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Geheimsender auf dem Gebiet der DDR

Als junger Mann hörte ich oft und gern Radio, auch auf dem damals noch üblichen Mittelwellenbereich. Eines Abends stieß ich beim Durchdrehen des Radio-Abstimmknopfes auf einen Sender, der irgendwie "komisch" war. Er brachte (damals) moderne Musik und merkwürdige Nachrichten und Kommentare. Er nannte sich "Deutscher Freiheitssender 904". Der Sender erweckte den Eindruck vom Gebiet der Bundesrepublik zu senden. Der Themen-Tenor zeigte eine deutliche Kontra-Position gegen die offizielle Politik in "Westdeutschland" und es wurde auch gegen das Verbot der KPD in Westdeutschland gewettert.

 

Für mich ein aufregendes Radio-Erlebnis. Der Sender war in Berlin gut zu empfangen. In der Folgezeit versuchte ich immer wieder mal diesen Sender zu hören. Schon damals begann ich an der These "Standort auf dem Gebiet der BRD" zu zweifeln. Ein solcher Sender wäre doch schnell angepeilt und ausgehoben worden.

 

Ich versuchte mit meinem Transistorradio Standard SR H505 (rechts) und dessen Ferritantenne den Sender anzupeilen. Dazu fuhr ich mit dem Buss nach Berlin-Frohnau, machte meine Messung und dann nach Berlin Wannsee. Leider waren beide Peillinien fast parallel. Ein Peilkreuz bildete sich kaum. Hauptrichtung war ungefähr WSW von Berlin.

 

Nun war es in diesen Jahren nicht ganz einfach (Internet gab es noch nicht) Informationen über den Sender zu erfahren. Mitschüler wussten auch nichts.

 

burg1.jpgBei einer Kurzreise nach Hamburg konnte ich mit meinem Standard-SR-H505 Kofferadio aus Lauenburg und Hamburg noch zweimal peilen. Das ergab dann mit der Peilung aus Berlin schon richtige Peilkreuze, die eindeutig den Großraum Magdeburg ergaben. Bei einer weiteren Kurzreise zum Elm bei Braunschweig hörte ich auf der Transitstrecke Berlin- Marienborn mit mehrfach eingezogener Autoantenne den Sender mit und bekam ein Maximum bei Burg bei Magdeburg (Foto links). Der tatsächliche Senderstandort lag unweit von Burg in der Ortlage Brehm.

 

So wusste ich bald: Der Deutsche Freiheitssender 904 sendete vom Territorium der DDR. Nun gab es auch irgendwann (ich glaube beim RIAS oder SFB) eine Sendung, die auf den DDR-Propaganda-Sender verwies.

 

In dieser Sendung erfuhr ich auch von einem weiteren Geheimsender: Deutscher Soldatensender 935. Auch dieser Sender war in Westberlin gut zu hören. Er richtete sich themenmäßig an die Soldaten der Bundeswehr. Beide Sender sendeten nicht immer. Sendestandort war  auch Burg bei Magdeburg. Als der Reiz des Geheimen und Neuen nachließ, begann ich die Sender langsam zu vergessen, eigentlich nicht weiter schlimm ...

 

Beide Sender konnten bis zu 250 kW abstrahlen. Die beiden Sendemaste bildeten einen Strahler und enen Reflektor. Die Sendefrequenz von 904 kHz lag ungünstig nahe an anderen Sende-Frequenzen. Somit war die effektive Reichweite (insbesondere in den Südwesten Deutschlands etwas eingeschränkt.

 

Programminhalte: Neben populären Musiksendungen gab es auch u.A. geheimnisvolle Ansagen, wie z.B. "Wir rufen den Postschaffner, das dritte Telegramm ist die Lösung" oder "Die Madame liest nicht mehr Krimi".  Ob mit solchen Meldungen tatsächlich Agenten der DDR in der Bundesrepublik und Westberlin "geführt" wurden, entzieht sich meiner Kenntnis. Vielleicht sollten diese Meldungen auch nur das Aroma des Geheimisvollen verstärken?

 

Um 1971 / 1972 stellten beide Programme  ihren Betrieb ein.

 

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28.10.2015

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