamen ohne Ausgangstrafo aus, wenn hochohmige Lautsprecher, wie z.B. Freischwinger (ca. 2000 Ohm) oder Kopfhörer (ca. 2000 Ohm) verwendet wurden.

 

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144) HiFi, Raumklang, 3D, Stereo, Kunstkopf, Basisbreitenvergrösserung, HF-Stereophonie
Raumklang, 3 D: Die hohen Frequenzanteile von Musik und Sprache werden stark gerichtet vom Radio in den Zimmer abgestrahlt. Während sich Bässe gleichmäßig und fast rund ausbreiten, ist das bei den Höhen nicht der Fall. Sitzt der Hörer seitlich vom Lautsprecher eines Radios mit eben nur einem Lautsprecher, wird er ein Teil des Klangbildes nur schlecht wahrnehmen. Deshalb wurden bei besseren Radios Zusatzlautsprecher an den Geräteseiten hinter Zierblenden oder Stoffbespannungen angebracht. Nun konnte auch an den Geräteseiten im Zimmer ein luftiges Hörerlebnis sichergestellt werden. Als Namen nutzen die Firmen alle möglichen Begriffe. Beispiele: Raumklang, 3D, Plastik, usw. Es kamen elektrostatische Flächen-Lautsprecher, permanentdynamsiche Spezial-Lautsprecher mit oder ohne Schallumleitblechen oder Umleit-Rohrsystemen, sowie Schallkompressoren (Druckkammer-Systeme) zum Einsatz.

 

Stereo: Mono-Radios strahlten die Musik oder Sprache ungerichtet in den Raum ab (Raumklang oder 3D verteilte nur die Höhen besser im Zimmer). Der Hörer konnte aber nicht erkennen, wo z.B. bei Orchestermusik die Streicher, das Klavier oder der Sänger im Studio sich befand. Wird die Tonaufnahme mit zwei Mikrophonen (vielleicht mit Richtwirkung und etwas nach aussen gerichteter Wirkung) nebeneinander auf zwei Tonkanäle aufgenommen, liegen nun akustische Informationen über die räumliche Lage der Tonquellen vor, allerdings muss bei der Wiedergabe (Radio, Plattenspieler, Tonbandgerät) ein zweikanaliger Verstärker zur Verfügung stehen.

 

Diese zweikanaligen Verstärker werden als Stereo-Verstärker bezeichnet.. Werden zumindest zwei Lautsprecher, die so weit wie möglich auseinander stehen, verwendet, kann der Hörer im Zimmer die aufgenommenen Tonquellen hinsichtlich der Position im Raum gut zuordnen. Natürlich war die Stereo-Basis in Tischgeräten geringer, als in Musiktruhen, die Basisbreite war aber mit getrennten Lautsprecherboxen noch grösser, überigens ein Grund für die Einführung der Hif-Fi-Geräte ohne Lautsprecher im Radioteil. Der Klang wird echt räumlich. Zuerst kamen reine NF-Stereo-Geräte auf, die von Schallplatte oder Tonband Stereo wiedergeben konnten, später kam die HF-Stereophonie zu. Dabei konnte der Rundfunk (zuerst mit zwei Radios und zwei Senderfrequenzen, später mit Gleichkanal-Multiplex-Stereo) Stereosendungen bieten. Um bei kleinen kompakten Stereogeräten die Basisbreite zu verbesseren, kamen bald Stereo-Expander, Basisbreiten-Vergrösserer, usw auf. Hier wurde jeweils dem linken Stereo-Kanal ein kleiner Anteil des rechten Kanals gegenphasig zugeführt und umgekehrt. Durch diese Phasendrehung wurde der räumlich Eindruck künstlich verbreitet. Übrigens sollten beim Anschluss von Stereo-Lautsprechern die Polungen beachtet werden. Um nicht nur die Links-Rechts-Klangauflösung im Raum zu verbessern, wurde mit der Einführung der Kunstkopfstereophonie versucht, die räumliche Ortung der Tonquellen auch in der Tiefe des Raumes zu verbessern. -->

 


1 Hauptlautsprecher, 2 Seitenlautsprecher, 2 Hochtöner = Raumklang
Grundig 4055

 

<-- Das Verfahren nutzt bei der Aufnahme einen Kunstkopf, in dem zwei Mikrophone eingebaut wurden. Dabei wird das äußere Ohr und der Gehöhrgang nachgebildet. Wird bei der Wiedergabe der Stereoaufnahme ein Stereokopfhörer verwendet, erlebt der Hörer nicht nur die reine Links-Rechtswirkung, sondern die Tonquellen werden in der Tiefe des Raumes erkennbar. Allerdings hören viele Nutzer die Tonquelle dabei innerhalb des Kopfes hinter sich, ist aber trotzdem beeindruckend.

 

HiFi (High Fidility): AM-Rundfunksender konnnten nur ein sehr eingeschränktes NF-Band übertragen, auf UKW war dieser Bereich schon deutlich grösser. Der UKW-Klang war luftiger. Die Schallplattenindustrie konnte schon bald Frequenzen von 50 - 17000 Hz auf den schwarzen Scheiben bieten.

 

Da es aber sehr unterschiedliche Geräten mit sich sehr unterscheidenen Leistungsdaten auf den Markt kamen, wurde extra eine DIN-Norm geschaffen, die Mindestanforderungen festlegten: Die Hifi-Norm. Hifi-Geräte wollten ein möglichst linearen Klang sicherstellen. Obwohl die Geräte immer mehr echte Sinusleistungen bei neutraler Klangkurve brachten, konnte natürlich auch ordentlich Höhen- und Bässe zugeregelt werden

.

Heutige moderne Geräte werden nicht mehr auf lieare Klangdarstellung bei hoher echter Ausgangsleistung optimiert, sondern auf hohe Musikleistung mit völlig unnormaler Bassüberhöhung.

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145) Fragen zu Röhren von Neu-Einsteigern.
Wer sich zum ersten Mal mit alten Röhrenradios beschäftigt, dem stellen sich bestimmt bald diese Fragen:

  1. Sind alle Röhren gleich oder gibt es Unterschiede? Kann ich eine Röhre mit der anderen einfach austauschen? Nein, es gibt Tausende von verschiedenen Röhren. Man kann sie in der Regel nur gegeneinander tauschen, wenn beide GENAU die gleiche Bezeichnung haben. Beispiel: Man kann eine EL84 gegen eine EL84 tauschen, aber nicht gegen eine EL95.
  2. Ist eine Röhre kaputt, wenn draußen auf dem Glas eine silbrige oder graue oder goldene Schicht beginnt abzublättern? Nein, dass sind in den meisten Fällen Abschirmungen, die im Laufe der Jahrzehnte beginnen sich aufzulösen. Erst wenn diese Schicht sich großflächig abgelöst hat, kann es zu Problemen mit Brummen und HF/NF-Einstreuungen kommen. Die eigentliche Röhrenfunktion ist aber davon nicht betroffen
  3. Ist eine Röhre kaputt, wenn innen drin an einer Stelle so ein silberner spiegelartiger Belag zu sehen ist? Nein, das ist ein sogenannter Getter-Belag, der bei der Röhrenherstellung das Vakuum quasi verbessert.
  4. Ist eine Röhre kaputt, wenn der Glaskörper in dem Röhrensockel leicht wackelt? Nein, das ist noch kein Hinweis auf eine defekte Röhre. Das gilt aber nur für Röhren, die nicht nur einen Vollglaskörper haben.
  5. In manchen Röhren kann man gut den Heizfaden sehen. Wenn diese Fäden beim Wacklen leicht hin- und Herschwingen, sind die dann defekt? Jein. Ein wirklich nur leichtes Zittern ist ok. Aber ein Hin-und-Herschlackern ist schon ein Fehlerhinweis.
  6. Ist eine Röhre defekt, wenn innen an verschiedenen Stellen unregelmäßig eine Art weissliche neblige Schicht am Glas zu sehen ist? Ja, das ist leider ein starker Hinweis auf eine Röhre, die "Luft gezogen" hat. Ist dieser weissliche neblige Belag ganz gleichmäßig innen verteilt, kann das aber auch bei einer intakten Röhre so sein. Es gibt solche Röhren die innen eine Art Milchglasschicht haben, z.B. Varianten der RV12P2000, usw.
  7. Wenn das Radio an ist, leuchten die Röhren nicht oder nur ganz schwach, irgendwie rötlich, innen, kaum sichtbar. Ist diese Röhre kaputt? Nein, es ist vielmehr bei den meisten Röhren der Hinweis auf den normalen Betriebszustand. Was da dunkelrot (machmal auch recht hellrot) glimmt, ist der Heizfaden der Röhre.
  8. Bei manchen Röhren glimmt der Heizfaden sofort nach dem Einschalten, bei anderen beginnt das Glimmen erst nach einigen Sekunden. Wenn es dauert, ist die Röhre defekt? Nein, es gibt direkt geheizte Röhren, da beginnt das Glimmen sehr schnell. Bei indirekt geheizten Röhren und Röhren in Serienheizkreisen kann der Glimmbeginn bis zu 30 Sekunden dauern.
  9. Nach einigen Minuten kann man eine Röhre nicht mehr anfassen, sie wird zu heiß. Ist das richtig so? Ja, Röhren, insbesondere Endstufenröhren und Netzgleichrichterröhren erhitzen sich sehr stark. Das ist normal.

 

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146) ZF-Sperre, ZF-Falle, ZF-Störungen
In Superhet-Empfängern können Störsignale über das HF-Teil in das ZF-Teil (Zwischenfrequenzteil) eindringen. Das kann ein Sender direkt auf der Zwischenfrequenz sein oder aber eine Produktbildung zweier Sender - die im HF-Teil eine Differenzfrequenz erzeugen, die der ZF entsprechen. Deshalb wird in vielen Superhet-Empfängern eine ZF-Sperre in das HF-Teil (möglichst dich am Antenneneingang) eingefügt.

 

Die Sperre (Sperrkreis) kann als Serienkreis oder als Parallelkreis ausgebildet sein. Serienkreise leiten gezielt das über die Antenne kommende Störsignal nach Masse ab, Parallelkreise Sperren die Weiterleitung zum Misch-Gitter. Die ZF-Sperren sind zumeist abgleichbar. Ein Fehlbagleich wird oft nicht bemerkt - solange es keine Störsignal gibt. Ein Hinweis auf einen Fehlabgleich kein ein Peifen bei JEDEM empfangenden Sender sein.


Der Serien-ZF-Sperrkreis liegt direkt hinter der Antenne nach dem C31 (500pf) als S1 und C13 (100 pF) nach Masse. Ganz links im Schaltbild.

 

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147) Besonderheiten bei der Ohmmessung von Selengleichrichtern
Selengleichrichter sind bei ohmmäßiger Prüfung oft kritischer als Silizium-Dioden. Der Ohmwert ist in Abhängigkeit Sperr- zu Durchlassrichtung mit vielen Ohmmetern etwas schwerer zu ermitteln. Es kommt darauf an, dass das Ohmmeter in einem Messbereich genutzt wird, der eine aussagekräftigen Unterschied zwischen Durchlass- und Sperrichtung ermöglicht. Die Gleichrichter müssen ausgelötet sein. (Hinweise zu Strom- und Spannungsfestigkeit von Selengleichrichtern hier.)

Beispiele:

Selengleichrichter für Autoradio im Niedervolt-Netzteil.
Ohmbereich 1 Megohm Messbereich. Durchlassrichtung 125 KOhm, Sperrrichtung 330 KOhm. Uneindeutig.
Ohmbereich 10 KOhm. Durchlassrichtung 1,5 KOhm, Sperrichtung unendlich. So läßt sich eindeutig sagen, ob der Selen in Ordnung ist.

 

Selengleichrichter für Anodenspannung im Standard-Netzteil 250 Volt.
Ohmbereich 10 KOhm. Durchlassrichtung unendlich, Sperrichtung unendlich. Unbrauchbare Messung
Ohmbereich 200 KOhm. Durchlassrichtung 1,7 MOhm, Sperrichtung unendlich. So läßt sich eindeutig sagen, ob der Selen in Ordnung ist.
Ohmbereich 20 MOhm. Durchlassrichtung 1,8 MOhm, Sperrichtung 2,9 MOhm. Uneindeutig.

Muss ich genau wissen, welche Polarität das Ohmmeter hat? Ja und nein. Um die Gleichrichterwirkung bei einem Einweg-Selengleichrichter zu prüfen, reicht der signifikante Unterschied Sperrohmwert zu Durchlassohmwert. Beim Prüfen eines Brückengleichrichters geht es auch ohne Kenntnis der Ohmmeterpolarität. Sicherheithalber kann man aber mit einem Voltmeter feststellen, welche Polarität am Ohmmeter anliegt.

Brücken-Selengleichrichter:


Die Messung des Ohmwertes von ~ zu ~ und von + zu - unterscheidet sich fast garnicht (nur die Bauteiletoreranzen der vier Dioden).
Beispiel eines B250/C85: Ohmmeter Messbereich 2 MOhm. Von ~ zu ~ und von + zu - ca. 1,65 MOhm. Von ~ zu + und von ~ zu - ca. 1,2 MOhm. So ist ein Schluß einer der Diodenstrecken schwer zu ermessen.

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148 ) Tefifon
Der Begriff steht für ein Musik-Sprache-Wiedergabesytem, daß ähnlich wie ein Tonbandgerät, aber auch ähnlich wie eine Schallplatte arbeitet. Auf einem Endlosband wird ein Längsrichtung eine ebenfalls endlose Spur in Schallplattenrillen-Form aufgebracht. Die Tonabtastung erfolgt über ein auch bei Plattenspielern übliches TA-Kristall-System. Der Abspielpunkt kann in gewissen Grenzen frei gewählt werden. Das Tonband wurde über die Jahrzehnte in verschiedenen Größen angeboten und Abtastgeschwindigkeiten angeboten.

Durchgesetzt haben sich die 1-Stunden-Kassette), die 18-Minuten-Kassette. Die 3-Minuten-Kassette floppte dagegen. Als nachteilig für den Verbraucher stellte sich heraus, daß es kaum Original-Aufnahmen mit bekannten Interpreten gab. Die Aufnahmen wurden nur mit "namenlosen" Interpreten und Orchestern angeboten.

Tefifon steht aber auch für eine Firma, die neben den Kassetten und Abspielern auch Radios, Fernseher, Kofferradios, usw anbot.

 

 

 

 

Nahaufnahme einer Tefi-Kassette:

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Weitere Informationen über das Holiday Luxus-Kofferradio mit Tefi-Player.

 

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149) Plattenspieler, Phono, Schallplatten

Dieser Themenpunkt hat jetzt eine eigene Seite bekommen: Hier klicken ...

 

 

 

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150) Miniaturröhren, Subminiaturröhren, Batterieröhren, D-Röhren, K-Röhren

 

Das Thema wird jetzt hier behandelt

 

 

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151) Skalenseile. Allgemein und Besonders
Besonders 1: AEG 3084. Bei diesem Gerät sind die Skalen für UKW und AM gegenläufig. Das heißt, daß das jeweils untere Bandende (der niedrigste Frequenzbereich) auf den beiden Skalenbereichen eben gegenläufig ist. Also beim Neuauflegen des Skalenseils darauf achten. (Danke für diesen Tipp an nobbyrad58 aus dem WGF.)


Besonders 2: Telefunken Bajazzo de luxe 201. Hier gibt es ein Umlenkrad mit variablen Durchmesser (durch interne Federwirkung). Dadurch wird elegant das langsame Ausleiern des Seils über die Jahre kompensiert. Anders als bei "normalen" Radios braucht hier keine Ausgleichfeder in das Skalenseil eingekoppelt werden. Man muß das aber beim Neuauflegen beachten.

 

Besonders 3: RCA Victor 3-BX-671. Wegen eines sehr kleinen Drehko-Seil-Antriebrad-Durchmessers ist der daraus resultierende Seilweg sehr kurz. Um disese Strecke zu verdoppeln, hat Zenit eine geniale Idee verwirklicht. Dort wo sich der Skalenzeiger befindet, ist dieses aufgetrennt und ein in der Mitte am Chassis festgemachtes schlaufenförmiges Hilfsseil eingekoppelt. An dieser Hilfsseilschlaufe ist der Zeiger festgemacht. Diese Konstruktion verdoppelt den Zeigerweg. Beim Neuauflegen beachten, insbesondere, wenn man das Gerät erwirbt. Läuft also der Zeiger nur über den halben Skalenweg, ist der Vorbesitzer bei einer Reparatur in die Falle gelaufen.

 

Weitergehende Informationen

 

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152) Oszillatoren. Schwingt beim Superhet-Empfänger der Oszillator?
Superhetempfänger verwenden einen abstimmbaren Oszillator, um aus dem Sender-Eingangssignal eine feste Zwischenfrequenz zu bilden, die dann gezielt hoch verstärkt werden kann. Ob dieser Oszillator tatsächlich schwingt, kann man mit einem HF-Voltmeter, einem Oszilloskop, usw. oder durch detailierte Spannungsmessung festellen. Darüber hinaus gibt es auch eine relativ einfache Methode, die ohne komplexe Messgeräte auskommt:

 

HF-Messkopf (HF-Tastkopf). Hier wird zumeist kontaktlos versucht, die aus dem Oszillator drahtlos austretene HF-Energie mittels Tastkopf und einem üblichen DC-Voltmeter darzustellen und zu bewerten.

Einsetzbar bei auch bei folgenden Fehlern:

1) Kein Empfang auf dem gewünschten Wellenbereich. HF-Stufe schwingt nicht (ja - nein).
2) Der Empfänger arbeitet nicht auf dem kompletten gewünschten Wellenbereich, sondern ein Teil des Bereiches setzt aus oder wird schwächer.

 

Mess-Methode:
Der Sensor-Draht des Tastkopfes wird möglichst dicht an den Oszillator des gewünschtes Wellenbereichs gebracht, am besten an dessen Spule oder Drehkondensator. Dann wird der Tastkopf mit einem üblichen DC - (Gleichspannungs-)Voltmeter verbunden, auch moderne digitale Universal-Instrumente sind geeignet, wenn sie Voltbereiche um 0,1 - 2 Volt haben. Das Radio ist noch ausgeschaltet. Es kann sein, daß in diesem Zustand das Messgerät schon eine Spannung anzeigt (eingeschleppte HF-Spannungen). Dieser Wert ist quasi Null. Beispiel: Es werden 0,2 Volt gemessen. Nun wird das Radio auf dem gewünschten Wellenbereich eingeschaltet. Springt die Spannung jetzt auf z.B. 0,9 Volt hoch, erzeugt der Geräte-Oszillator HF-Schwingungen, arbeitet also. Bei Geräten, wo sich die Empfindlichkeit stark innerhalb des Bandes ändert, wird nun der Wellenbereich durchgedreht und die Oszillatorspannung beobachtet.

Beispiel 1: Gerät aus. Messgerät 0,1 Volt. Gerät an: Band unten 0,6 Volt, Band oben 0,8 Volt. Das sind dann bereinigt 0,5 Volt zu 0,7 Volt. Das wiederum wäre eine akzeptable Spannungs-Varianz.

 

Beispiel 2: Gerät aus. Messgerät 0,1 Volt. Gerät an: Band unten 0,6 Volt, Band oben 1,1 Volt. Das sind dann bereinigt 0,5 Volt zu 1 Volt. Das wiederum wäre eine schon grenzwertige bis unakzeptable Spannungs-Varianz. Spannungsvarianzen über 1:2 sind kritisch.

 

Beispiel 3: Gerät aus. 0,1 Volt. Gerät an: Band unten 0,6 Volt. Band Mitte bis oben 0,1 Volt. Oszillator setzt aus. Fehler.

Bei der Tast-Kopf-Methode sollte man sich sozusagen bei einigen intakten Geräten durch Messversuche Erfahrungswerte erarbeiten, um zu erkennen, was ein Radio so an HF-Spannung in den einzelnen Wellenbereichen zu "liefern" hat.

 

Bauvorschlag für einen einfachen Tast-Kopf:
Diode: Jede Germanium-Diode, gut geeignet AA112, usw. Am besten durchsichtige Glastypen testen und an einem intakten Radio ungefähre Referenz-Messungen machen. Der Tast-Sensor kann als isolierter 10 - 15 cm-Draht ausgebildet sein, der kann dann auch schon mal Bauteile (Spulen, wenn sie offen sind) oder Drehkondensatoren umschlingen. Während der Messung selbst, darf der Draht, der Messkopf, die Leitungen zum Messgerät, das Messgerät nicht verändert werden.


Bauvorschlag für einen einfachen HF-Oszillator-Tastkopf.

Wird der Tastkopf eng aufgebaut und die Anschlußleitungen zum Voltmeter kurz gehalten oder diese Zuleitungen zusätzlich geschirmt werden (Schirmung an Minus des Voltmeters) ist ein Einsatz bis in den UKW-Bereich realisierbar.


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153) Abgeschirmte Leitungen, Brummen, Masseschleifen
Es gibt in jeden Radio Leitungen die abgeschirmt sind. Dabei umgibt die eigentliche Leitung eine von dieser Leitung isolierte Umhüllung aus Metallfolie oder Drahtgeflecht. Das wird insbesondere im Niederfrequenzteil in den hochverstärkenden Röhren-Vorstufen Steuergitter-seitig oder Transistor-Basis-seitig nötig. Unterbleibt hier die Abschirmung, so besteht die Gefahr, daß Netzbrummen oder sonstige Einstrahlungen hörbar werden. Abgeschirmte Leitungen dürfen nicht durch unabgeschirmte Leitungen ersetzt werden!

 

Beim Austausch dieser abgeschirmten Leitungen ist unbedingt darauf zu achten, daß der Anschluß zur Chassis-Masse genau wieder an der selben Stellen erfolgt. Normalerweiser wird nur eine Seite der Schirmung mit Masse verbunden. Werden beide Leitungsenden an Masse gelegt, besteht die Gefahr der Masseschleifen (stärkeres Brummen, Hochfrequenz- und/oder Niederfrequenz-Schwingen). Auch wenn das falsche Ende an Masse gelegt wird , kann das zu Brummen oder Einstreuungen führen.Nur wenn die Originalleitung auf beiden Seiten mit der Schirmung an Masse lag, ist das beim Wechsel genauso wieder vorzunehmen.

 

Es ist nicht immer ganz einfach, ein Brummen auf einen eventuellen defekten Netz-Elko oder eine fehlerhafte Abschirmung zurückzuführen.

 

Es gibt Bauteile die auch Masseanschlüsse zur Abschirmung haben können, z.B. Kondensatoren, Potentiometer, Transformatoren, Spulenabschirmungen, usw.

 

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154) Selbstbau von Radiogeräten heutzutage
Unabhängig davon, ob heutzutage ein Selbstbau eines klassischen Radios noch sinnvoll ist (Die Zukunft des analogen AM- und FM-Radios steht in Frage. Trotzdem, wer es sich zutraut, sollte es wagen), ist an sich ein Eigenbau eines solchen Geräts noch möglich. Die Materialbschaffung ist noch realisierbar, insbesondere, wenn man E-Röhren verwendet. Man kann gut aus ausgeschlachteten Altgeräten Bauteile verwenden. Es gibt auch noch in Maßen Neuteile. Die Neubeschaffung von Netztransformatoren und Lautsprecherausgangstransformatoren und Lautsprecher mit harter Sickenaufhängung für offenen Einbau ist allerdings schon schwierig und teuer geworden.

 

Auch die Neubeschaffung eines Alu-Chassis ist fertig gebogen fast nicht mehr möglich. Gehen wir bei unserem Beispiel davon aus, daß trotzdem alle nötigen Bauteile zusammengetragen wurden. Zuvor muß natürlich noch ein Konzept erstellt werden, was das Radio können soll. Welche Frequenzbereiche, wieviel Lautsprecher, welche Ausgangsleistung. Es sollten nur Wechselstrom-Geräte ins Auge gefasst werden. Ich schlage wegen der noch guten Beschaffbarkeit beispielsweise folgende Röhrenbestückung (bei einem Mono-Radio) vor: ECH81, ECC85 (falls mit UKW), EF80, EABC80, EL84, eventuell Abstimm-Anzeigeröhre EM85, eventuell Netzgleichrichterröhre EZ80.

 

Der verwendete Netztrafo muß die beabsichtigte Leistung für Heizung und Anoden-Versorgung liefern können, dabei Heizströme aller Röhren zusammenzählen und die Anodenströme der Röhren ebenfalls. Diese Daten (Heizstrom und Andodenstrom kann üblichen Röhrendatenbüchern entnommen werden). Ein Netztrafon sollte nach einer Stunde Betrieb im Radio nicht wärmer als 65 Grad werden! Der Lautsprecherausgangstrafo muß impedanzmäßig zur verwendeten Endröhre passen.

 

Maßgeblich: Welche Schaltung sollte verwendet werden? Hier gibt es eine nahezu unüberschaubare Auswahl. Auch im Internet kann man viele alte Schaltbilder kostenlos finden und sich ein Konzept heraussuchen.

 

Eine garnicht so schlechte Möglichkeit ist es, ein an sich noch gut funktionierendes altes Radio (vielleicht ein Doppel in der Sammlung, wo z.B. die Skalenscheibe gebrochen ist oder sich das Gehäuse in einem desolaten Zustand befindet) als gesamten Bauteilespender zu verwenden und dieses Radio nach eigenen Ideen neu aufzubauen und in ein vielleicht selbstentwickeltes Gehäuse zu bringen, zumal man dann schon ein sicheres Schaltbild hat. Zumindest hat man passende Bauteile zusammen, gerade bei Trafos und Tastensatz! Aber auch ein solcher Neubau mit alten Teilen EINES funktionierenden Gerätes ist nicht ganz einfach. Der Neubau aus dem Spenderradio muß nicht sofort funktionieren, die zukünftige Anordnung der Bauteile und Art und Sorgfalt der Beschaltung ist entscheidend für Erfolg und Mißerfolg. Natürlich kann man die "Opferung" eines Altradios (wenn auch mit Fehlern und Unzulänglichkeiten) auch ablehnen. Es gibt aber erfreulicherweise gerade von Massen-Serien (z.B. Grundig) soviel Geräte am Sammlermarkt, daß ein Abwracken mit Neuaufbau durchaus ein Weg sein kann.

 

Stolpersteine im Weg zu einem erfolgreichen Selbstbauprojekts:

  • Ungeschickter weiträumiger Aufbau. Bester Aufbau als Stufenreihe (z.B. AM/FM-Teil links, dann ZF-Teil, dann HF-Gleichrichtung, dann NF-Vostufe, dann NF-Endstufe, dann Netzteil.)

  • Nichtbeachtung der Wärmeentwicklung eines Röhrenradios (Kamin-Wirkung des Luftstroms im Gerät muß sichergestellt sein. Durchlöcherte Rückwand und Bodenplatte teilweise)

  • Nichtbeachtung der Stromschlagsicherheit im späteren betriebsfertigen Zustand

  • Nichtbeachtung der Notwendigkeit von abgeschirmten Leitungen in hochverstärkenden NF-Stufen. Abgeschirmte Leitungen: deren Masse nur ein einer Seite Richtung Steuergitter an Masse legen. Auch Regelspannungsleitungen, Leitungen zum und vom Lautstärke-Poti oder Klangreglern sollten geschirmt sein.

  • Nichtbeachtung der Notwendigkeit klare Masse-Sammelpunkte in jeder Stufe zu bilden. Masseschleifen, durch die Strom über das Chassis verschiedene Wege nehmen kann. Die Vermeidung dieser Schleifen gilt für jede Stufe des Geräts. Wichtig: Masse ist nicht gleich Masse. Gerade Anfänger verbinden Bauteile and der räumlich gerade (scheinbar) besten Stelle.

  • Wirre wilde Verdrahtung. Zu lange Leitungswege quer durch das Gerät. Negativbeispiel: Die Leitung des Ausgangs eines ZF-Filters wird zu dicht am Steuergitter derselben Stufe vorbeigeführt. Eigenschwingungsgefahr.

  • AM/FM . HF- und ZF-Bereiche: Nicht gut geschirmte ZF-Filter. HF-Einstreuungen

  • UKW-Teil: Wenn möglich, ein vorhandenes Komplett-Teil verwenden. Bei Selbstbau: Komplettabschirmung der Stufe sicherstellen, kürzeste Leitungswege, nur ein Massepunkt pro Stufe, keine Masseschleifen, günstiger Aufbau (Vorstufenspule und Zwischenkreisspule sollen sich HF-mäßig nicht sehen. Röhrenabschirmkappen verwenden. Vorstufe und Mischstufe/Oszillator am besten einzeln gekammert aufbauen.

    Frequenzstabilität kann ein großes Problem werden. Frequenzbestimmende Kondensatoren sollten Temperatur-Driften haben, die der Stufenerwärmung im Betrieb entgegenwirken (Leider kennt man diese Parameter bei vielen alten Kondensatoren nicht, einige damalige Hersteller haben Farbkodierungen dazu auf den Bauteilen gehabt. Bei heutigen neuen Kondensatoren ist die Ermittlung der Temperatur-Kurven auch teilweise schwierig. Die heutigen Hersteller legen großen Wert auf einen möglichst geringen Temperatur-Faktor - in unserem Röhren-UKW-Teil-Fall weniger optimal. Entweder werden "nur" temperatur-neutrale Kondensatoren angeboten oder Temperaturkurven nur cryptisch dargestellt. Nachfragen bei Bauteile-Anbietern führen leider zu oft in eine Wissens-Sackgasse). In der Hauptsache wird die Frequenzdrift warm-kalt durch Kondensatoren und Röhren bestimmt. Läuft also ein Gerät bei Erwärmung nach oben (Richtung höerer Frequenz weg) sollte ein Kondensator bei Erwärmung seine Kapazität leicht erhöhen. Welche Kondensatoren kommen in Frage? Zumeist Trimmer parallel zu den Schwingkreisen, aber auch Gitterkondensatoren, Abblockkondensatoren eher nicht. Wenn möglich für Kondensatoren im UKW-Teil Keramik-Typen oder Glimmer-Typen (noch neu lieferbar) oder Styroflex-Typen (falls noch vorhanden) verwenden.

    Im ungünstigen Fall kann ein UKW-Teil-Oszillator bei unkompensierten Bauteilen zwischen kalt und heiß durchaus bis zu 500 kHz wegwandern, sodaß der Empfänger sogar bei UKW-Stereo aus der ZF-Kurve rausläuft. UKW-Stufen können schnell ins wilde Schwingen geraten. Hauptursache können schlecht HF-abgeblockte Stromzuführungen zum UKW-Teil sein (gilt auch für die Heizspannung) sein, aber auch ungeschickte Massepunkte oder Leitungsführungen. Beispiel: Zwei Leitungen in der HF-Vorstufe von der Anodenseite und der Gitterseite im Abstand von 1 cm und einer parallelen Länge von 2,5 cm - und schon kann diese Stufe wild schwingen.

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155) Autoradios
autoradio12.jpgWill man ein Radio im Auto (PKW, Bus, usw) betreiben, sind verschiedene Besonderheiten zu beachten:

  • Zuerst die Betriebsspannungen. Typische Bordnetzspannungen lagen bei 6 und 12 Volt. Zumeist lag das Fahrzeug-Chassis am Minus-Pol. Allerdings hatten viele Autoradios eine Umschalt/Umsteck-Möglichkeit um auch Plus am Chassis nutzen zu können.


  • Spannungswandler sorgten insbesondere in Zeiten der Röhren-Autoradios für die nötigen hohen (100-250 Volt) Röhrenversorgungsspannungen. Dabei kamen Zerhacker-, Tansistor-Sperrwandler und Motor-Wandler zum Einsatz.


  • Antennen mußten auf die Besonderheiten des Fahrzeug-Empfangs zugeschnitten sein. So war die typische Autoradioantenne als einschieb- und (motorgetrieben) einfahrbar. Einige Autoradios hatten dafür Steuermöglichkeiten. Die Antennenimpedanz war mittelohmig (nicht niederohmig), trotz abgeschirmter "Koaxialkabel"-Anbindung. Deshalb mußte für besten Empfang bei vielen Geräten die Antenne nach dem Einbau des Radios abgeglichen werden, viele Autoradios hatten dafür an der Frontseite (auch hinter einer Abdeckung) eine Justage-Möglichkeit. Später gab es auch Aktivantennen, die an den Fahrzeugscheiben oder sonstwo aussen angebracht werden konnten, auch hier gab es bei vielen Radios die Steuermöglichkeit dieser Aktivantennen.


  • Störungen aus der Bordelektronik (Zündfunken, Lichtmaschine, Kontaktprobleme des Chassis, andere Fahrzeuge, Umwelt, statische Aufladungen, usw) bereiteten oft große Probleme beim Einbau und beim Service.


  • Geräteaufbau. Die ersten Autoradios waren noch recht groß und konnten nicht direkt am Amaturenbrett oder darunter komplett angebracht werden. Zumeist hatten sie ein abgesetztes Bedienteil (für das oder unter dem Amatuerenbrett). Später wurde oft Stromversorgung und NF-Verstärker abgesetzt eingesetzt. Zu Ende der Röhrenradios wurden auch Autoradios mit allen Funktionen in einem Gehäuse (sogar von den Maßen her "genormt") leicht montierbar und demontierbar angeboten.

  • Tastensätze, Sendereinstellung: Neben recht einfachen Geräten (vielleicht auch nur für MW) wurden zunehmend Autoradios genutzt, die über Tastensätze zumindest zwischen den Wellenbereichen umschalten konnten. Als Komfortsteigerung wurden bald (mechanisch und / oder elektrisch) programmierbare Sendereinstellungen angeboten. Dazu konnte für jede der Drucktasten ein Sender programmiert und dann immer schnell wiedergefunden werden. Leistungsstärkere Geräte verfügten über einen Motorantrieb / Motor-Sendersuchlauf. Bald kamen auch motorunabhängige Suchlauf- und Programmierfähigkeiten dazu.


  • Röhren / Transistoren / Integrierte Schaltkreise: Wie schon angesprochen, benötigten Röhren einen erheblichen Aufwand bei der Stromversorgung (und beim Stromverbrauch - Ein Autoakku konnte im Stand ohne laufende Lichtmaschine schon mal nach zwei Stunden leer sein). Deshalb brachte die Einführung der Transistoren erhebliche Vorteile in diesem Problembereich. Die Röhrenindustrie versuchte noch Röhren (z.B. EF98) anzubieten, die mit 6 oder 12 Volt Anodenspannung auskamen. Eine Zeitlang wurden Hybridautoradios angeboten, dabei wurden Röhren und Transistoren gleichzeitig verwendet. Da immer mehr Zusatzfunktionen von den Radios abverlangt wurden, kamen auch bald integrierte Schaltkreise (ICs) zur Anwendung.


  • Weitere Besonderheiten: War im "normalen" Tischradio als Abstimmelement der Drehkondensator das Mittel der Wahl, ging man zumeist in Autoradios einen anderen Weg durch Nutzung der induktiven Spulenabstimmung. Das hatte räumliche Vorteile, denn diese Spulen nahmen weniger Platz weg.


  • Zusatzfunktionen: AFC (Automatische Scharfabstimmung) Stereo, eingebauter Cassetten-Tonband-Abspieler, eingebauter CD-Player, USB-Stick-Anschluß, Verkehrsfunk (ARI), RDS, DAB, Freisprecheinrichtungen, Navigationsgerät-Anschluß oder fester Integration.

 

Zur Autoradio-Geschichte ...

 

 

156) Abschirmen, abblocken, neutralisieren, verdrosseln, Eigenerregung, Bauteile-Platzierung, Masse-Punkte
In Radios werden Röhren, Transistoren und integrierte Schaltkreise eingesetzt, die unter anderem sehr hohe Signalverstärkungen sicherstellen. Hochfrequenzsignale von 10 uVolt und Niederfrequenzsignale von 50 mVolt die auf einen Pegel von vielleicht einigen Volt gebracht werden müssen. Ein Nachteil solch hoher Verstärkungen ist die Gefahr, daß Störsignale "eingeschleppt" werden können. Das kann im HF- und NF-Bereich passieren. Weiter können Eigenerregungen (wildes Selbstschwingen) innerhalb einer Verstärkerstufe oder über mehrere Verstärkerstufe auftreten. Es gibt nun in Radios mehrere (auch kombinierte) Möglichkeiten Einschleppungen und Eigenschwingungen zu verhindern:

  • Abschirmen. Wenn Hochfrequenz/Niederfrequenzsignale innerhalb eines Radios über längere Strecken (z.B. vom Lautstärke-Potentiometer zum Steuergitter zur NF-Vorstufenröhre) geführt wird, muss diese Leitung eine umschließende Abschirmung haben. Dabei wird ein Innenleiter mit einer Isolierung und darum mit einem Drahtgeflecht oder Drahtbündel umschlossen. Diese Drahtumfassung wird an einer geeigneten Stelle mit der Chassis-Masse verbunden. In der Regel sollte die Abschirmung nur an einer Seite mit Masse verbunden werden, um sogenannte "Masseschleifen" zu vermeiden. Abgeschirmte Leitungen dürfen NICHT durch unabgeschirmte Leitungen ersetzt werden. Abgeschirmte Leitungen stellen aber auch immer einen "Kondensator" nach Masse dar. In NF Stufen ist das zumeist bei Längen bis 1 Meter nicht kritisch, bei längeren Leitungen würden aber NF-Höhen im Klangbild gedämpft werden. In Hochfrequenzteilen ist diese "Kondensator nach Masse"-Dämpfung kritischer, deshalb sollte hier diese Leitungen so kurz wie möglich ausfallen.

    Um eine sichere Abschirmung (insbesondere in Hochfrequenzteilen (HF-Vostufe, Mischstufe, Oszillator, ZF-Stufe, bei Geradeaus-Mehrkreisern)) zu erreichen, kann es sinnvoll sein, diese Stufen einzeln durch Kammerbauweise gegen eingeschleppte und rausgehende Signale abzusichern. Dabei kann eine solche Kammer aus Metallwänden komplett oder nur als Teilumfassung ausgebildet werden. Oft reichen nur Teil-Wände zu einer benachbarten Stufe aus. Kammerbauweise, Abschirmungen, Abblockungen und Verdrosselungen können auch kombiniert eingesetzt werden.

    Nicht nur Baugruppen werden u.U. abgschirmt, sondern auch Bauteile können Schirmungen erhalten. Beispiel: Kondensatoren. Gerade Folienkondensatoren können entweder eine umhüllende Schirmung haben mit einem gesonderten eigenem Drahtanschluß oder aber sie haben eine Strichmarkierung in der Nähe des Drahtanschlusses, der mit der außenliegenden Teilfolie  am Kondensator anliegt. Dieser Anschluß kommt bei Abblockkondensatoren an Masse, bei Reihenkondensatoren an die gegegn Einstrahlung unempfindlichere Seite.

  • Abblocken. Versorgungsspannungen in hochverstärkenden Radio-Stufen können Fremdsignale einschleppen. Aber auch umgekehrt unerwünschte Signale aus der Stufe können nach draussen gelangen. Deshalb wendet man Abblockkondensatoren an, diese leiten HF/NF-Signale sofort nach Masse ab. In HF-Teilen reichen oft Kapazitäten von 1-5 nF aus, in NF-Teilen 5-100 nF. Solche Abblockkondensatoren haben oft eine Markierung, welche Anschlussseite aussen an Masse liegt, dieser Anschluß wird an Masse gelegt. Rollkondensatoren sind für NF über ZF bis Mittelwellenstufen geeignet. Je höher der Frequenzbereich einer Stufe, desto mehr muss auf Keramik-Kondensatoren (oder Typen mit gutem HF-Wert) Wert gelegt werden. NF-Abblockungen können auch (neben den oben erwähnten) mittels Elektrolyt-Kondensatoren erreicht werden, es gibt auch Anwendungsfälle, wo parallel zum 5 uF Elkpo ein keramischer 1 nF-Kondensator verwendet wird (um von NF-UKW abzublocken).

  • Neutralisieren. In mehrstufigen Geradeausempfängern der Radio-Frühzeit mit hohen Gesamtverstärkungen über - z.B. drei Stufen - ist die Gefahr der Selbsterregung trotz Kammerbauweise und Abblockungen nicht auszuschließen. Deshalb wurden gern Neutralisierungen innerhalb einer Stufe oder über mehrere Stufen angebracht. Dabei wird ein Signal gegenphasig von "hinten" nach "vorn" geführt. Diese Empfänger wurden Neutrodyne-Empfänger genannt.

  • Verdrosseln. Während eine Abblockung versucht ein unerwünschtes Signal nach Masse abzuleiten, wird bei der Verdrosselung eine Induktivität (hoher Henry-Zahl) in eine solche Signale-führende Leitung eingefügt. Je höher die Frequenz und/oder je höher die Induktivität, desto stärker ist die Dämfung. Auch Kombinationen aus Abblockung und Verdrosselung und Abschirmung sind denkbar. Verdrosselungen werden gern in Heizleitungen eingesetzt.

  • Eigenerregung. Hochverstärkende Stufe geraten leicht in unerwünschte Eigenschwingungen (ähnlich wie bem zu stark rückgekoppelten Geradeaus-Empfänger - z.B. Audion). Es ist dabei sogar möglich, dass eine solche Stufe arbeitet, aber unerwünschte Nebeneffekte produziert. Beim Mischeroszillator wird die Eigenerregeung absichtlich erzeugt, um das Mischsignal für die Mischstufe bereit zu stellen. Wenn eine Stufe selbst erregt wild schwingt, kann das an einem zu hohen Stromfluß ohne anliegendem Signal erkannt werden. Auch eine "Handempfindlichkeit" wäre ein Hinweis

  • Bauteileplatzierung. Während bei einem LW-MW-Empfänger die Platzierung der Bauteile auf dem Chassis noch relativ unkritisch ist, wird auf KW und UKW die Lage der Bauteile schon sehr wichtig. Es gilt: Abstände der frequenzbestimmenden Teile zum Verstärker-Element (Röhre, Transistor, IC) möglichst kurz. Je höher die Frequenz, desto dicker die HF-führenden Leitungen (versilberter Draht). Bei einem UKW-HF-Teil ist ein Abstand Spule - Drehko von vielleicht 10 cm unakzeptabel.

  • Massepunkte. Um zu verhindern, dass in hochverstärkenden KW/UKW-Stufen Signale sich über "Masseschleifen" unerwünscht verkoppeln, ist die Wahl des zentralen Massepunkts einer Stufe (je höher der Frequenzbereich, desto kritischer) wichtig. Keinesfalls sollte ein Bauteil mit seinem Masseanschluß IRGENDWO nach Masse gelötet werden. Alle diese Bauteile sollen an eine gemeinsame zentrale Stelle gelötet werden (wenn das möglich ist). Muss eine Verbindung zur Zentralmasse einer Stufe länger sein, muß der Drahtquerschnitt groß (z.B 1,5 - 2 mm Silberdraht) sein.

    Auch in NF-Stufen können Masseschleifen (siehe weiter oben) entstehen.

157) Radio Screen Show (RASS)

Seit Jahrzehnten gibt es beim analogen Radio Zusatzinformationen, die zum eigentlichen Radio-Signal ausgestrahlt wurden. So gibt es seit 1963 die Stereo-Multiplex-Zusatzinformationen, dann kamen die Verkehrsfunkinformationen ARI hinzu. Als Mischform (auf analogen UKW-FM-Signalen eine digitalen Information über Sender, usw) das RDS-Verfahren. Schließlich beim digitalen Rundfunk (DRM und DAB, DAB+) in verschiedenen Ausprägungen Journaline (Menuegesteuertes Text-Informationssystem) und Slideshow für einfache Grafiken und Photos.

 

DAB+ Stand 2012: Noch gibt es nur wenig DAB+ Radios die Grafiken und / oder Photos und / oder Journaline zeigen können. DAB+ kann da schon was, aber Endgeräte bieten kaum diese Optionen.

 

Schon 2007 wurden vom SWR angeführt für Huckepack-Astra-Radio via Satellit ein RASS-System eingeführt. Dabei werden - ähnlich wie bei DAB+ Slide Show -  Informationen über Interpret, Titel, usw gezeigt und sogar kleine Grafiken, Groß-Titel, und CD-Covers geboten. Je nach Sat-Receiver und dessen Eigenschaften kann es aber vorkommen, dass Texte mit Umlauten ä ü ö falsch gezeigt werden.

 

RASS Stand 2012: Nur wenige Sender nutzen ausser dem SWR die neuen Möglichkeiten. Derzeit wohl mit der Grafikmöglichkeit nur der SWR. Vielleicht wird das auch wieder ein Faeture, dass man in zwei Jahren nicht mehr kennt.... Bei Musiksendungen sind die Musik-Daten und die Covers eigentlich recht nützlich.

158) Audio, NF-Technik, Studiotechnik

Mit Audio wird im Zusammenhang mit Radio der Niederfrequenzbereich (NF) gemeint. Sprache, Musik und Geräusche sind Audio.

 

 

Sendeseite:

Im Rundfunkstudio wurden zur Aufzeichnung von Audio (Schall) benutzt:

 

  • Mikrophon (vom einfachen Kohlemikrophon bis zum hochwertigen Kondensatormikrophon (Neumann-Flasche). Es wurden Mikrophone mit Kugel-Charakteristik, Nieren- und Supernieren- Charakteristik verwendet. Neben drahtgebundenen  Mikrophonen gab es auch drahtlose Systeme.
  • Schallplatte (vom einfachen Grammophon mit Trichter) bis zum hochwertigen elektromechnischen-Abtaster-Plattenspieler, auch mit Aufzeichnungsfähigkeit (Plattenschneidegeräte)
  • Tonband / Tondraht. Um Schall aufzeichnen zu können, wurden Schallplattenschneidegeräte eingesetzt. Dabei kamen Wachs- und Folienträger zum Einsatz. Die Aufnahmedauer war recht begrenzt, die Tonträger empfindlich. Erst die Entwicklung des Tonbandgeräts und (nur bedingt des Tondrahtgeräts wegen der technischen Einschränkungen) wurden auf der Senderseite in den Studios die Tonkonserve das Mittel der Wahl.

Die Qualität bis zur Einführung des UKW-Rundfunks war recht eingeschränkt. Radios konnten auf LW, MW, KW lediglich Frequenzen bis ca 4,5 Khz aufwärts übertragen. Das war im Grunde genommen nur etwas bessere Telefonqualität. Trotzdem begann man bald (auf der Studioseite) bessere Audiotechnik einzusetzen. Zunehmend kamen Aufzeichnungsgeräte und Mikrophone zum Einsatz, die ca. bis 15 / 18 Khz NF-Bandbreite aufwiesen.

 

Somit standen bei Einführung des UKW-Rundfunks 1949 zum Teil schon hochwertige Technik zur Verfügung. UKW-FM-Rundfunk lieferte ca. 15 KHz Bandbreite.

 

Empfängerseite:

Wer ausser dem Radio hören auch Tonkonserven anhören wollte, nutzte Grammophone (rein akustisch ohne elektrische Verstärkung) und Plattenspieler. Plattenspieler konnten das Radio als elektrischen Tonverstärker nutzen. Die komfortablere Tondrahttechnik und noch mehr die Tonbandtechnik kam erst in den Jahren nach 1950 in relevanten Mengen auf den Markt. Dabei wurde erfolgreich versucht, die Tonqualität der verbesserten Sendetechnik (UKW) anzupassen. Einen Sonderfall stellt in diesem Zusammenhang das Tefifon (passives Schallband-System) dar. Den Höhepunkt der Audiotechnik stellte das Zweikanal-Stereo-Verfahren dar, gefolgt von der HiFi-Technik (höchste Klangreinheit bei großen Lautstärken) und der Quatrophonie und Kunstkopftechnik.

 

Ein Bestandteil der Audio-Technik ist die Lautsprecher-Technik, die im Kompendium auch angesprochen wird.

159) Brummen, Ursachen allgemein, Entbrummer

Es gibt diverse Fehler, die zu einem Brummen des Radio führen. Man unterscheidet u.A.:

 

  • Brummen, dass auf allen Wellenbereichen und TA/TB hörbar ist
  • Brummen, dass nur auf einzelnen Bereichen (AM, FM, TA/TB) hörbar ist.
  • Brummen, das weggeht, wenn die NF leise gestellt wird.
  • Brummen, das nur bei eingigen oder allen LW / MW / KW Sendern zu hören ist, aber nicht brummt, wenn kein Sender eingestellt ist.
  • Brummen (besser Brummmodulation), die einige Rundfunksender selbst erzeugen (erzeugt haben). Das kann man so nicht beheben.

 

Hier eine kleine (nicht abschließende) Liste von möglichen Fehler-Ursachen:

 

  • Anodenspannungsgleichrichter
  • Ladeelko
  • Siebelko
  • Röhren des Geräts (Kathode-Heizfaden-Schluß / Feinschluß). Kann insbesondere bei Serien-Heizkreisen Probleme bringen.
  • Zu hoher Strom über die Gesamtanodenspannung oder die NF-Endstufe. Oft haben Abblock-Kondensatoren oder Koppelkondensatoren Feinschlüße und erhöhen den Stromfluß. das belastet die Anodenspannungsversorgung des Geräts, was wiederum zum Brummen führen kann. Deshalb sollte immer auch die Höhe der Gesamtanodenspannung geprüft werden.
  • Fehlerhafte Gittervorspannung der NF-Endstufe
  • Abschirmprobleme der NF-Signal-Spannungen
  • HF-Einstrahlung ins Anodenspannungs-Netzteil (an dem Gleichrichter), tritt eigentlich nur im AM-Empfangsteil aus). Z.B. Abblock-Kondensator über Gleichrichter defekt (Kapazitätsverlust)) oder fehlt.
  • Einige Geräte haben Brummkompensationen: Das kann ein "Entbrummer" der Heizspannung sein (oft sogar einstellbar) oder eine angezapfte Wicklung Primär-Wicklung des NF-Ausgangstransformators.
  • Brummen (mechanisch). Es ist möglich, dass Geräte mechanisch und nicht elektrisch brummen. So kann ein Netztransformator mit seinen Blechen oder bei zu lockerer Montage brummen. Das ist immer ein 50 Hz-Brummen, kein 100 Hz-Brummen. Wie erkennt man mechanisches Brummen? Radio leise drehen, Lautsprecher abtrennen (ablöten). Wenn es nun immer noch brummt, liegt ein mechanisches Brummen vor.

Auch die Frequenz des Brummens kann Hinweise geben: Die Anodenspannungsversorgung kann mit 50 Hz arbeiten (das ist bei Einweg-Gleichrichtern der Fall) oder mit 100 Hz (bei Zweiweggleichrichtern). 100-Hz-Gleichrichtung: Kann man mit dem Gehör 50 Hz und 100 Hz unterscheiden oder hat man ein Oszilloskop zum Messen, kann man so feststellen, ob der Fehler in der Anodenspannungsversorgung liegt oder aber (wenn 50 Hz-Brummen hörbar ist), eher im Heizkreis oder Brumm-Einstrahlungen in den NF-Verstärker.

 

Entbrummer: Einige Radios haben Brummkompensationen, die Entbrummer. Das sind Widerstände oder Einstellwiderstände (im Heizkreis) oder auch Heizwicklungen mit Mittelanzapfung.

 

Die einzelnen Brumm-Fehler werden im Inhaltsverzeichnis des Wumpus-Kompendiums weiter angesprochen.

 

Zurück zum Inhaltsverzeichnis (Netzteil)

160) Schwingen, Selbsterregung, Eigenschwingung, Wildes Schwingen

In der Radiotechnik gibt es (ausser beim Superhet-Mischoszillator und beim Rückkopplungsempfänger) stets das Bemühen Verstärkerstufen so aufzubauen, dass keine unbeabsichtigten Eigenschwingungen entstehen. Gerät eine Verstärkerstufe in Eigenschwingungen (Selbsterregung) kann sie ihre eigentliche Aufgabe nicht oder nur noch schlecht wahrnehmen.

 

Beispiel eines Niederfrequenz-Verstärkers: Seine Aufgabe ist es, Frequenzen von z.B. 50 - 15000 Hz zu übertragen. Gerät nur eine solche Stufe ins Schwingen bei vielleicht 20 kHz, verschieben sich vielleicht die Kennliniendaten und Arbeitspunktdaten. Obwohl der 20 kHz Schwingungston nicht hörbar ist (oberhalb der menschlichen Hörschwelle), kann plötzlich das NF-Signal leise oder verzerrt klingen.

 

Beispiel eines Hochfrequenz-Verstärkers: In alten Mehrkreis-Geradeausempfängern konnten zwei HF-Stufen aufgrund der hohen Gesamtverstärkung ins Schwingen geraten. Folge: Lautes Pfeifen oder Kreischen oder Weggehen des Empfangs.

 

Ursache von Eigenschwingungen ist immer eine phasenrichtige Rückkopplung von der Anoden- (Collector-) Seite einer Stufe zurück zur Gitter- (Basis-) Seite dieser Stufe oder Vorstufe.  Das kann durch interne Kapazitäten in Röhren (Transistoren), durch schlechte HF/NF-Abblockung der Versorgungsspannungen, durch schlechte Abschirmungen, durch defekte Bauteile, durch ungünstige Platzierung von Bauteilen und Fehlern im Schaltungskonzept passieren.

 

Im HF-Bereich, versuchte man durch gegenphasige Neutralisierungen, im NF-Bereich durch Gegenkopplungen das wilde Schwingen zu unterdrücken. Bei vielen NF-Endstufen sieht man z.B. in der Leitung zum Gitter 1 der Röhre einen 1 kOhm-Widerstand in Reihe. Der kann wirksam UKW-Schwingungen der Röhre unterdrücken.

 

Beispiele für das Auslösen unerwünschter Schwingungen:

  • Abblockkondensator am Schirmgitter ohne Kapazität
  • Abblockkondensator der Andenspannung einer Stufe ohne Kapazität
  • NF-Abschirmleitung fehlerhaft
  • NF-Gegenkopplung der Endstufe fehlerhaft
  • Bei Geräten, wo auf bestimmten Röhren Abschirmkappen vorgesehen sind, fehlen diese
  • Abschirmbleche oder Käfige von Baugruppen sind entfernt worden

Es ist nicht immer ganz einfach wilde Schwingungen zu erkennen. Am besten geht es mit einem Oszilloskop. Liegt z. B. an einem NF-Verstärker kein Signal an, darf ein Oszilloskop keine Sinus- oder sonstige Schwingungen an Gitter 1 und Anode zeigen.

 

Klingt eine NF-Stufe verzerrt, obwohl die Röhre in Ordnung ist, der Koppelkondensator von der Vorstufe zum Gitter 1 der Nachfolgestufe fehlerfrei ist, der Kathodenwiderstand den richtigen Wert hat, keine weitere positive Spannung auf Gitter 1 wirkt, kann man durchaus schon mal an wilde Schwingungen denken. Oft verschieben sich dabei auch die Kathoden- und / oder Schirmgitterspannungen. Bei Verdacht, diese Spannungen messen, dann direkt vom Gitter 1 nach Masse einen 100 nF-Kondensator legen. Sind die Spannungen jetzt normal, liegt wildes Schwingen vor.

161) Volksempfänger VE301W. Chassis hat galvanische Verbindung zum Stromnetz

ve301w.jpgUrsache könnte ein Schluß im Netztrafo sein (eher unwarscheinlich) oder es gibt eine Drahtverbindung zwischen dem Netz und dem Chassis.
Manchmal haben Bastler früher eine "Netzantenne" unsachgemäß eingebaut, manchmal auch über einen Kondensator, wo das Stromnetz HF-mäßig an den Antenneneingang gelegt wurde. Sie MÜSSEN das unterbinden.
Prüfen Sie unbedingt, ob zwischen dem Netzstecker (Gerät eingeschaltet und vom Netz getrennt) und dem Chassis mit dem Ohmmeter ein Widerstand zu messen ist, das darf nicht sein. Es kommt immer wieder vor, dass Trennkondenstoren (für die Netz/Licht-Antenne) durchschlagen.

162) Tonandgeräte reparieren, justieren, pflegen

Tonbandgeräte waren über Jahrzehnte das Mittel der Wahl, eigene Audioaufnahmen zu täzigen und diese wiederholt wieder abzuspielen. Allgemeine Informationen zu Tonbandgeräten sind hier zu finden. Ein Blick in eine Tonbandgerätesammlung.

 

Da im Tonbandgerät die Mechanik ein wesentlicher Teil der Funktionsgruppen ist, kommen neben den elektrischen Fehlermöglichkeiten eben auch mechanische Fehler in Betracht.

 

An erster Stelle ist hier der Bandantrieb, die Bandführung und die Tonkopf-Umgebung zu nennen.

  • Bandantrieb: Es gab Geräte mit einem Antriebsmotor und mehren Motoren. Beim Ein-Motorbetrieb ist immer eine relativ komplizierte Verteilung der Motorleistung über Vermittlungsräder, Vermittlungsgetriebe oder Vermittlungsriemen nötig. Noch komplizierter werden die Baugruppen / Bauteile bei Mehrgeschwindigkeitsgeräten. Es haben sich die Geschwindigkeiten 4,75 - 9,5 - 19 -38 cm pro Sekunde durchgesetzt, wobei die Geschwindigkeit 9,5 cm als Standard anzusehen sind.

    Motorlager können verharzen (auch bei Sinterlagern). Antriebsriemen können ausleiern, sich völlig in eine Art Gelee verwandeln oder total verspröden. Auch das Schwungmassenlager (dessen Achse zumeist auch die Tonwelle darstellt) kann Spiel bekommen. Der rechte Aufwickelteller hat immer eine Art Rutschkupplung, die die Antriebskraft unabhängig von der Wickelgröße des Bandtellers in etwa konstant hält. Hier kann es sein, dass diese Rutschkupplung Probleme hinsichtlich der verwendeten "Schleifmaterialien" bekommen hat.

    Heute sind Antriebsriemen das grosse Problem. Nur noch bedingt bekommt man für Geräte noch Originalriemen, zumal oft auch die gelagerte Riemenersatzware schon Materielprobleme bekommen haben kann. Bei der Ersatzbeschaffung sollte man mit dem Anbieter genau Rückgaberechte besprechen für den Fall, dass die (vielleicht auch noch originalverpackte) Ware nicht mehr einsatzfähig ist. Universal-Riemenware kann (muss aber nicht) durchaus nutzbar sein, hier muss probiert werden. Der Ersatzriemen muss vom Durchmesser, vom Profil und von und der Riemendicke her passen, ein Quadrat-Profil passt nicht in eine Rund-Riemenführung und umgekehrt. Der Ersatzriemen darf beim Lauf nicht vibrieren oder schwingen.

  • Bandführung: Das Tonband muss exakt  vom linken Bandteller an den Tonköpfen ruckel- und schlagfrei und mit genau konstanter Geschwindigkeit vorbeigeführt und schließlich zum rechten Aufwickelteller geleitet werden. An allen hier aufgezählten Teilen darf kein Bandabrieb zu finden sein. Das Band muss ohne Beulen oder Verkantungen laufen.

  • Bandzug-Kraft: Für jedes Tonbandgerät gab es Service-Anweisungen, die Angaben über die Kräfte machte, die auf das Band bei Widergabe/Aufnahme, bei Vorlauf und Rücklauf machten. Der Abwickelteller hatte eine definierte leichte Bremskraft, der Aufwickelteller eine ebenso definierte Zugkraft. Insbesondere bei großen Bandwicklen konnte es hier bei Schnellauf und Abbremsen Probleme geben.

  • nagra-b.jpgTonkopf-Zustand, Tonkopflage: Prinzipbedingt reibt und schleift das Tonband an den Tonköpfen in der Führung entlang. Das gilt für den Löschkopf, für den Aufnahmekopf, den Wiedergabekopf oder  dem Kombikopf (Aufnahme und Wiedergabe). Im Laufe der Zeit wird so von den Köpfen Material abgetragen, was zum steigenden Verlust der Höhen im NF-Signal führt. Der Ton wird dumpf. Parallel dazu können Köpfe durch Bandabrieb verschmutzten. Dieser Bandabrieb kann mit einem Wattestäbchen und etwas Spiritus gut entfernt werden, keine Metallputzmittel verwenden.

    Es ist auch möglich, dass die Lage (in drei Lagen) des Topkopfes sich verstellt oder von anderen Leuten verstellt wurde. Auch dadurch kann es vorkommen, dass der Ton dumpf wird oder bei Stereogeräten die Kanäle ungleich laut werden. Es gab für die Geräte Ableich und Justierbänder. Das Nachjustieren ist nicht ganz einfach und setzt Erfahrung voraus.

    Eine Regel im Hobbybereich: Man sollte ein privates Justierband haben, auf dem Musik mit vielen Höhen gespeichert ist und das mit einem INTAKTEN anderen Tonbandgerät aufgenommen wurde. Nur damit sollte man das fehlerhafte Gerät justieren. Wichtig: Man muss wissen, dass dann aber die bisherigen Aufnahmen des Fehlergeräts nicht mehr exakt stimmen. Will man nur Aufnahmen des eigenen Geräts nutzen, kann man auch mit einem alten Band dieses Geräts nachjustieren.

163) Skalenbirnen, Skalenbeleuchtung

Viele alte Radios verfügen über hintergrund-beleuchtete Skalen, auf denen die Sendernamen und Frequenzen dargestellt werden. Als Leuchtquellen werden sogenannten Skalenlampen / Skalenbirnchen verwendet. Es gibt die Lämpchen in verschiedenen Formen (z.B. länglich oder rund), in verschiedenen Spannungen und Stromstärken und mit verschiedenen Sockeln (z.B Schraubgewinde oder Sofittenform oder Bajonett, später auch einlötbar).

 

Grundsätzlich werden Skalenbirnen in Gleich/Allstromgeräten anders eingesetzt, als in Wechselstromgeräten.

 

Wechselstromgeräte:

lamps.jpgSkalenbirnen werden vom Netztrafo mit Wechselstrom (zumeist über die Heizspannungswicklung oder eine Sonderwicklung) versorgt. Werden mehre Skalenbirnen eingesetzt, liegen diese elektrisch parallel. Das bedeutet, fällt eine Birne aus, so leuchtet die andere weiter (Notbeleuchtungseffekt). Alle Skalenbirnen an einer Trafowicklung müssen die selbe Spannung haben. Die Stromstärke kann aber unterschiedlich sein, es würden sich dabei nur unterschiedliche Helligkeiten ergeben.

 

Allstrom / Gleichstrom:

In alten Stromnetzen gab es auch solche, die Gleichstrom lieferten. Geräte für Gleichstrom konnten nur mit Gleichstrom-Radios oder Allstromradios betreben werden. Bei diesen Geräten lag die Skalenbirne oder die Skalenbirnen zumeist im Heizkreis der Röhren. Fiel eine solche Skalenbirne aus, wurde durch die Reihenschaltung der Röhrenheizungen und der Skalenbirne das Radio aus.

Allerdings gab es auch Geräte, wo es entweder mehre Heizkreise gab oder die Skalenbirne mit Ausgleichwiderständen parallel geschaltet wurden. Skalenbirnen, die in Reihe lagen, musste alle mit den restlichen Verbrauchern in diesem Kreis die selbe Stromstärke aufweisen.

In Heiz/Skalenbirnen-Stromkreisen wurden die feinen Leuchtfäden stark belastet, insbesondere bei jeweiligen Geräteeinschalten. Man versuchte das durch Urdoxwiderstände oder anderen Heissleiter-Kombinationen in Grenzen zu halten.

 

Birnen-Typen:

Im Laufe der Jahrzehnte haben sich hauptsächlich folgende Spannungs/Strom-Kombinationen bei Skalenbirnen mit Schraubgewinde durchgesetzt:

 

  • 4 V / 0,1 A
  • 4 V / 0,05 A
  • 6 V / 0,1 A
  • 6,3 V / 0,3 A
  • 7 V / 0,3 A
  • 10 V / 0,2 A
  • 12 V / 0,1 A
  • 18 V / 0,1

Übliche Gewinde/Lampen waren:

 

  • Sockel E10/19
  • Sockel E10/13

Skalenbirnen sind Verbrauchsartikel und werden im Laufe ihrer Betriebszeit immer dunkler und bekomen dabei auch innen u.U. schwärzliche Ablagerungen und brennen schließlich durch.

 

164) Trenntransformator

mueter.jpgBei Reparaturen von alten Radios, Fernsehern, Tonbandgeräten, Plattenspielern (wobei kein Unterschied von Wechselstrom- oder Allstromgeräten gemacht wird) ist unbedingt auf die Sicherheit gegen Stromschlag für den Reparateur zu achten. Eine gute Sicherheitsmaßnahme ist die Verwendung eines Trenntransformators (am besten sogar eines Regeltrenntransformators).

 

Zwar ist EIGENTLICH bei einem reinen Wechselstromgerät immer eine galvanische Trennung der primären Stromnetzseite zu den umgesetzten Spannungen im Gerät vorhanden (jeder Tranformator mit isolierten Primär- und Sekundärwicklungen ist ein Trenntransformator), aber es kann durch Fehler oder Fremdeingriffe leider auch eine galvanische Verbindung vom Orts-Stromnetz zum Geräte-Innereren auftreten.

 

Das kann zu Stromschlägen für den Reparateur führen, auch wenn Messgeräte oder masse-führende Antennen oder verbundene Fremdgeräte genutzt werden.

 

Gerade bei Nutzung von Allstromgeräten ist diese Gefahr sehr groß!

 

Deshalb wird dringend bei Reparaturen die Verwendung eines ECHTEN (Primär/Sekundär) Trenntransformator empfohlen. Spar-Regeltrafos ohne galvanische Trennung sind NICHT geeignet, da sie das Ortsnetz nicht galvanisch aussperren.

 

Ansonsten bitte die Sicherheithinweise des Wumpus-Kompendiums beachten. ... mehr

165) Sinus-Leistung, Musik-Leistung, RMS-Leistung, PMPO-Leistung


Niederfrequenzverstärker geben an den Lautsprecher eine Leistung ab, um den Lautsprecher anzutreiben.

 

Sinus-Leistung: Es hat sich ursprünglich der Begriff Sinus-Leistung (Sinusdauerleistung) etabliert. Um diese Sinusleistung zu bestimmen, wurde ein Sinuston von einem NF-Gennerator in den Verstärker eingekoppelt (zumeist 800 Hz oder 1000 Hz). Jetzt wurde an der Nennimpedanz des Verstärkers bei einem maximalen Klirrfaktor von 10 % (es gab auch andere % - Vorgaben, HiFi 1 %) die anstehende Leistung gemessen. Heute kaum noch in Nutzung, da die Norm DIN 45500 wohl nicht mehr gilt.

 

Musik-Leistung: Es stellte sich heraus, dass die Sinusleistung ein etwas sehr künstlicher Wert ist. Überträgt man Musik oder Sprache, also ein Frequenzgemisch, so konnte u.U. die Musikleitung andere Ergenisse liefern. Musiklleistungen liegen immer über den Werten der Sinusleistung. Die Ermittlung der Musikleistung ist ähnlich wie der PMPO-Leistung nicht genormt. Die Musikleitung ermittelt, was ein Verstärker maximal als kurze Impulsfolge bei voll geladenen Netzteil-Elkos abgeben kann. Dabei wird zum teil der Klirrfaktor nicht berücksichtigt. Viele Verstärker und HiFi-Anlagen gaben die Sinusleistung und die Musikleistung an. Beispiel: 30 Watt Sinusleistung, 48 Watt Musikleistung.

 

RMS-Leistung: Im Bemühen für den praktischen Betrieb eine besser geeignete Watt-Zahl angeben  zu können, wurde die RMS-Leistung eingeführt. Dabei wird ein breitbandiges "rosa Rauschen" in den Verstärker eingekoppelt und eine daraus  eine Art  resultierende Efektiv-Durchschnittsleistung gemessen. Dieses Messverfahren ist heute die Norm um beschreibt das System Verstärker - Lautsprecher (insbesondere bei Mehrwegsystemen) besser als die alte Sinusleistung. Trotz diverser anders gelagerter Angaben im WWW gehe ich davon aus, dass Sinus und RMS ähnlich bis gleich sind.

 

PMPO-Leistung: Eine aus meiner subjektiven Enschätzung eher werbliche Hochbewertung für schwächliche Verstärker, die vielleicht 10 Watt  Sinus oder 15 RMS bieten können, werden plötzlich mit 200 Watt PMPO beworben. Ist immer wieder witzig, z.B. einen PC-Subwoofer-Verstärker zu sehen, der aus dem Netz 35 Watt entnimmt (Angabe des Hersteller) und eine PMPO-Leistung von 200 und 75 und 75 Watt verheißt. Wer auf einen 200 Watt PMPO-Verstärker trifft, der keine anderen Leistungsangaben hat, könnte vielleicht 8-15 Sinus / RMS - Leistung haben... Ich stehe also  1000 Watt PMPO eher skeptisch gegenüber (um es höflich zu sagen).

166) HF-Störungen (Klappferrite)

klappferrit1.jpgDer Rundfunkempfang auf LW, MW, KW und auch auf UKW stand schon immer in der Gefahr durch Störungen beeinträchtigt zu werden. Als Störquellen gelten Motoren mit Kontakten, an denen sich Funken bilden können. Funken = Störungen! Auch Zerhacker, alte Türklingeln galten schon in der Radiofrühzeit als Störquellen. Im PKW konnte die Zündung oder Lichtmaschine  HF-Störungen generieren.

 

Heute sind viele weitere Störquellen hinzu gekommen. An erster Stelle sind elektronisch gesteuerte Netzteile zu nennen. Es gibt kaum ein Gerät im Haushalt, was ohne auskommt. Auch Lichtdimmer oder Leuchtstoffröhren mit Anschlußelektronik oder LED-Lampen mit Netzspannungsbeeinflussung oder FAX-Geräte sind potentielle HF-Störer. Powerline-Internet nicht zu vergessen.

 

Gerade auf LW, MW, KW können diese Störungen erheblich sein. Die Störquellen geben ihr Signal direkt aus dem Gerät in den Raum ab, verstärkt wird aber bei Netzgeräten diese Störstrahlung  noch über die Netzleitungen, die teilweise als "Sendeantennen" wirken.

 

klappferrit2.jpgAbhilfe in Sicht? Bedingt ja. Zuerst sollten störende Geräte auf Abstand zu Radios platziert werden (nicht immer geht das so). Wenn möglich, sollte die Antenne des Radios räumlich abgesetzt an möglichst störarmer Lage platziert werden. Am Besten sollten hier als Antennen-Zuleitungen abgeschirmte Koaxialkabel mit Impedanzanpasser genutzt werden. Hat ein Radio eine drehbare Ferritantenne, sollte diese verwendet werden (man kann damit Störungen zum Teil ausblenden). Auch drehbare Rahmenantennen für LW, MW, KW können helfen.

 

Hilft das alles nicht, können u.U. Steckdosenleisten mit eingebauten Störfilter auf Wirkung getestet werden. Es gibt auch Störfilter, die aber nicht fertig konfektioniert (so als eine Art Zwischenstecker/Zwischenkupplung) erhältlich sind.

 

Eine ganz gute Methode kann die Verwendung von Klappferriten sein. Diese werden auf Netzzuleitungen oder anderen Geräte-Verbindungen aufgeschoben, immer so dicht wie möglich an das jeweilige Gerät. Klapp-Ferrite können auch mehre hintereinander gesteckt werden. Auch kann man das Kabel mehrfach (wenn möglich) um den Klapp-Ferrit winden. Die Klappferrite reduzieren zumindest den HF-Anteile, der über das Kabel per Antennenwirkung abgestrahlt oder weitergeleitet wird. Versuch macht hier klug. Ich selbst verwende ca. 70 dieser Klappferrite in meiner Wochnung mit akzeptablen Erfolg. Dabei wurden auch viele Verbindungskabel der Computer überstülpt. Auch die Amateurfunkanlagen wurden entsprechend beaufschlagt.

 

Trotzdem gilt: Es kommt bei HF-Störungen sehr auf den Einzelfall an. Oft kann  (auch eine Kombination der oben aufgezählten Möglichkeiten) keinen vollen Erfolg bringen. Wer heute AM-Rundfunk nutzen will (vielleicht sogar Rundfunk-Weitempfang) sollte zumindest die abschaltbaren Geräte in der eigenen Wohnung bei Weitempfang vom Netz nehmen. Am besten, die eigenen Starkstörer mit einem kleinen portablen Radio ermitteln (der eigene Computer steht hier sicher mit an erster Stelle) und vom Netz nehmen (auschalten reicht oft NICHT).

167) Volksempfänger mit Rundskala: Skalenscheibe läßt sich nicht mehr drehen

Die Volksempfänger mit Rundskala (wo man über dem Abstimmknopf den kleinen Skalenausschnitt sieht) haben teilweise das Problem, daß die elfenbeinfarbige Zelluloid-Scheibe über die Jahrzehnte geschrumpft ist (zum Teil auch verbogen). Dadurch kann hinter dem Abstimknopf auf dessen Achse das Friktions-Schlitzrad nicht mehr in den Rand der Skalenscheibe eingreifen.

 

Hinzu kommt noch die Verharzung des Schmieröls / Schmierfetts der Drehkondensatorlager. Hier sollten die Lager entfettet und mit einem säurefreien Öl nachgeölt werden.

 

Will man (ohne zustandsverändernde Eingriffe) hier Besserung erhalten, kann man auf das Schlitzfriktionsrad der Abstimmknopfachse einen Ringgummi aufsetzen. Diese Gummis bekommt man als Reparatur-Sets (also Gummiringen mit unterschiedlichen Durchmesser und Ringdicken) in Baufachmärkten. Man sucht sich einen Ring aus, der gut auf der Friktionsscheibe aufliegt - ohne  die Chassis-Wand zu schleifen - und trotzdem gut gegen die Skalenscheibe drückt (aber nicht abspringt) und somit den Antrieb wieder wirksam macht.

 

Die Skalenscheibe drückt seitlich an eine Seite des Gummis. Sollte der Gummi am Chassis schleifen, eventuell versuchen eine dünne Unterlegscheibe aufzusetzen. Ich habe die Gummiringe zumeist mit sehr wenig Patex fixiert (dieser Kleber kann in gewissen Grenzen Gummi und Metall kleben). Am Besten ist es, die Stellung der Skalenscheibe hin und wieder zu ändern, denn es tritt durch den Gummi eine sehr leichte Verbiegung der Skalenscheibe ein.

 

Ich konnte in mehren Fällen so wieder eine Funktion sicherstellen, wenn der Drehko sich leicht drehen läßt. Schwieriger wird es, wenn die Skalenscheibe auch noch verzogen ist. Hier müsste man VORSICHTUNG durch kontrolliertes Erwärmen versuchen die Scheibe wieder glatt zu bekommen.

 

Zwischenzeitlich gibt es auch im WWW Angebote für Ersatz-Skalenscheiben.

168) UKW-Teil

 

a) Technischer Aufbau.

b) UKW-Teil schwingt wild. 

c) UKW-Teil mit merkwürdigen Effekten.

 

Das UKW-Teil ist in Radios mit die komplizierteste und eigenwilligtse Baugruppe. Bei UKW gelten andere technische Gesetze als in HF-Teilen für LW, MW und bedingt auch für KW.

 

Der UKW-Frequenzbereich ist deutlich höher, als bei den klassischen AM-Bereichen (150 kHz bis 30 000 kHz). UKW-FM wird auf 87 - 108 MHz abgestrahlt. In diesem Bereich ist der Aufbau (mechanisch und elektrisch) des UKW-Teil besonders zu gestalten. Schon der Begriff UKW-Teil als abgesonderte und im einem Metallgehäuse angebrachte Einheit zeigt die Besonderheit an.

 

Ein typsches UKW-Teil hat eine UKW-geeignete Doppeltriode, wie z.B. eine ECC85. Davon wird ein Triodensystem als HF-Vorstufe genutzt, das andere System als selbstschwingende Misch/Oszillatorstufe. Es gab aber auch UKW-Teile, die mit zwei getrennten Trioden arbeiten, wie z.B. bei Saba 2 x EC92. Einzeltrioden hatten den Vorteil der noch besseren Trennung von Vorstufe und Misch/Oszillator-Stufe.

 

Es darf aber nicht vergessen werden, dass in der Frühzeit des UKW-Rundfunks (um 1949) UKW-Pendler genutzt wurden, die das Signal gleich in Niederfrequenz wandelten. Dieses einfache Konzept hatte aber Nachteile. Es folgten Trickschaltungen, wo man versuchte AM-Misch/Oszillatorstufen (mit z.B. ECH41) auch für UKW (durch Umschalten der Bauteile) zu verwenden. Das war keine wirklich gute Idee, zu viele Nachteile.

 

Ein typisches UKW-Teil-Schaltbild:

ukw-teil-schaltbild.jpg

UKW-Teile verwenden in der HF-Vorstufe gern Gitterbasisschaltungen oder Zwischenbasis-Schaltungen,

weil diese Stufe so besser rauschangepasst und neutralisiert und gegen Abstrahlung geschirmt werden können.

Trioden kommen wegem dem besseren Rauschverhalten (im Vergleich zu einer Penthode) zum Einsatz.

Bei diesem UKW-Teil wird die UKW-Einbauantenne in die Geräte-UKW-Buchse gesteckt. Es ist ein symmetrischer 240 Ohm Flachbandanschluss führt zum Einkoppeltrafo in die Kathodenleitung. Um die eingebaute Behelfsantenne gut an 240 anpassen zu können,  hat diese Antenne einen Anpassbügel.

Es sind einige Trimmer-Kondensatoren und abgleichbare Spulen vorhanden, um den Gleichlauf von Mischkreis und Oszillator-Kreis herstellen zu können und den Frequenzbereich einstellen zu können.

Die Gittervorspannung der Vorstufe wird mit den 470 kOhm, die der Mischstufe mit dem  330 kOhm erzeugt.

Die Trimmerspule der Vorstufe wird auf beste Empfindlichkeit in Bandmitte abgeglichen.

Die Vorstufe wird nicht abgestimmt, der linke Drehko stimmt den Eingangskreis mit seiner Frequenz ab, der rechte rechte Drehko den Ozillatorkreis um die Zwischenfrequenz versetzt ab. Die resultierende Zwischenfrequenz von 10,7 MHz wird an der Anodenseite des rechten ECC85-Systems über das ZF-Filter ausgekoppelt.

Das rechte ECC85-System arbeitet als additive Mischstufe.

 

 

Ein weiteres typisches UKW-Teil-Schaltbild:

ukw-teil-schaltbild2.jpg

Dieses UKW-Teil nutzt in der HF-Vorstufe die Zwischenbasis-Schaltung. Der HF-mässige Erde-Punkt liegt bei "X" im Schaltbild, also zwischen Steuergitter und Kathode. So kann die Antennenimpedanz gut angepasst werden und die Selbsterregungsgefahr reduziert werden. Allerdings verfügt die Vorstufe auch über eine Neutralisierung (Serienkreis zwischen Anode und Gitter). Bei diesem Schaltbild sind die Durchführungskondensatoren (1000 pF) gut zu erkennen. Die Aussenseite dieser Kondenstoren sind  ohne weitere Drahtverbindung direkt mit dem Chassis verlötet.

Die Vorstufe wird nicht abgestimmt, der untere  Drehko stimmt den Eingangskreis mit seiner Frequenz ab, der obere Drehko den Ozillatorkreis um die Zwischenfrequenz versetzt ab. Die resultierende Zwischenfrequenz von 10,7 MHz wird an der Anodenseite des rechten ECC85-Systems über das ZF-Filter ausgekoppelt. Die Anodenspannungsversorgung für das UKW-Teil wird von rechts oben zugeführt. Das rechte ECC85-System arbeitet als additive Mischstufe.

 

Wildes Schwingen, Eigenerregung, Effekte:

Da bei UKW schon kleine Kapazitäten zur Übertragung von HF ausreichen und innere Röhrenkapazitäten und kapazitive (aber auch induktive) Kopplungen durch sonstigen Aufbau auftreten können, neigen UKW-Teile leider zu Selbstschwingungen (Eigenschwingungen, Selbsterregung, wildem Schwingen).

 

Die Ingenieure versuchten das wilde Schwingen durch sorgfältigem Aufbau, Neutralisierungen der HF-Vorstufe (auch mit Gitterbasis und Zwischenbasis), effektive Abblockungen / Verdrosselungen der Betriebsspannungen (auch der Heizspannung), Verwendung keramischer Kondensatoren, usw einzudämmen. Ferner wurden oft Abblockkondenstoren der Anodenspannungen als Durchführungskondensatoren realisiert, da diese besonders wirksam im UKW-Bereich waren.

 

Heute ist das Problem damit: Muss ein Bauteil im UKW-Teil getauscht werden, kann ein nicht gut wirkender Kondensator für UKW-Frequenzen sofort Schwingeffekte hervorrufen. Man kann hier nicht einfach einen Keramikkondensator gegen einen Folienkondensator tauschen.

 

Hinzukommt die Gefahr, dass beim Tauschen eines frequenzbestimmenden Kondensators ein Typ (zwar mit der richtigen Kapazität) aber mit falschem Temperatur-Koifizent gewählt wird. Das würde zu einer starken Frequenzdrift bei Erwärung führen.

 

Es sollten bei Reparaturen im UKW-Teil niemals nur auf Verdacht Bauteile gewechselt werden.

 

Insbesondere die HF-Vorstufe kann (auch bei Röhrentausch) ins Selbstschwingen geraten. Das kann zu sehr unterschiedlichen Effekten führen, wie z.B. ...

 

... Unempfindlichkeit (auch u.U. nur in einem Teil des UKW-Bereichs)

... Berührungsempfindlichkeit (im Bereich der Röhre) auch bei geschlossenem UKW-Teil

... Zwitschergeräusche beim Abstimmen (trotz FM)

... Brodeln, Grummeln (trotz FM)

... grobe Frequenz-Verschiebung

... plötzlicher Empfang von Nicht-UKW-Rundfunksignalen  von ausserhalb des UKW-Rundfunkbandes

... usw, usw.

 

Ursachenkatalog für wildes Schwingen (nicht abschließend):

 

Röhrenfassungskontakte schlecht, Röhre defekt, Betriebsspannung zu hoch oder zu gering, abgerissene Leitungen zum UKW-Teil, defekte Bauteile (wie Kapazitätsverlust von Kondensatoren, Widerstandswertänderungen), Fremdeingriffe (passiert gar  nicht so selten. Beispiel: Trimmer und Spulen verstellt), Fehlabgleich, UKW-Drehko-Defekte (Kontakte, Oxydation).

 

... mehr zum Thema "UKW-Teil"

 

 

169) Keramische Kondensatoren aus DDR-Produktion. Spannungs- und Toleranzangaben auf den Bauteilen.

 

In Bearbeitung!

 

Auf einem keramischen Kondensator aus DDR-Produktion steht beispielsweise  100 nSt

 

Dabei ist der1. Buchstabe n die Kapatität  100 nF (nano). p wäre (pico)

 

Der 2. Buchstabe S gibt die Toleranz an, von Minus 20% bis Plus 50%,

 

Der 3. Buchstabe t steht für die Spannungsfestigkeit, hier 63 Volt. Der Buchstabe r würde einer Spannung von 25 Volt entsprechen.

 

Die vollständige Reihe der Toleranzen (2. Buchstabe):

 

(kommt noch)

 

Die vollständige Reihe der Spannungsfestigkeit von Kondensatoren (3. Buchstabe):
a 50 Volt
b 125 Volt
c 160 Volt
d 250 Volt
e 350 Volt
400 Volt Kein Buchstabe.
f 500 Volt
g 750 Volt
h 1000 Volt
i 630 Volt
m 10 Volt
r 25 Volt
t 63 Volt
Diese Spannung gibt die Nennspannungsbelastung für Gleichspannung an.

u 250 Volt
v 350 Volt
w 500 Volt
Diese Spannung gilt für die Wechselspannungsfestigkeit

 

Die Tabelle hat "Wolle" aus dem Wumpus-Gollum-Forum bereit gestellt.

 

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170)Ferritantennen allgemein (a) und Ferritantennenstab gebrochen (b). Was tun?

 

ferrit-beispiel.jpga) Vor 1952 benötigte man zum Rundfunkempfang auf Mittelwelle und Langwelle eine Drahtantenne oder eine raumgreifende Rahmenantenne. Eine Drahtantenne sollte zumindest 3-15 Meter lang sein und möglichst frei, hoch und  aussen hängen. Nicht immer konnte man das so machen. Rahmenantennen waren recht groß, am besten ca. 80 x 100 cm.

 

--> Typische drehbare (siehe Seilzug) Ferritantenne. Anklicken.

 

1952 brachten erste Firmen (z.B. Grundig 4010F) dann für MW und LW Ferritantennen auf den Markt. Die hatten sehr geringe Abmessungen: Typisch 15 cm x 1 cm. Diese Antennen wurden zumeist im Gerät über dem Chassis möglichst weit weg von Metall frei drehbar montiert. Man konnte fast immer mit einem Drehknopf die Antenne drehen. Drehen deshalb, weil Ferritantennen eine sogenannte bidirektionale Richtwirkung hatten (in Form einer liegenden 8).

 

Man dehte die Antenne, bis der gewünschte Sender am lautesten zu hören war. Weiter konnte man nahe zur Empfangsfrequenz liegende Nachbarsender ausblenden, wenn sie örtlich günstig zum gewünschten Sender lagen.

 

Ein weiterer Vorteil war: Die Ferritantenne nutzt die magnetische Komponente des Sendersignals, nicht das elektrische Feld. Verstärkt wurde dieser Effekt noch, wenn die Antenne eine Elektrofeld-Abschirmung erhielt. Das hatte sich in Häusern in Bezug auf Elektro-Sörungen als vorteilhaft herausgestellt.

 

Wie war die Ferrit-Antenne aufgebaut? Auf den Ferritstab wurde eine Wicklung isoliert aufgewickelt, diese Spule diente entweder als reine Antenne oder in aller Regel als Schwinkreisspule. Für MW war sie oft aus HF-Litze, für LW genügte u.U. eine aus Kupferlackdraht. Ferritantennen waren eher für LW und MW geeignet, weniger für KW.

 

Gute Empfänger nutzen die Ferritantenne gern in Verbindung mit einer HF-Vorstufe, die zum Einen verstärkte, zum Anderen die Antenne gut an die Mischstufe anpasste.

 

Nutze man nur die Ferritantenne, brauchte für LW und MW keine Drahtantenne oder Erde an das Radio angeschlossen werden.

 

ferrit-signalweg.jpg

Signalweg eines Radios mit Ferritantenne vom Antenneneingang zur Mischröhre.

 

... mehr zu Ferritantennen

 

 

 

b) Ferritantennensatb gebrochen. Was tun?

Das Material eines Ferritstabes ist recht stossempfindlich. Leicht kann ein solcher Stab brechen, insbesondere bei Reparaturen bei geöffnetem Gerät, aber auch, wenn ein Gerät herunter fällt.

 

Zuerst prüfen, ob Anschlußdrähte dabei gerissen sind.

 

Es ist grundsätzlich möglich, Ferritstäbe zusammenzukleben. Beim Klebevorgang und bei der Vorbereitung darauf achten, dass die Klebestellen fettfrei bleiben, nicht mit den Fingern berühren. Die Teilstäbe müssen dabei dicht und genau passend verklebt werden. Auch kleine Splitter sollten exakt passend mitverklebt werden.

 

Als Kleber ist sogenannter Sekundenkleber geeignet, weil hier die Klebestellen sehr dünn ausfallen können. Diesen Kleber einseitig (oder genau nach Bedienungsanleitung) dünn auftragen und dann konzentriert genau verkleben, vielleicht ein Einpass-Konstrukt basteln. Obwohl hier ein Sekundenkleber besprochen wird, sollte die Klebestelle sofort nach dem Klebevorgang zumindest 12 Stunden ruhen. Die meisten Sekundenkleber binden durch die Luftfeuchtigkeit ab, also für ausreichende Luftfeuchtigkeit sorgen. Tage mit 30 % sind suboptimal.

 

Es kann u.u. nötig werden, das Gerät im HF-Bereich leicht nachzugleichen.

 

 

171) Der Reinartz / Leithäuser Audion-Empfänger

Die schon in der Frühzeit des Rundfunks eingesetzten Geradeaus-Einkreis-Empfänger nach dem Audion-Prinzip nutzten zumeist eine induktive Rückkopplung (über eine Spule, die phasenrichtig das in der Audionröhre verstärkte HF-Signal nochmal nach "vorn" in den gitterkreis-Bereich einkoppelte), um den Schwingkreis nach Wunsch entdämpfen und somit die Sensitivität und Selektivität des Geräts erhöhen zu können. Ein gewisser Nachteil dieses Prinzips ist die Rückwirkung der Rückkopplungs-Spule.  Bei Änderung dieser Kopplungsstärke tritt eine  Frequenzverwerfung des Schwingkreises auf. So musste man (wenn optimale Werte erreicht werden sollten) immer wieder den Abstimmknopf leicht nachstellen.

 

Prof. Gustav E. Leithäuser * in Deutschland und John L. Reinartz * (K6BJ) in den USA machten sich Gedanken über Verbesserungen, um u.a. diese Frequenzverwerfungen zu kompensieren. Sie entwickelten ein Rückkopplungskonzept, bei dem die Rückkopplung im Wesentlichen kapazitiv erfolgte (Kombinations-Induktivitäten blieben aber möglich). Da nun nicht mehr die Ortslage der Rückkopplungsspule verändert werden mußte,  verstellte sich auch nicht beim "Anziehen" der Rückkopplung die Empfangsfrequenz. Dabei gab es bald einige Varianten, bei dem auf verschiedene Weise die kapazitive Rückkopplung, auch mit änderbaren Teilinduktiviten "hinter" der C-Kopplung gestaltet wurde.

 

* = Weltweit wird Reinartz als Erfinder der kapazitiven Rückkopplung genannt. Andere Quellen weisen wohl eine in etwa parallele Erfindung des kapazitiven Rückkoppelns auch Leithäuser zu.

 

Auch Hartley brachte eine Audionschaltung mit kapazitiver Rückkopplung heraus, ferner sei noch der Weagant-Empfänger zu nennen.

 

Quasi als Nebeneffekt galt die Reinartz-Schaltung (dieser Name setzte sich durch) als besonders empfangsstark und klangrein und wurde in den frühen Jahren zuerst als "Geheim-Tipp" gehandelt, später insbesondere bei Radio-Amateuren gern verwendet. Man findet in alten Fachzeitschriften (z.B. der "Funk-Bastler") und Büchern (z.B. "Leithäuser-(Reinartz-) Empfänger. Ein Bastelbuch") viele Bauvorschläge und Wirk-Varianten. In diesem erwähnten Buch wurden auch Schaltungen mit HF-Vorstufe dargestellt.

 

Hier Beispiele für Reinartz / Leithäuser - Schaltungen in Rundfunkgeräten im Wumpus-Online-Museum:

 

Telefunken Arcolette 3W, Telefunken 40W, Telefunken 33W, Saba 35W, Stassfurt W42

 

 

 


 

Schaltungs-Beschreibungen von Reinartz / Leithäuser-Geräten:

 

audion-klassisch.jpg

171/1: Standard-Audion-Schaltung, die Änderung der induktiven Rückkopplung erfolgt

durch Verschieben der Rückkopplungs-Spule L1. R Gitter mit dem parallelen Kondensator

bilden die Gitter-Audionkombination. Eine HF-Drossel ist im Anodenweg nicht nötig.

 

 

reinarz-empfaenger-0.jpg

171/2: Hier bei dieser Reinartz-Leithäuser-Schaltungsvariante gibt es zwar auch eine Rückkopplungsspule L1,

aber diese ist unveränderlich und beeinflußt deshalb nicht die Schwingkreisfrequenz. Der Grad der

Rückkopplung wird mit C-Rückk. eingestellt, wobei dieser Kondensator nur als kapazitiver Widerstand funktioniert.

Die HF-Drossel Dr  ist notwendig (sie dient für die HF als wesentlicher "Arbeitswiderstand".

 

 

reinarz-empfaenger.jpg

171/3: Eine weitere Reinartz-Leithäuser-Variante: Antenne koppelt galvanisch und aperiodisch in den Schwingkreis. Das Rückkoppel-Signal wird teils induktiv, aber auch kapazitiv von der Anode zurückgeführt, auch hier ist die HF-Drossel als HF-Arbeitswiderstand nötig. Der Grad der Rückkopplung wird  mit Ca eingestellt. C2 ist der Frequenzfeinabstimmer, S3 wählt grob.  Mit S1 wird die Rückkopplung grob eingestellt. Cg und Si bilden die Audion-Gitterkombination.

 

 

leithaeuser-empfaenger.jpg

171/4: Eine der Leithäuser-Schaltungen. Die Antenne wird aperiodisch / induktiv auf den Schwingkreis gekoppelt.

Die Schwingkreis-Spule (L2 / C) liegt mittenangezapft" kalt". Das Rückkopplungs-Signal wird über C rück und den Koppelteil der Schwingkreisspule L3  zurück geführt. Auch hier kann der Rückkkoppelspulenteil die Empfangsfrequenz kaum verschieben,

wenn die Rückkopllung angezogen wird. Die HF-Drossel Dr stellt im Wesentlichen den HF-Arbeitswiderstand dar.

Cg und Rg bilden die Audion-Gitterkombination. Weiterer Vorteil: die Antenne / Erde ist vom Gerätestromkreis

galvanisch getrennt.

 

 

Zum Teil 1

 

Zum Inhaltsverzeichnis

 

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02.05.2017

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